Ob Trinkpausen oder Rot bei Verdecken des Mundes - die UEFA lehnt die Umsetzung mehrerer Regeln der WM ab, die damit auch nicht in der Bundesliga kommen werden. Eine Klarstellung gab es zur "Spielerverwechslung".
Stand: 28.07.2026 • 11:52 Uhr
Ob Trinkpausen oder Rot bei Verdecken des Mundes - die UEFA lehnt die Umsetzung mehrerer Regeln der WM ab, die damit auch nicht in der Bundesliga kommen werden. Eine Klarstellung gab es von den Regelhütern zur "Spielerverwechslung". Eckbälle will die UEFA vom VAR checken lassen - die Bundesliga wird das wohl nicht tun.
Die Ablehnung der UEFA wird sich weitgehend auch in der Bundesliga zeigen. Denn der DFB und die Bundesliga richten sich meist an der UEFA aus, um möglichst wenig Unterschiede zwischen Europapokal und Ligaalltag zu gewährleisten.
Ein Überblick:
Nein: "Spielerverwechslung" wie bei EmboloDies ist die strittigste Regel. Seit Beginn der WM besagt eine neue Regel, dass die Schiris dann Hilfe vom Video-Assistenten bekommen sollen, wenn sie bei einem Vergehen zwei Spieler von unterschiedlichen Mannschaften verwechseln. Ein bekanntes Beispiel aus der Bundesliga: Im September 2024 gingen Atakan Karazor (VfB Stuttgart) und Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg) zum Ball. Schiedsrichter Sven Jablonski zeigte Karazor Gelb-Rot. Die Gelbe Karte hätte aber Arnold bekommen müssen.
In den neuen Regeln heißt es wörtlich: "Ahndet der Schiedsrichter ein Vergehen, hat aber eindeutig den falschen Spieler identifiziert, darf nur die Identität des fehlbaren Spielers mittels Videoüberprüfung ermittelt werden." Beim Spiel der USA gegen Paraguay und bei der Partie zwischen der Schweiz und Argentinien wurde aber jeweils die ganze Situation neu bewertet und ein Foul in eine Schwalbe umgedeutet - und nicht die "Identität" des Spielers geklärt. So bekam Breel Embolo gegen Argentinien Gelb-Rot.
Am Ende stand zwar die richtige Entscheidung. Die Regelhüter des IFAB stellten nun klar: Es darf nur die Identität des Spielers geklärt werden "das Vergehen selbst kann nicht überprüft oder geändert werden". Die UEFA teilte prompt mit, dass so vorgehen werde - als anders als es bei der WM getan wurde. Die Erläuterungen des IFAB nannte die UEFA "begrüßenswert".
Man bekräftige den Ansatz, dass der VAR nur bei "klar und offensichtlich" fehlerhaften Entscheidungen eingreifen darf. "Der VAR soll das Spiel nicht neu leiten, sondern die Schiedsrichter unterstützen", so die UEFA. Hintergrund: Das Vorgehen der FIFA ermöglichte es dem VAR, auch bei gewöhnlichen Fouls im Mittelfeld stärker einzugreifen, obwohl er eigentlich auf Tore, Elfmeter, Rote Karten und Spielerverwechslungen begrenzt sein soll. Das IFAB ließ aber für die Zukunft eine Tür offen und kündigte eine Überprüfung dieser Regel an.
Nein: Rot bei Hand vor dem Mund im StreitBei der WM galt: Wer im Streit mit einem Gegenspieler seinen Mund verdeckt, beispielsweise mit der Hand oder dem Trikot, muss mit einer Roten Karte rechnen. So erging es Miguel Almirón aus Paraguay im Spiel gegen die Türkei.
