Das neue Seniorenzentrum Niederwürzbach hat erste Bewohner aufgenommen. 93 Pflegeplätze, ein Demenzbereich und 42 Service-Wohnungen stehen zur Verfügung. Bis zum Jahreswechsel soll das Zentrum vollständig belegt sein. Doch Qualität hat ihren Preis.
Blieskastel · Das neue Seniorenzentrum Niederwürzbach hat erste Bewohner aufgenommen. 93 Pflegeplätze, ein Demenzbereich und 42 Service-Wohnungen stehen zur Verfügung. Bis zum Jahreswechsel soll das Zentrum vollständig belegt sein. Doch Qualität hat ihren Preis.
02.09.2026 , 18:00 Uhr
Ein freundliches Ambiente mit großen Innenhöfen bietet das neue Seniorenzentrum Niederwürzbach.
Foto: Peter GaschottQualifizierte vollstationäre Pflege oder Wohnen mit vielfältigen Serviceleistungen – die Möglichkeiten, die das neue Seniorenzentrum Niederwürzbach in Blieskastel verspricht, sollen auf jeden individuellen Bedarf zielgerichtet eingehen. Für mehr als 30 Millionen Euro ist in der Würzbachhallenstraße eine Einrichtung entstanden, die sich gut in die dörfliche Gemeinschaft integriert. Der Träger, die Barmherzigen Brüder Rilchingen, erläutert im Rundgang mit unserer Zeitung, was die neue Einrichtung zu bieten hat.
Friedlich ist die Stimmung in der Nachbarschaft der Würzbachhalle. Tennisbälle ploppen auf der benachbarten Sportanlage, ab und zu fährt eine Regionalbahn vorbei. Ein paar ältere Herrschaften sind unterwegs. Sie steuern die neue Senioreneinrichtung an, die in diesen Tagen ihren Betrieb aufgenommen hat. „Wir haben klammheimlich eröffnet, weil die Nachfrage enorm ist und wir tatsächlich vor der offiziellen Eröffnung Leben im Haus haben wollten.“ So fasst Lesley Dennert zusammen, dass schon die ersten Bewohner in der Würzbachhallenstraße ein und ausgehen, während ein paar Handwerker noch mit letzten Details beschäftigt sind. Das Seniorenzentrum Niederwürzbach hat seinen Betrieb aufgenommen.
Der kaufmännische Direktor Oliver Heydt, Vermieter Christian Streithoff und Pflegedienstleiterin Laura Stühn erzählen, wie es zu der neuen Einrichtung kam und wo ihre Perspektiven liegen. Wobei Christian Streithoff – er betreibt die CS Bau in Homburg – auf die Geschichte der neuen Einrichtung eingeht. Nicht ohne auf die besondere Rolle der früheren, mittlerweile verstorbenen Ortsvorsteherin Petra Steinbach einzugehen. „Ohne ihr Engagement wäre die Einrichtung nicht auf den Weg gekommen“, fasst er zusammen. Vor rund sechs Jahren wurde Streithoff auf das Gelände unterhalb des Weiherdamms aufmerksam. Er kaufte es, und er suchte nach einem Partner, mit dem er es entwickeln könnte. Diesen Partner fand er in den Barmherzigen Brüdern, die bislang noch nicht außerhalb von Rilchingen gebaut hatten – so Oliver Heydt.
Beim Rundgang durch das neue Seniorenzentrum Niederwürzbach (von rechts) Oliver Heydt, kaufmännischer Direktor, Pflegedienstleiterin Laura Stühn, Mietmanager Siegfried Weder, Öffentlichkeitsarbeiterin Lesley Dennert und Investor Christian Streithoff.
