Acht Lehrlinge zur Fachfrau Gesundheit traten in Weinfelden zum Berufswettkampf an. Interessierte konnten sich dabei über den Arbeitsalltag informieren.
Angelina Fasler kümmert sich im Berufswettkampf der angehenden Fachfrauen Gesundheit um eine "Patientin".Bild: Nora Zeller
Die zwei älteren blinden Damen liegen schlafend in ihren Betten. Kuscheltiere liegen auf den Decken und alles ist ruhig. Währenddessen bereiten sich Angelina Fasler und Romina Schwitter auf den Tag vor. Medikamente, Desinfektionsmittel und Handschuhe: Alles muss vorbereitet sein und am richtigen Platz stehen. Denn schon bald beginnt der Wettbewerb, dann zählt jede Minute.
Acht angehende Fachfrau Gesundheit-Lehrlinge nehmen an dem jährlichen Berufsmessewettbewerb in Weinfelden teil. Dank den Schauspielerinnen der Theatergruppe Biliz können sie realitätsnahe Fälle nachstellen. Am Donnerstag und Freitag wird aus dem Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales ein Pflegeheim. Die blinden Patientinnen werden für 90 Minuten betreut. Die Teilnehmerinnen sind voneinander getrennt und jede befindet sich in ihrem eigenen abgetrennten Bereich. Ihre Aufgabe ist es, in der vorgegebenen Zeit möglichst viele Aufgaben zu erfüllen.
Wenn jede Minute zähltFür die Lehrlinge ist der Wettbewerb mehr als eine Prüfung. Sie müssen nicht nur fachlich korrekt arbeiten, sondern auch auf die Bedürfnisse der Patientinnen achten. Trotzdem darf die Hektik nicht dazu führen, dass die Sicherheit oder der persönliche Kontakt vergessen gehen. Genau diese Mischung macht den Wettbewerb anspruchsvoll.
Romina Schwitter hilft einer "Patientin" beim Gehen.Bild: Nora Zeller
Die erste Aufgabe besteht darin, die Patientin zu wecken. Ihr wird erklärt, wo sie ist und was für den Morgen geplant ist. Die Patientin ist immer wieder verwirrt und möchte wissen, wo ihr verstorbener Mann sei und warum sie nicht in ihrem Bett zu Hause liegt. Mit viel Geduld erklärt Romina Schwitter alles und hilft ihr sich aufzusetzen. Währenddessen misst Angelina Fasler den Blutdruck ihrer Patientin und führt sie danach zum Waschbecken. Keinen Moment darf sie sie aus dem Auge verlieren, da die Gefahr zu stürzen viel zu gross ist.
Beide Patientinnen sind gewaschen und setzen sich jeweils an ihren eigenen Esstisch. Die Unterstützung der Lehrlinge ist dabei sehr wichtig. Ohne Hilfe könnten die Patientinnen über Rollator und Stuhl stolpern. Auch während des Essens müssen Fasler und Schwitter immer anwesend sein. Sie helfen dabei, die Brote zu schmieren, Tassen zu halten und Medikamente einzunehmen. Danach werden die Zähne geputzt, die Haare gekämmt und nochmals den Blutdruck gemessen.
Ruhe bewahren trotz ZeitdruckWährend die beiden Lehrlinge ihre Aufgaben erledigen, vergeht die Zeit immer schneller. Jeder Handgriff muss sitzen und trotzdem darf nichts überstürzt werden. Besonders die Betreuung der Patientinnen verlangt viel Geduld. Angelina und Romina müssen deshalb ständig zwischen Zeitdruck und sorgfältiger Pflege abwägen.
Plötzlich klatschen die Zuschauer und die Zeit ist um. Angelina und Romina haben ein breites Lächeln im Gesicht. Die vorherigen Teilnehmerinnen Janine Hasler und Milena Iacobozzi nehmen sie herzlich in die Arme. Die Anspannung fällt sichtbar von den beiden ab.
Teilnehmerinnen des Berufswettkampfs (von links): Janine Hasler, Milena Iacobozzi, Angelina Fasler und Romina Schwitter.Bild: Nora Zeller
«Ich liebe es in Kontakt mit den Patienten und Patientinnen zu sein. Es ist toll, sie durch den Alltag zu begleiten, da wir immer wieder lustige Momente miteinander erleben. Dadurch kann ich auch die anstrengenden Dienstpläne vergessen, die manchmal auf einen zukommen», sagt Janine Hasler. «Am Anfang war es für mich schwer, auf die Menschen zuzugehen und mich zu öffnen. Heute war ich nicht mal mehr eine Sekunde nervös oder angespannt», meint Milena Iacobozzi.
Vom Wettbewerb zu den SwissSkillsAuch Romina Schwitter ist sehr zufrieden: «Dieser Wettbewerb heute gab mir die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig konnte ich so herausfinden wie ich arbeite, wenn ich unter Druck stehe.» Der Wettbewerb zeigt, dass Pflege nicht nur aus Fachwissen besteht. Geduld, Aufmerksamkeit und der richtige Umgang mit Menschen sind genauso wichtig.
Am Ende des Tages darf sich Angelina Fasler besonders freuen. Sie erreicht den ersten Platz und qualifiziert sich damit für die SwissSkills 2027 in Bern. Für Angelina endet der Wettbewerb mit einer wertvollen Erfahrung und der Vorfreude auf die nächste Herausforderung.
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