Der Test untersucht die Wärmeleitpaste SPLAVE ONE mit TIMA5-Mehrdickenmessungen, Mikroskopie und LIBS-Analyse und vergleicht sie mit der Halnziye HY-P17. Das zentrale Ergebnis: SPLAVE ONE erreicht zwar eine höhere scheinbare Materialleitfähigkeit, verliert diesen Vorteil bei dünnen Schichten jedoch durch einen deutlich höheren Kontaktwiderstand. Ihre besondere Stärke liegt in der mechanischen Stabilität und der unter hohem Montagedruck erreichbaren Bond-Line-Thickness von knapp 10 µm.
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Der Test untersucht die Wärmeleitpaste SPLAVE ONE mit TIMA5-Mehrdickenmessungen, Mikroskopie und LIBS-Analyse und vergleicht sie mit der Halnziye HY-P17. Das zentrale Ergebnis: SPLAVE ONE erreicht zwar eine höhere scheinbare Materialleitfähigkeit, verliert diesen Vorteil bei dünnen Schichten jedoch durch einen deutlich höheren Kontaktwiderstand. Ihre besondere Stärke liegt in der mechanischen Stabilität und der unter hohem Montagedruck erreichbaren Bond-Line-Thickness von knapp 10 µm.
Wichtigste Fakten| Merkmal | SPLAVE ONE | Einordnung |
|---|---|---|
| Scheinbare Wärmeleitfähigkeit λapp | 7,190 ± 0,260 W/mK | Höher als die 6,726 ± 0,051 W/mK der HY-P17 |
| Kombinierter Kontaktwiderstand | 6,950 ± 1,178 mm²K/W | Deutlich höher als 2,632 ± 0,272 mm²K/W bei HY-P17 |
| Reguläre Messdomäne | 9,882 bis 400,022 µm | Sehr dünne Schichten sind unter hohem Druck erreichbar |
| Druck am dünnsten regulären Punkt | rund 100,2 kPa | Mehr Montagedruck erforderlich als bei HY-P17 |
| Kontaktäquivalente Bond-Line-Thickness | 49,97 µm | HY-P17 erreicht 17,70 µm |
| Partikelgrößen der sichtbaren Messpunkte | 3,30 bis 15,97 µm | Arithmetischer Mittelwert: rund 9,91 µm |
| Angabe | Wert | Quelle beziehungsweise Bedeutung |
|---|---|---|
| Produktbezeichnung | SPLAVE ONE | Wärmeleitpaste für CPU-, GPU- und Halbleiteranwendungen |
| Datenbank-ID | 169 | Zuordnung in der Wärmeleitpasten-Datenbank |
| Vergleichsprodukt | Halnziye HY-P17 | Datenbank-ID 137 |
| Regulärer BLT-Bereich | 9,882 bis 400,022 µm | TIMA5-Mehrdickenverfahren |
| Verpackungsinhalt | Spritze und kleiner Spatel | Der Lieferumfang bleibt übersichtlich |
| Messgröße | SPLAVE ONE | Vergleich oder Kontext |
|---|---|---|
| λapp | 7,1897 ± 0,2597 W/mK | HY-P17: 6,7255 ± 0,0509 W/mK |
| Kontaktwiderstand | 6,9505 ± 1,1782 mm²K/W | HY-P17: 2,6325 ± 0,2718 mm²K/W |
| Effektiver Wärmewiderstand bei 25 µm | rund 10,023 mm²K/W | HY-P17: 5,773 mm²K/W |
| Effektiver Wärmewiderstand bei 50 µm | 14,019 mm²K/W | HY-P17: 9,951 mm²K/W |
| Effektiver Wärmewiderstand bei 100 µm | 21,565 mm²K/W | HY-P17: 17,799 mm²K/W |
| Effektiver Wärmewiderstand bei 200 µm | 35,753 mm²K/W | HY-P17: 32,391 mm²K/W |
| λeff bei 25, 50 und 100 µm | 2,494; 3,566; 4,637 W/mK | HY-P17: 4,333; 5,025; 5,618 W/mK |
| Wärmefluss | 29,15 bis 35,54 W/cm² | Anstieg um 21,95 Prozent über die reguläre Messdomäne |
Die Messwerte zeigen, warum die höhere λapp nicht automatisch zu einer besseren montierten Kontaktstelle führt. Bei dünnen Bond Lines dominiert der Kontaktanteil am Gesamtwiderstand. Der Analyzer schätzt den Kontaktanteil von SPLAVE ONE bei 25 µm auf rund 66,7 Prozent, bei HY-P17 auf etwa 41,5 Prozent. Bei der unteren regulären Messgrenze bleiben von λapp bei SPLAVE ONE nur rund 30,2 Prozent als λeff erhalten. Bei HY-P17 sind es 64,4 Prozent. Die unteren BLT-Endpunkte unterscheiden sich allerdings, weshalb diese Prozentwerte nicht als einfacher 1:1-Rangwert zu lesen sind.
