Der Captain der Schweizer Fussballnationalmannschaft, Granit Xhaka, hat sich vor vier Jahren ein gefälschtes Covid-Zertifikat beschafft. Nun fehlt er der Nati beim Nations-League-Auftakt. Der Direktor des Teams hat sich am Montag vor die Medien gestellt.
Pierluigi Tami spricht über den «Fall Xhaka».Bild: Keystone
Beim Schweizer Fussballverband gibt man sich im Fall «Xhaka» nach aussen demonstrativ gelassen. Nati-Direktor Pierluigi Tami sagt: «Granit hat nach Aufkommen des Themas schnell reagiert. Das schätze ich sehr. Mit seinem Geständnis ist die Angelegenheit für uns erledigt. Zumindest vorerst.»
Die Nati weilt seit Montag an der türkischen Riviera in Belek und bereitet sich dort auf die bevorstehenden vier Nations-League-Spiele vor. Dass Xhaka bei der nächsten Gelegenheit, also im November, wieder zum Team stösst, ist für Tami die naheliegendste Option: «Wir können jetzt testen, wie es ohne ihn ist zu spielen. Das kann jederzeit wegen einer Verletzung passieren. Wie es mit ihm weitergeht, werden wir besprechen. Aber klar ist: Jeder macht Fehler. Nur weil er die Captainbinde trägt, ist Xhaka nicht perfekt. Und was er getan hat, ist seine Privatangelegenheit. Wir vom Verband haben die Spieler nie zur Covid-Impfung gezwungen.»
Das gelte, so Tami, auch für Xhakas politische Statements. Unvergessen der Doppeladler-Jubel - und nun hat sich der 33-Jährige in der vergangenen Woche mit dem ehemaligen Kosovo-Präsidenten Hashim Thaci solidarisiert, der wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde.
Alles andere als Xhaka-Comeback wäre grosse ÜberraschungAuch SFV-Präsident Peter Knäbel stellt sich schützend vor Xhaka. «Er hat reagiert, wie ein Captain auf eine solche Angelegenheit reagieren sollte», so Knäbel gegenüber Schweizer Medien in der Türkei. In den kommenden zwei Wochen soll der Start der Nati in die Nations League im Vordergrund stehen, danach werden der Verband und Xhaka zusammensitzen und das Weitere vorgehen besprechen.
Auf die Frage nach einem Rücktritt oder Ausschluss Xhakas aus dem Nationalteam antwortet Knäbel diplomatisch. Man werde eine für alle Parteien gute Lösung finden. Alles andere als eine nahtlose Rückkehr Xhakas in den Kreis der Nati, inklusive Übernahme der Captainbinde, wäre eine grosse Überraschung. Trainer Murat Yakin, der wegen Xhakas Absenz im aktuellen Nati-Camp vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, ist in der EM-Qualifikation nächstes Jahr auf seinen Denker und Lenker im zentralen Mittelfeld angewiesen
Wichtig ist Knäbel zu betonen, dass Xhakas Fall sich grundlegend vom Covid-Eklat um den ehemaligen Eishockey-Natitrainer Patrick Fischer unterscheide. Xhaka, so der Fussballboss, habe das Zertifikat zwar beschafft, aber anders als Fischer nicht benötigt, um an Spielen oder Turnieren mit seinem Klub oder der Nati teilzunehmen.
Nicht kleinreden indes will Knäbel den Fakt, dass Xhaka in der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit gesagt hat. Schon 2022 und in den Tagen vor seinem Geständnis sagte er selber oder liess von seinem Umfeld ausrichten, dass er sich habe impfen lassen.