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USA: Droht mit Jerome Powells Abschied das Ende der Unabhängigkeit der Fed?

Дата публикации: 29-04-2026 08:35:00

Der Zinsentscheid der Fed dürfte der Letzte in der Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell sein. Sein Nachfolger Kevin Warsh ist Wunschkandidat von Donald Trump – kann Warsh wie Powell die Unabhängigkeit der Fed schützen?

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Nur noch wenige Tage im Amt: Die reguläre Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell läuft Mitte Mai aus
Nur noch wenige Tage im Amt: Die reguläre Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell läuft Mitte Mai aus

Nur noch wenige Tage im Amt: Die reguläre Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell läuft Mitte Mai aus

Foto: Ken Cedeno / REUTERS

Die Entscheidungsträger der US-Notenbank Fed haben sich am Mittwoch in Washington zu einer Sitzung getroffen, die mit großer Wahrscheinlichkeit die letzte von Jerome Powell (73) als Fed-Chef sein wird. Dabei stand allerdings weniger der eigentliche Zinsentscheid im Mittelpunkt. Die Fed ließ die Zinsen wie erwartet unverändert – sondern vielmehr, was danach passieren wird.

Die Notenbank befindet sich aktuell in einer Zwickmühle aus höherer Inflation und großer Unsicherheit. Der Irankrieg hat die Ölpreise binnen weniger Wochen nach oben getrieben – die Nordseesorte Brent ist von rund 70 US‑Dollar zeitweise auf weit über 100 US‑Dollar je Barrel gestiegen und heizt damit die Inflation erneut an. Zugleich ist unklar, wie stark die höheren Energiepreise die US-Konjunktur mittelfristig belasten werden.

Vor diesem Hintergrund gilt die beibehaltene Zielspanne von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent als eine Art Zwischenstand.

Amtszeit endet am 23. Mai

Powells Amtszeit als Vorsitzender der Fed endet knapp drei Wochen nach dem Zinsentscheid, am 23. Mai. Lange sah es so aus, als könnte er auch darüber hinaus an der Spitze der Zentralbank bleiben: Die Republikaner verfügten im Bankenausschuss des Senats bis zum vergangenen Sonntag nicht über die nötige Mehrheit, um den geschlossenen Widerstand der Demokraten zu überstimmen und die Nominierung von Trumps Kandidaten für die Fed-Spitze, Kevin Warsh (56), dem gesamten Senat vorzulegen.

Trumps Auserwählter: Vom designierten Fed-Chef Kevin Warsh erhofft sich der US-Präsident weitere Zinssenkungen

Trumps Auserwählter: Vom designierten Fed-Chef Kevin Warsh erhofft sich der US-Präsident weitere Zinssenkungen

Foto: Mandel Ngan / AFP

Für US-Präsident Donald Trump (79) sind das gute Nachrichten: Während er seinen Wunschkandidaten an der Spitze der Zentralbank positioniert sieht, befürchten Beobachter, dass Warsh Trumps williger Vollstreckungsgehilfe werden könnte: Der Präsident machte zuletzt keinen Hehl daraus, dass er von Warsh rasche Zinssenkungen erwartet und sich selbst als „kluge Stimme“ in künftigen Entscheidungen verstanden wissen will. Aussagen wie diese nährten zuletzt Zweifel, ob der neue Vorsitzende dem Druck Trumps dauerhaft widerstehen kann.

Auch, wenn der designierte Fed-Chef vergangene Woche vor dem Bankenausschuss des US-Senats versprach, Zinsentscheidungen „strikt unabhängig“ von politischen Erwägungen oder den Äußerungen gewählter Amtsträger treffen zu werden, so hatte er zuletzt auch signalisiert, dass er rasch Veränderungen bei der Fed umsetzen würde.

Je länger der Irankrieg dauert, desto unwahrscheinlicher sind Zinssenkungen

Experten gehen allerdings davon aus, dass die Fed auch im weiteren Jahresverlauf – und unter einem möglichen neuen Chef Warsh – nicht von ihrer bisherigen Zinspolitik abweichen könne. „Auch für den weiteren Jahresverlauf besteht wenig Spielraum für die Fed, die Geldpolitik weiter zu lockern“, kommentierte Berenberg-Bank-Experte Felix Schmidt. „Denn nicht nur die Energiepreise, sondern auch die Zoll- und Migrationspolitik unter Donald Trump werden den Inflationsdruck in den kommenden Monaten weiter hochhalten.“ Eine weitere Zinssenkung sei noch möglich, aber mit jedem Tag, den der Krieg länger andauert, werde sie unwahrscheinlicher.