Die Regel wurde erst kurz vor der WM eingeführt, FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte sich öffentlich dafür eingesetzt. Auslöser war Benfica Lissabons Gianluca Prestianni, der sich in einer Auseinandersetzung mit Real Madrids Vinícius Júnior in der Champions League das Trikot vor den Mund gezogen hatte. Prestianni stand im Verdacht, sich rassistisch geäußert zu haben. Er wurde wegen einer homophoben Äußerung gesperrt. Der Vorwurf: Mit dem Verdecken des Munds soll eine Beleidigung verschleiert werden.
Generell Rot will die UEFA dafür nicht. Die Schiedsrichter sollen die Situationen individuell bewerten und abwägen, heißt es in einem Rundschreiben der UEFA an ihre Mitgliedsverbände wie den DFB. Sanktionieren könnten die Schiedsrichter die Spieler trotzdem, zudem könnten im Nachgang Disziplinarverfahren eingeleitet werden.
Nein: Rot für das Verlassen des PlatzesAls Reaktion auf die Skandale rund um das Finale des Afrika-Cups, bei dem das Team des Senegal aus Protest über Schiedsrichterentscheidungen den Platz verließ, wurden dafür im Regelwerk Rote Karten vorgesehen.
Die UEFA will das ebenfalls nicht umsetzen. Sie hebt hervor, dass ein Spiel ohnehin als verloren gilt, wenn einer Mannschaft ein Spielabbruch schuldhaft zugeschrieben wird. Dieses Prinzip sei in allen Wettbewerbsbestimmungen der UEFA verankert.
Nein: Generelle Trinkpausen - "keine Änderung geplant"Die generellen Trinkpausen in jeder Spielhälfte sorgten für Pfiffe in den WM-Stadien. Auch bei niedrigen Temperaturen wurden sie durchgeführt und gelten weitgehend als "Werbepausen" für die übertragenden Sender.
Frankreichs Trainer Didier Deschamps spricht mit seinem Team in der Hydration-Break
Die Bundesliga kündigte gegenüber der Sportschau an: "Über Trinkpausen wird weiterhin je nach Wetterlage situativ entschieden." Bei großer Hitze können die Schiris in Deutschland schon länger reagieren und den Mannschaften solche Pausen ermöglichen. Dasselbe gilt für die UEFA. Generelle Trinkpausen in jedem Spiel soll es auch im Europapokal nicht geben. "Die UEFA plant nicht, diese Regularien für die kommenden Wettbewerbe zu verändern. Das schließt die Champions League und die EM 2028 ein."
Was aus dieser Haltung von Bundesliga und UEFA langfristig wird, ist natürlich ungewiss. 2027 enden die aktuellen Sponsoring- und TV-Verträge für die Champions League. Die Aussicht auf neue Einnahmen könnte bei den großen Klubs eine Zuwendung zu den Trinkpausen auslösen.
UEFA ja/Bundesliga nein: VAR-Check bei EckbällenNicht alle Regeln sind Pflicht, manche von ihnen sind durch die Regelhüter des International Football Association Boards (IFAB) nur als "Optionen" eingestuft, die die Wettbewerbe ergreifen können oder nicht. Die Option zur Prüfung von Eckbällen werde die UEFA nutzen, heißt es in einem Rundschreiben des europäischen Verbands an die Mitgliedsverbände. Offensichtlich fälschlicherweise zugesprochene Eckbälle können damit vom VAR überprüft werden, "sofern die Entscheidung unmittelbar und ohne Verzögerung der Spielfortsetzung korrigiert werden kann", so die UEFA. Umgekehrt dürfen aber falsch verhängte Abstöße nicht zu einem Eckball umgedeutet werden.
In Deutschland ist die Entscheidung offiziell noch offen, nach Informationen der Sportschau wird in der Bundesliga aber davon abgesehen werden.
Alle anderen Änderungen ohne OptionBei den anderen Änderungen haben UEFA und Bundesliga keine Wahl. Das gilt beispielsweise für die vielen Maßnahmen gegen das Zeitspiel wie die Countdowns bei Auswechslungen und Abstößen. Diese sind hier nachzulesen:
Quelle: red
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