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VW, Mercedes und BMW auf den hinteren Plätzen: Analyse zeigt Absturz der deutschen Autobauer

Дата публикации: 21-09-2026 08:02:48

Die deutschen Autobauer fallen im internationalen Vergleich zurück. Besonders China, hohe Kosten und sinkende Margen setzen die Branche unter Druck.

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Stand: 21.09.2026, 10:02 Uhr

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Die deutschen Autobauer fallen im internationalen Vergleich zurück. Besonders China, hohe Kosten und sinkende Margen setzen die Branche unter Druck.

München – Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW haben im globalen Vergleich massiv an Boden verloren. Im Ranking der 19 größten Autokonzerne weltweit belegen die drei deutschen Hersteller bei der Umsatzentwicklung nur die Plätze 16, 17 und 19. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Für Deutschland ist das weit mehr als eine Branchenmeldung: Die Schwäche der Autoindustrie bedroht Zehntausende Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern.

Volkswagen-Werk: Die deutschen Autobauer VW, Mercedes-Benz und BMW verlieren laut einer EY-Analyse im internationalen Vergleich an Boden. Besonders China, hohe Standortkosten und sinkende Margen belasten die Branche.

Volkswagen-Werk: Die deutschen Autobauer VW, Mercedes-Benz und BMW verlieren laut einer EY-Analyse im internationalen Vergleich an Boden. Besonders China, hohe Standortkosten und sinkende Margen belasten die Branche. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

In der ersten Jahreshälfte 2026 sanken die Umsätze von VW, Mercedes-Benz und BMW zusammen auf rund 284 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Die 19 untersuchten Autokonzerne steigerten ihre Erlöse insgesamt um 3,6 Prozent auf knapp 1,048 Billionen Euro. 15 der 19 Konzerne verzeichneten ein Umsatzplus. Den stärksten Zuwachs erzielte Tesla, gefolgt von Suzuki und Geely.

Deutsche Autobauer fallen im Ranking zurück

Für die deutschen Hersteller ist es bereits das dritte Umsatzminus in einem ersten Halbjahr in Folge. Während die weltweite Autoindustrie trotz vieler Krisen nominal weiter wächst, verlieren die deutschen Konzerne an Anschluss. Im Ländervergleich sind sie laut EY beim Umsatzwachstum inzwischen Schlusslicht.

Noch deutlicher wird die Schwäche beim Gewinn. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern der deutschen Autobauer sank im ersten Halbjahr um 19,0 Prozent auf 13,0 Milliarden Euro. Das ist der zweitniedrigste Wert seit 2017; niedriger lag das operative Ergebnis nur im ersten Pandemiejahr 2020. Der operative Gewinn aller 19 untersuchten Hersteller stieg dagegen um 11,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro. US-Hersteller wie Ford, General Motors und Tesla legten beim Ebit sogar um 32,9 Prozent zu.

Umsatz und Gewinn unter Druck

EY-Branchenexperte Constantin Gall ordnet die Zahlen deutlich ein. „Die deutschen Hersteller verlieren nicht nur Marktanteile, sondern vor allem Ertragskraft“, sagt Gall. Internationale Wettbewerber stabilisierten ihre Margen, während VW, Mercedes-Benz und BMW bei Gewinn und Rendite zunehmend ins Hintertreffen geraten.

Zwar liegen die deutschen Hersteller bei den absoluten Gewinnen weiterhin nicht am Ende der Branche. Doch die Richtung ist entscheidend. Die Ebit-Marge der deutschen Konzerne sank laut EY von 5,5 auf 4,6 Prozent. Volkswagen kommt demnach nur noch auf 3,8 Prozent, Mercedes-Benz auf 5,4 Prozent, BMW auf 5,8 Prozent. Vor wenigen Jahren waren bei deutschen Autobauern noch deutlich höhere Renditen üblich.

Standort Deutschland wird zur Belastung

Als zentralen Grund für die Schwäche nennt EY strukturelle Kostennachteile in Deutschland. „Die deutschen Konzerne leiden massiv unter strukturellen Kostennachteilen“, sagt Gall. Der hohe Produktionsanteil in Deutschland sei lange ein Wettbewerbsvorteil gewesen. Angesichts einer zu geringen Lohnkostenproduktivität, hoher Energiepreise und hoher Kosten für Regulierung und Bürokratie werde er aber zunehmend zur Belastung.

