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Raus aus Israel - Warum so viele Israelis ans Auswandern denken

Дата публикации: 24-08-2026 14:00:00

Gary überlegt, Israel zu verlassen. Mit diesem Gedanken ist er nicht allein. Viele Menschen sind frustriert von der Regierung und sorgen sich, wohin sich ihr Land entwickelt. Für Israel könnte die Abwanderung zu einem großen Problem werden.**********Ihr hört: Moderation: Ilka Knigge Gesprächspartner: Gary, überlegt aus Israel auszuwandern Gesprächspartner: Jörg Poppendieck, ARD-Korrespondent für Israel mit Sitz in Tel Aviv**********Den Artikel zum Stück findet ihr hier.**********Ihr könnt uns auch auf diesen Kanälen folgen:
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Gary überlegt, Israel zu verlassen. Mit diesem Gedanken ist er nicht allein. Viele Menschen sind frustriert von der Regierung und sorgen sich, wohin sich ihr Land entwickelt. Für Israel könnte die Abwanderung zu einem großen Problem werden.

Gary ist ein direkter Nachfahre eines Holocaust-Überlebenden. Israel ist für ihn seine Heimat. Dennoch überlegt er, sein Land zu verlassen, weil er sich ernsthaft um die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Israel sorgt.

"Wenn ich an meine vierjährige Tochter und ihre Zukunft in Israel denke, ist das für mich sehr beunruhigend."

Gary, überlegt Israel zu verlassen

Diese Sorgen machen sich viele Menschen in Israel, bestätigt Jörg Poppendiek, ARD-Korrespondent für Israel. Im Schnitt, sagt er, haben im Jahr 2025 90.000 Menschen das Land für einen längeren Zeitraum verlassen. Im vergangenen Jahrzehnt seien es im Schnitt um die 60.000 gewesen.

Dabei war Israel seit jeher ein Einwanderungsland. Das heißt, dass Jüd*innen aus der ganzen Welt nach Israel gezogen sind. Kurzzeitig haben immer wieder Israelis das Land verlassen, um ins Ausland zu gehen, aber sie sind immer zurückgekommen. Doch genau das ändert sich gerade, sagt der Korrespondent. "Laut Experten verlassen mittlerweile mehr Menschen das Land dauerhaft, als neue dazukommen."

Sorge um demokratische und liberale Gesellschaft

Als Hauptgrund nennen sie nicht die Lage im Nahen Osten oder den Krieg mit dem Iran, sondern die politische Entwicklung Israels unter Benjamin Netanjahu und den rechtsextremen und ultraorthodoxen Parteien, mit denen er koaliert.

"Viele sorgen sich so um die generelle Entwicklung im Land. Sie befürchten, dass das Land kein liberaler, kein demokratischer Staat mehr sein könnte."

Jörg Poppendiek ist ARD-Korrespondent für Israel

Tatsächlich zeige die Forschung, dass dieser Ausreisetrend bereits vor dem 7. Oktober 2023, also vor dem Anschlag der Terrororganisation Hamas, begonnen hat. Forschende bringen ihn eher mit der Justizreform in Zusammenhang. "Viele Israelis haben das als Angriff auf die Gewaltenteilung gesehen. Es war für sie der Beleg dafür, dass sich Israel politisch in die falsche Richtung entwickelt", erklärt der Journalist.

Warum die Bevölkerungszahl in Israel dennoch wächst

Ein anderer Grund für die Unzufriedenheit sei der zunehmende Einfluss der ultraorthodoxen Juden auf Politik und Gesellschaft. Die Geburtenrate in dieser Bevölkerungsgruppe ist mit sieben bis acht Kindern pro Frau überdurchschnittlich hoch, so Jörg Poppendiek. Die Folgen: Trotz steigender Auswanderungszahlen schrumpft die Bevölkerungszahl in Israel nicht. Und: Die Zusammensetzung der israelischen Gesellschaft dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten verändern – und damit auch der Lebensstil, fürchten säkulare Juden und Jüdinnen.

"Säkulare Juden fürchten, dass in Zukunft ihre Freiheiten eingeschränkt werden könnten. Manche sagen: Wir werden irgendwann so etwas sein wie der Iran."

Jörg Poppendiek ist ARD-Korrespondent für Israel

Sollte der Auswanderungstrend anhalten, könnte das für Israels Wirtschaft gravierende Folgen haben. "Es gehen vor allem junge und hoch qualifizierte Leute, also Ärzte, Forscher, aber auch Mathematiker, IT-Spezialisten und Ingenieure", sagt Jörg Poppendiek. Wenn diese Gruppen fehlen, drohe Israel langfristig im weltweiten Wettbewerb abgehängt zu werden. Außerdem würden Steuereinnahmen fehlen.

"Das Rückgrat der israelischen Wirtschaft sind der Hightech-Sektor und die Spitzenforschung. Beide Bereiche sind eben extrem abhängig von den Fachkräften, die jetzt gehen."

Jörg Poppendiek ist ARD-Korrespondent für Israel

Die Regierung habe bereits reagiert und biete Rückkehrenden Steuererleichterungen für mehrere Jahre an. Doch bis jetzt zeige das kaum Wirkung, so der Korrespondent.

Auswandern als Jude – keine leichte Entscheidung

Gary wartet seine Entscheidung noch ab – bis zu den Parlamentswahlen am 27. Oktober 2026 will er die Hoffnung nicht aufgeben. Und das, obwohl er selbst sagt, dass Netanjahus Regierung viel Unterstützung in der Bevölkerung habe und die Kandidaten der Opposition größtenteils schwach seien.

"Ich hoffe, dass genug Menschen in Israel eine Veränderung wollen."

Gary, überlegt, Israel zu verlassen

Wenn die politische Veränderung nicht kommt, ziehen Gary und seine Familie eine Emigration ernsthaft in Erwägung. "Meine Frau ist Italienerin", sagt er. "Daher überlegen wir, nach Italien zu gehen." Fest stehe die Entscheidung aber noch nicht. Auch andere Länder seien eine Option.

Doch auch das Auswandern stellt Gary vor Unsicherheiten. Der Krieg im Nahen Osten, die Situation in Gaza, politische Forderungen wie "Free Palestine" und wachsender Antisemitismus weltweit – wie wird ihn das außerhalb Israels tangieren? "Genau das", sagt er, "ist Teil meines Dilemmas."

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