Die Regression von SPLAVE ONE erreicht R² = 0,994932 und einen RMSE von 1,20644 mm²K/W. HY-P17 ist mit R² = 0,999792 und 0,24735 mm²K/W RMSE deutlich linearer und robuster. Ein Fit ab etwa 200 µm würde für SPLAVE ONE eine λapp von 7,945 W/mK und einen Kontaktterm von 10,920 mm²K/W ergeben. Der reale dünnste Punkt liegt 7,611 mm²K/W beziehungsweise 62,6 Prozent unter dieser Prognose. Die Daten weisen damit auf ein verändertes thermisches Verhalten beim starken Verpressen hin.
Teardown, Materialprüfung und AufbauDie Mikroskopie zeigt eine dichte, kompakte Füllstoffstruktur mit sichtbaren Partikeln zwischen 3,30 und 15,97 µm. Die sichtbaren Partikel bilden keine auffälligen großen Agglomerate, die eine dünne Schicht grundsätzlich verhindern würden. Unter Druck kann sich das Füllstoffgerüst offenbar umorganisieren und die Matrix seitlich verdrängen. Die TIMA5-Messung bestätigt diese mechanische Fähigkeit mit einer regulären unteren Bond-Line-Thickness von 9,882 µm.
Im Abrissbild entsteht eine gerichtete Scherstruktur. Das Material wird in längliche Bahnen gezogen, die Kanten fransen aus und bilden fingerartige Ausläufer. Gleichzeitig bleiben Materialinseln, Brücken und eine strukturierte Restschicht erhalten. Die Paste zerfällt nicht in einen dünnen, homogenen Ölfilm. Dieses kohäsive Verhalten spricht für eine mechanisch vergleichsweise stabile Matrix, ist aber kein Nachweis für eine bestimmte Lebensdauer oder einen sicheren Schutz vor Pump-Out.
Die LIBS-Analyse weist Aluminium mit 41,8 Gewichtsprozent, Sauerstoff mit 27,1 Gewichtsprozent, Zink mit 17,1 Gewichtsprozent, Silizium mit 11,5 Gewichtsprozent und Wasserstoff mit 2,5 Gewichtsprozent aus. LIBS misst dabei Elemente und keine fertigen chemischen Verbindungen. Die Zusammensetzung passt zu einer hochgefüllten, oxidischen Wärmeleitpaste mit plausibler silikonhaltiger Matrix. Hinweise auf grobe metallische Partikel oder eine offensichtlich metallisch leitende Füllstoffphase liegen in den vorliegenden Aufnahmen nicht vor. SPLAVE ONE ist damit kein Flüssigmetall- oder Metallpartikel-TIM.
Beim praktischen Auftrag bleibt die Paste auf der Oberfläche liegen und lässt sich mit dem Spatel verteilen. Sie ist standfester als sehr weiche Standardpasten, aber nicht trocken oder krümelig. Über große Teile des regulären Messbereichs werden etwa 38 bis 42 kPa benötigt. Am dünnsten regulären Punkt steigt der Druck auf rund 100,2 kPa. HY-P17 erreicht ihre reguläre Untergrenze von 25,01 µm bereits bei etwa 6,0 kPa, benötigt für den zusätzlichen terminalen Messpunkt bei 12,815 µm jedoch knapp 300 kPa.
Testbedingungen und GrenzenDie thermischen Kennwerte stammen aus einem ASTM-D5470-artigen Mehrdickenverfahren mit TIMA5-Auswertung.Die mittlere TIM-Temperatur lag bei rund 59,98 °C; die Temperaturspanne über die Messreihe betrug nur 0,123 K.Die zusätzlichen DRAM- und VRM-Werte sind Modellrechnungen aus den gemessenen TIM-Eigenschaften und keine direkt gemessenen Bauteiltemperaturen.Die modellierte TIM-bedingte Temperaturdifferenz im DRAM-Szenario reicht bei SPLAVE ONE von 4,307 bis 19,770 K; der Median beträgt 13,591 K.Die modellierte Junction-Temperatur sinkt im verwendeten Szenario von rund 59,667 °C bei 400 µm auf 59,099 °C bei 9,88 µm.Die LIBS-Auswertung beschreibt Elemente und plausible Materialklassen, ersetzt aber keine vollständige nasschemische Analyse.Eine einzelne D5470-Messreihe kann die Haltbarkeit und das Pump-Out-Verhalten nicht abschließend beurteilen. Dafür wären thermische Zyklen, Zeit und idealerweise eine kontrollierte TTV10-Messung erforderlich.EinordnungSPLAVE ONE ist auf hohe mechanische Belastung und sehr dünne Schichten unter ausreichendem Montagedruck ausgerichtet. Das passt zu Direct-Die-, Bench- und Extreme-Overclocking-Anwendungen. Bei solchen Aufbauten können 100 kPa und mehr verfügbar sein, sodass die Paste ihre reguläre Schichtdicke von knapp 10 µm erreichen kann. Bei Kühlern mit geringer Flächenpressung, insbesondere filigranen mobilen Konstruktionen, ist diese Eigenschaft weniger leicht nutzbar.