Das ist eine heikle Diagnose für den Industriestandort. Denn die deutsche Autoindustrie war jahrzehntelang ein Kern der wirtschaftlichen Stärke des Landes. Wenn Produktion in Deutschland im globalen Wettbewerb zu teuer wird, geraten nicht nur einzelne Modelle oder Werke unter Druck, sondern ganze Wertschöpfungsketten.

Gall warnt: Notwendige Veränderungen könnten hierzulande nicht konsequent genug umgesetzt werden. Deutsche Konzerne suchten deshalb zunehmend ihr Heil in der Verlagerung an attraktivere Standorte.

China wird vom Gewinnbringer zum Risiko

Hinzu kommt der Druck aus China. Der Markt war lange die wichtigste Wachstums- und Gewinnquelle der deutschen Hersteller. Nun hat er sich laut EY von der „Cashcow“ zum Sorgenkind entwickelt. Von Januar bis Juni 2026 verzeichneten VW, Mercedes-Benz und BMW in China einen Absatzrückgang von 25 Prozent.

Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der drei deutschen Hersteller sank binnen eines Jahres von 28,9 auf 23,5 Prozent. „China bleibt das größte Einzelrisiko für die deutschen Konzerne“, sagt Gall. Ein Minus dieser Größenordnung lasse sich nicht kurzfristig in anderen Regionen ausgleichen.

Die Ursachen reichen tief. Chinesische Hersteller haben bei Elektroautos, Software und Preiswettbewerb massiv aufgeholt. Viele Kundinnen und Kunden in China greifen inzwischen häufiger zu heimischen Marken. Für deutsche Premiumhersteller bedeutet das: Ein Markt, der jahrelang hohe Margen ermöglichte, wird zum Belastungsfaktor.

Chinesische Hersteller erhöhen Druck in Europa

Der China-Druck endet nicht in China. Chinesische Hersteller drängen zunehmend auf den europäischen Markt und erhöhen dort den Wettbewerb. Sie kommen mit elektrischen Modellen, aggressiven Preisen und hoher Innovationsgeschwindigkeit. Für deutsche Hersteller verschärft sich damit der Druck auf zwei Seiten: In China verlieren sie Marktanteile, in Europa treffen sie auf neue Konkurrenz.

Gleichzeitig bleibt die Transformation zur Elektromobilität teuer. Neue Plattformen, Software, Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur verschlingen Milliarden. Wenn gleichzeitig die Gewinne sinken, wird es schwieriger, diese Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen.

Stellenabbau trifft Hersteller und Zulieferer

Die Krise hinterlässt bereits Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Bei Volkswagen stehen tiefgreifende Umbauten im Raum. Die Zukunft der Standorte Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gilt als unsicher. Auch bei Mercedes-Benz und BMW laufen Programme, die über mehrere Jahre Stellen abbauen oder Kosten senken sollen. Hinzu kommen Zulieferer wie Bosch, ZF Friedrichshafen, Mahle und weitere Unternehmen, die ebenfalls unter Druck stehen.

Für viele Regionen ist das besonders gefährlich. Autohersteller und Zulieferer sichern nicht nur direkte Arbeitsplätze in den Werken, sondern auch Jobs bei Dienstleistern, Maschinenbauern, Logistikern und Handwerksbetrieben. Wenn Autojobs verschwinden, trifft das ganze industrielle Netzwerke.

IG Metall mobilisiert gegen Jobabbau

Die IG Metall reagiert auf die Entwicklung mit bundesweiten Protesten. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ mobilisiert die Gewerkschaft an mehr als 200 Orten. Erwartet werden mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Betrieben von Autoherstellern und Zulieferern.

Die Gewerkschaft fordert von den Unternehmen mehr Investitionen in deutsche Werke, Zukunftsprodukte und neue Technologien. Dazu zählt sie unter anderem Batteriefertigung, autonomes Fahren und moderne Fahrzeugplattformen. Von der Politik verlangt sie bessere Rahmenbedingungen, darunter wettbewerbsfähige Strompreise, weniger Bürokratie, Unterstützung für Zulieferer und stärkeren Schutz vor unfairer Konkurrenz.

EY-Experte Gall sieht die Zukunft der deutschen Autoindustrie deshalb als Standortfrage. „Deutschland kann nur Autonation bleiben, wenn alle Beteiligten über ihre Schatten springen und die strukturellen Standortnachteile schnell und pragmatisch lösen“, sagt er. (Quellen: EY, dpa, WELT, Reuters, IG Metall, Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW) (mare)

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