Foto: Peter GaschottEs war ein langer Weg, den Streithoff nehmen musste. Abriss der früheren Würzbachhalle, vorhabenbezogener Bebauungsplan, schließlich der Neubau nach allen zeitgemäßen Standards für nachhaltiges Bauen. Trotzdem nahm er diesen Weg vergleichsweise schnell. In sechs Jahren von der Idee bis zu den ersten Bewohnern, das sei ein rekordverdächtiges Tempo, so der Bauherr. Und Oliver Heydt verweist darauf, dass man es als kirchlicher Träger in Niederwürzbach mit einer anderen Diözese zu tun habe als in Rilchingen. Dennoch habe alles reibungslos funktioniert. Streithoff: „Wir alle haben genau gewusst, wo wir hinwollen. Selbst als durch den Regierungswechsel in Berlin Fördergelder wegfielen, haben wir unser Projekt durchgezogen.“
Die Kreissparkasse Kaiserslautern ist Streithoffs Finanzierungspartner, und sie blieb bei ihren Zusagen. Streithoff geht auf den hohen Standard des Neubaus ein. Jegliches verwendete Baumaterial wurde auf sein Nachhaltigkeitsprofil bewertet. Vor dem Einzug der ersten Bewohner wurde eine umfassende Luftreinheitsprüfung gemacht. Für hohe Energieeffizienz sorgen Luft-Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik. Der sehr hohe Dämmungsgrad des Gebäudes habe auch an den heißesten Tagen des Jahres für ein angenehmes Raumklima gesorgt, wobei nur ein Teil des Gebäudes klimatisiert sei.
Bis zum Jahreswechsel soll das Gebäude vollständig bezogen sein. Derzeit leben bereits 23 Menschen hier. In Einzelzimmern finden insgesamt 93 Bewohnerinnen und Bewohner Platz. Im Erdgeschoss wurde ein Bereich geschaffen, in dem Demenzkranke in einem geschlossenen Umfeld große Bewegungsfreiheit haben. Ein üppig dimensionierter Innenhof steht ihnen dort ebenfalls zur Verfügung. Sechs Kurzzeitplätze bietet die Einrichtung.
Ein weiterer Bereich des Seniorenzentrums Niederwürzbach sind die sogenannten „Service-Wohnungen“. 42 Wohnungen unterschiedlicher Größe wurden geschaffen. Zwischen 42 und 92 Quadratmeter stehen jeweils zur Verfügung. Wobei Siegfried Weder, der als Ansprechpartner für die Mieter vor Ort ist, berichtet, dass gerade noch acht dieser Wohnungen verfügbar seien, der Rest sei vermietet und werde im Lauf des Herbstes bezogen. Geräumig präsentieren sich diese Appartements, teils mit Blick über das Dorf, teils mit Blick auf den Tennisplatz. In einer zentral gelegenen Cafeteria kann jeder, der das möchte, Mittagessen oder Nachmittagskaffee einnehmen. Die Besitzer der Service-Wohnungen können, je nach Wunsch, völlig autark leben oder Dienste der Senioreneinrichtung zubuchen. Man sei da völlig flexibel, verspricht Lesley Dennert.
Zu den Kostenstrukturen der neuen Einrichtung nimmt Oliver Heydt Stellung. „Wir sind schon teuer“, räumt er ein. Je nach Pflegegrad erhebt das Seniorenzentrum einen Eigenanteil von knapp 5000 Euro im Einzelzimmer – einerseits, weil neue Einrichtungen immer teurer seien als ältere Häuser, andererseits wolle man in Niederwürzbach aber auch den höchsten Standard bieten. „Die bestmögliche Qualität, die wollen wir halten, und das kostet Geld. Wir sind nie als besonders billig in Erscheinung getreten, wir wollen besonders gut sein“, fasst Heydt zusammen. Immerhin sollen bei Vollbelegung der Einrichtung rund 100 Menschen in der Einrichtung Arbeit finden. „Bei der Personalgewinnung sind wir auf einem guten Weg, wir genießen offensichtlich den Ruf eines attraktiven Arbeitgebers“, so der kaufmännische Direktor.
Am 18. September wird das neue Gebäude eingeweiht und eingesegnet. Einen Tag später dann, am 19. September, findet der Tag der offenen Tür von 14 bis 18 Uhr statt. (ian/ole)
Seniorenzentrum Niederwürzbach, Würzbachhallenstraße 7, Niederwürzbach.
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