Das dürfte Trump nicht gefallen. Er hat die Fed in der Vergangenheit wiederholt zu Zinssenkungen gedrängt – auch in Phasen, in denen die Inflation erhöht war und eine Lockerung aus ökonomischer Sicht riskant gewesen wäre. Powell hielt dem politischen Druck und den Angriffen des Präsidenten stand, etwa im Juni 2025, als Trump Zinssenkungen um bis zu zwei Prozentpunkte verlangte und ihn öffentlich als „Dummkopf“ beschimpfte, die Fed die Zinsen aber wegen hartnäckiger Teuerung unverändert ließ. Er verteidigte die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Notenbank und bot den Märkten letztlich Orientierung und Stabilität.

Zwei, die sich nicht mögen: US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell

Zwei, die sich nicht mögen: US-Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell

Foto: Julia Demaree Nikhinson / picture alliance / AP

Viele Analysten erwarten, dass Warsh grundsätzlich etwas eher zu Zinssenkungen neigen könnte als Powell. Andererseits hat er mehrfach betont, dass für ihn eine verlässlich niedrige Inflation, eine weniger aufgeblähte Notenbankbilanz und die langfristige Stabilität des Finanzsystems Vorrang haben. Das wiederum spricht dafür, dass er zwar Trumps Wünsche nicht ignorieren wird, seine Entscheidungen aber nicht ausschließlich nach dessen politischem Fahrplan treffen dürfte.

Bleibt Powell der Fed noch als Gouverneur erhalten?

Ungeklärt bleibt vorerst, ob Powell nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender auch seinen Sitz im Direktorium der US-Notenbank aufgeben oder als Gouverneur im Amt bleiben wird. Das dürfte er theoretisch bis Januar 2028. So könnte er seiner Rolle als geldpolitischer Gegenspieler Trumps weiterhin treu bleiben und ein Gegengewicht zu Warsh bilden.

Verlässt Powell den Vorstand, könnte Trump eine zweite freie Stelle – neben der von Warsh – im siebenköpfigen Fed-Direktorium besetzen, seinen Einfluss auf die Zentralbank schneller ausbauen und seine geldpolitischen Vorstellungen womöglich stärker durchsetzen. Bleibt Powell hingegen bis zum regulären Ende seiner Amtszeit im Amt, verzögert er diese Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse im Direktorium. Aktuell stammen mehrere Gouverneure noch aus früheren Ernennungen der Präsidenten Barack Obama (64) oder Joe Biden (83), darunter etwa Mitglieder wie Philip Jefferson (64) oder Michael Barr (60), deren Amtszeiten teilweise bis in die 2030er-Jahre reichen.

Traditionell kehren Fed-Vorsitzende nach dem Ende ihrer Amtszeit auch dem Direktorium den Rücken. Powell selbst hat als Bedingung für sein Fed-Karriereende genannt, dass die gegen ihn gerichteten Ermittlungen „vollständig, transparent und endgültig abgeschlossen“ sein müssten. Auch wenn dies der Fall sei, wolle er seine Entscheidung jedoch davon abhängig machen, was er für das Beste für die Institution hält – nicht nur für sich persönlich. Nach Informationen des The „Wall Street Journal“  hat Powell nach fast 14 Jahren bei der Fed eigentlich den Wunsch, sich ins Private zurückzuziehen.

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Ein historisches Beispiel, an dem sich Powell orientieren könnte, ist Marriner S. Eccles – der einzige Fed-Vorsitzende, der auch nach dem Ende seiner Amtszeit bei der Fed blieb. Eccles war von 1936 bis 1948 Fed-Chef und war anschließend noch mehrere Jahre als Gouverneur im Fed-Direktorium tätig – nachdem Präsident Harry Truman bereits einen neuen Vorsitzenden eingesetzt hatte. In dieser Phase geriet er mit Truman in einen grundlegenden Konflikt über die Frage, wie stark das Weiße Haus Einfluss auf Zinsentscheidungen nehmen darf. Der Streit mündete schließlich in das sogenannte Treasury-Fed-Abkommen von 1951, das die operative Unabhängigkeit der Notenbank gegenüber dem Finanzministerium festigte und bis heute als Schlüsselmoment der Fed-Geschichte gilt.

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