Exportunternehmen hatten lange einen Wettbewerbsvorteil. Doch geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und wacklige Lieferketten beklommen sie direkt zu spüren, wie das Beispiel eines Chemieunternehmens in Velten zeigt.
Exportunternehmen Veltener Chemie für asiatisches Leder
Von Karsten Zummack
Ein etwas öliger Geruch zieht durch die drei Werkshallen im Veltener Gewerbegebiet in Oberhavel. Das Bild wird dominiert von blauen Tanks und riesigen Kesseln, die bis zu 22 Tonnen Flüssigkeit fassen. Darin brodelt eine scheinbar klebrige Masse. In chemischen Prozessen entsteht so eine Emulsion, die später in der Lederproduktion eingesetzt wird.
"Das sind die Leder, die mit unseren Produkten hergestellt wurden", sagt Geschäftsführer Michael Grothe, während er in einem Besprechungsraum auf drapierte Tücher, Hüte und Portemonnaies deutet. Die Produkte befinden sich im Inneren der Leder, zwischen den Fasern und geben den Produkten spezifische Eigenschaften. "Der Damenhandschuh hat eine andere Anforderung als der Wanderstiefel zum Beispiel", sagt der 52-Jährige.
Soll das Lederprodukt besonders weich, geschmeidig, besonders reiß- oder wasserfest sein? Dafür stellt Greibo Chemie 75 verschiedene Emulsionen her. Mit der Geschäftsidee, maßgeschneiderte Spezialchemie herzustellen, hat Grothes Vater das Unternehmen 1996 gegründet. Neben den Chemikalien für die Lederindustrie entwickelt es unter anderem Industriereiniger sowie Spezialschmierstoffe.
Inzwischen setzt die Firma nach eigenen Angaben vier Millionen Euro im Jahr um. 40 Prozent davon werden im Ausland erzielt. "In Deutschland oder Europa gibt es eigentlich relativ wenig Ledergerbereien. Der Großteil der Leder kommt aus Asien", sagt Grothe.
Und so gehen viele der Emulsionen aus Velten in die weite Welt — zum Beispiel nach Indien, China und vor allem Pakistan. Lange Zeit war dieser hohe Exportanteil ein echter Wettbewerbsvorteil. Inzwischen aber ist diese Ausrichtung zu einem Problem geworden: "Früher sind in China die Leder zu Sofas verarbeitet oder in die USA exportiert worden. Das geht jetzt nicht mehr", beklagt der Geschäftsführer die Auswirkungen geopolitischer Ereignisse. Wenn sich seine Kunden neu orientieren müssen, spürt das auch Greibo als Zulieferer. "Das macht die Sache sehr komplex."
Durch die internationalen Zollkonflikte sind komplette Märkte weggebrochen. Und damit nicht genug: Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine können alte Kunden nicht mehr beliefert werden. Hinzu kommen die Folgen des Nahost-Konflikts und des Iran-Kriegs.
Luca Grothe arbeitet im Verkauf des Familienunternehmens und spürt dies bei der täglichen Arbeit hautnah, wie er sagt. Im Golf von Aden und im Roten Meer gebe es immer wieder Angriffe auf Handelsschiffe. "Aus Sicherheitsgründen meiden daher viele Reedereien die Route durch das Rote Meer und den Suezkanal und fahren stattdessen um das Kap der Guten Hoffnung. Dadurch verlängern sich Transportwege und Lieferzeiten erheblich."
Zusätzlich führe der Konflikt um die Straße von Hormus zu Einschränkungen im Ölhandel und zu steigenden Treibstoff-Preisen. Um weniger zu verbrauchen, würden Schiffe teils langsamer fahren. "Dadurch entstehen neben der ohnehin längeren Route zusätzliche Verzögerungen", erklärt Grothe.
Statt wie einst anderthalb Monate dauert ein Transport nach Pakistan zum Beispiel nun zwei Monate. Dadurch wird es deutlich teurer, die Emulsionen aus Velten ans Ziel zu bringen.
Im Umkehrschluss werden die Rohstoffe, die für die Produktion bei Greibo selbst benötigt werden, knapper. Die Versorgung stockt, die Preise steigen. Für das 13 Mitarbeiter starke Unternehmen ist das alles eine große Herausforderung.
"Man staunt immer, wie man als kleines Unternehmen hier in Velten in diesen Weltmarkt integriert und fest eingebunden ist", schlussfolgert Grothe. Noch verbucht er zwar stabile Umsätze, wie er sagt. Doch durch die Exporthindernisse bleibe nun weniger Gewinn in Velten, das Geschäft sei deutlich schwieriger geworden.
Korrektur: In einer ersten Fassung diese Beitrags konnte durch ein Zitat der Eindruck entstehen, durch die Straße von Hormus könnten Schiffsrouten von oder nach Europa "abgekürzt" werden. Das ist nicht der Fall. Für die Missverständlichkeit bitten wir um Entschuldigung. Wir haben den Beitrag entsprechend überarbeitet und Zitate ausgetauscht.
Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 10.09.2026, 16:12 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 10.09.2026, Karsten Zummack
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