Lange deutete bei Nike vieles auf eine erfolgreiche Verteidigung des Kurses bei 40 US-Dollar hin. Doch das ist jetzt Geschichte. Nun drohen bittere Zeiten.
Lange deutete bei Nike vieles auf eine erfolgreiche Verteidigung des Kurses bei 40 US-Dollar hin. Doch das ist jetzt Geschichte. Nun drohen bittere Zeiten.
Der Sportartikelhersteller Nike, einst eine unangefochtene Marketing- und Fashion-Ikone, befindet sich seit Jahren in einer Wachstumskrise. Erst hat das Unternehmen Produkte und Designs an den Bedürfnissen seiner Kundinnen und Kunden vorbeientwickelt, jetzt belasten Handelshemmnisse, gestiegene Produktkosten und die Lebenshaltungskrise in den USA sowie ein schwaches Geschäft auf dem Wachstumsmarkt in China die Geschäftsentwicklung.
Gegenüber ihren Rekordnotierungen bei fast 180 US-Dollar hat die Aktie fast 80 Prozent an Wert verloren. Allein in diesem Jahr summieren sich Verluste auf fast 40 Prozent.
Selbst die Fußball-WM wollte des Geschäft nicht stärken oder wenigstens die Stimmung unter Anlegerinnen und Anlegern verbessern. Deutlich besser hat sich ausgerechnet Dauerrivale Adidas geschlagen.
In den vergangenen Monaten zeichnete sich nichtsdestotrotz eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau ab. Zwischen 40 und 45 US-Dollar gelang es den Käuferinnen und Käufern das Kursgeschehen zu stabilisieren, während Nike seine Umsatzentwicklung wenigstens konstant halten konnte.
Doch der Mittwoch dürfte alle Hoffnungen auf eine Trendwende ausgehend von diesem Kursniveau zunichte gemacht haben, denn die Aktie verlor 2,3 Prozent an Wert, womit sie deutlich unter 40 US-Dollar und auf den niedrigsten Stand seit inzwischen 12 Jahren gefallen ist. Solche Mehrjahrestiefs bedeuten in der technischen Analyse starke Verkaufssignale. Mit welchen Kursen ist jetzt zu rechnen?
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Die Anteile von Nike befinden sich, wie es das 12-Jahres-Tief vermuten lässt, auf allen Ebenen in einem Abwärtstrend. Der Bodenbildungsversuch seit April kann mit gutem Willem als mittelfristiger Seitwärtstrend identifiziert werden, dieser weicht jetzt jedoch einem kurzfristigen Abwärtstrend. Da es an Signalen für eine Trendwende fehlt und die Aktie ihre Unterstützungen zunächst aufgebraucht hat, ist das Risiko groß, dass aus diesem ein mittelfristiger Abwärtstrend hervorgeht, womit die übergeordnete Verkaufsbewegung fortgeführt werden dürfte.
Dieses Szenario ist wahrscheinlich, weil das neue Mehrjahrestief sowie das Unterschreiten der Marke von 40 US-Dollar nicht die einzigen Verkaufssignale waren. Zusätzlich wird das Chartbild belastet durch den Trendstärkeindikator MACD, der jetzt wieder sowohl unter der Null- als auch seiner Signallinie liegt, was auf einen an Fahrt gewinnenden Abwärtstrend hindeutet.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) lieferte zeitweise bullishe Divergenzen, da er gegen den Trend der Aktie zulegen konnte. Doch dieser Aufwärtstrend ist jetzt gefährdet – damit löst sich eines der ohnehin wenigen Indizien für eine potenzielle Trendwende oder wenigstens eine Gegenbewegung in Rauch auf. Da der RSI noch oberhalb des überverkauften Bereichs liegt, steht er weiteren Kursverlusten der Aktie nicht im Wege.
Der nächste Support-Bereich lässt sich aus dem langfristigen Chart erst im Bereich zwischen 30 und 32 US-Dollar ableiten. Damit könnte die Nike-Aktie jetzt vor Verlusten von weiteren 20 Prozent und mehr stehen.
Sollte selbst hier kein Boden gefunden werde, steht zwischen 27 und 28 US-Dollar eine weitere Unterstützungszone bereit. Gegen dieses Extrem-Szenario dürfte jedoch sprechen, dass der RSI auf Wochen- und Monatsbasis deutlich überverkaufter ist als im Tageschart.
Zur Oberseite gilt es, um die Chancen auf eine Trendwende doch noch zu wahren, möglichst rasch 40 US-Dollar zurückzuerobern und mittelfristig einen Anstieg über die 50-Tage-Linie sowie einen Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal zu erzwingen. Dann bestünde Anstiegspotenzial bis zur 200-Tage-Linie bei rund 52,50 US-Dollar. Anzeichen für eine solche Erholung liegen jedoch nicht vor.
Weitere Verluste der Aktie nach dem Unterschreiten von 40 US-Dollar werden auch durch die Unternehmensbewertung nahegelegt. Trotz des Absturzes in den vergangenen Jahren ist Nike für das laufende Geschäftsjahr 2027 mit einem KGVe von 22,5 bewertet. Das liegt nicht nur deutlich über dem Branchendurchschnitt, sondern beispielsweise auch über dem Niveau wachstumsstärkerer Konkurrenten wie Adidas (12,9).
Zwar kann Nike inzwischen mit einer Dividendenrendite von 4,1 Prozent punkten, doch die Dividendenzahlungen von 2,4 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr überschreiten inzwischen den freien Cashflow in Höhe von rund 2,0 Milliarden US-Dollar, womit die Ausschüttung zunehmend aus der Substanz bezahlt werden muss – und zur Debatte stehen könnte, sollte sich die Ertragslage von Nike weiterhin eintrüben. Gründe die Aktie zu kaufen, gibt es daher keine – aber viele dafür, es nicht zu tun oder auf die Konkurrenz zu setzen!
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
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