Die HY-P17 bleibt im praxisrelevanten Bereich von 25 bis 200 µm thermisch überlegen, weil sie den niedrigeren Kontaktwiderstand mit einer weiterhin hohen Materialleitfähigkeit verbindet. SPLAVE ONE holt mit zunehmender Schichtdicke auf und liegt bei 400 µm mit λeff von 6,566 W/mK knapp über den rund 6,458 W/mK der HY-P17. Eine größere Pastenschicht ist für die praktische Montage jedoch normalerweise nicht das Ziel.
StärkenHohe scheinbare Materialleitfähigkeit von 7,190 ± 0,260 W/mK.Reguläre Kompression bis 9,882 µm ohne erkannte harte Kompressionsgrenze.Kohäsive, dichte Scherstruktur mit standfestem Verhalten.Mechanisch interessante Eigenschaften für hohe Flächenpressung und Direct-Die-Aufbauten.Sehr stabile thermische Messbedingungen mit einer Temperaturspanne von nur 0,123 K.EinschränkungenDer kombinierte Kontaktwiderstand von 6,950 ± 1,178 mm²K/W liegt deutlich über dem Wert der HY-P17.Bei 25 bis 200 µm ist der effektive Wärmewiderstand höher als bei der Vergleichspaste.Für dünne Schichten wird deutlich mehr Montagedruck benötigt.Die Regression ist weniger linear und stärker von Auswertung und enthaltenen Messpunkten abhängig.Haltbarkeit und Pump-Out-Verhalten sind anhand der vorliegenden Messungen nicht abschließend belegt.Fragen und AntwortenIst SPLAVE ONE wegen der höheren W/mK-Zahl grundsätzlich besser als HY-P17? Nein. Die höhere λapp wird durch den deutlich höheren Kontaktwiderstand relativiert.Wie dünn lässt sich SPLAVE ONE regulär verpressen? Die reguläre TIMA5-Messdomäne reicht bis 9,882 µm hinunter.Für welche Anwendungen ist SPLAVE ONE besonders interessant? Für Direct-Die-, Bench- und Extreme-Overclocking-Aufbauten mit ausreichend hoher Flächenpressung.Ist SPLAVE ONE ein Flüssigmetall- oder Metallpartikel-TIM? Nein. Die LIBS- und Mikroskopieergebnisse sprechen für eine hochgefüllte oxidische Paste mit plausibler silikonhaltiger Matrix.Ist die Langzeitbeständigkeit nachgewiesen? Nein. Die mechanischen Beobachtungen sind eine günstige Ausgangslage, ersetzen aber keinen Langzeit- oder Thermozyklentest.Automatisch aus dem Artikelinhalt als redaktionelle, sichtbare Inhaltsübersicht erzeugt.
Mit der SPLAVE ONE liegt heute eine Wärmeleitpaste vor mir, bei der die Entstehungsgeschichte deutlich näher am eigentlichen Einsatzzweck liegt als bei vielen klassischen Retail-Produkten. Hinter SPLAVE PC steht mit Allen, in der Szene besser als Splave bekannt, jemand, der Wärmeleitpaste nicht nur aus der Perspektive eines normalen CPU-Kühlers betrachtet. Extreme Overclocking, Direct Die, hoher Montagedruck, sehr hohe Wärmestromdichten und möglichst wenig thermischer Ballast zwischen Silizium und Kühler gehören dort zum Alltag. Entsprechend naheliegend ist der Gedanke, dass man sich eine Paste irgendwann quasi auf den eigenen Leib mischen lässt, nicht nach einer möglichst eindrucksvollen Zahl auf der Verpackung, sondern nach den Eigenschaften, die man selbst unter extremen Bedingungen tatsächlich haben möchte. Genau das macht die SPLAVE ONE für mich interessant. Ich will gar nicht zuerst wissen, was irgendein Marketingwert behauptet, sondern wie sich das Material mechanisch verhält, wie dünn es sich unter realer Last verpressen lässt und wie groß am Ende die beiden Anteile des thermischen Widerstands tatsächlich sind: der Materialanteil in der Bond Line und die Kontaktverluste an den Grenzflächen. Als direkter Vergleich dient deshalb wieder die Halnziye HY-P17 mit Datenbank-ID 137, die in meiner Wärmeleitpasten-Datenbank aktuell die Referenz unter den klassischen Pasten darstellt.
Die neue TIMA5-Auswertung macht diesen Vergleich noch spannender als früher. Neben der D5470-λapp und dem kombinierten Kontaktwiderstand sehe ich inzwischen auch die kontaktäquivalente BLT, den Kontaktanteil an der unteren Messgrenze, den λeff-Erhalt, Wärmeflussdichte und Wärmeflusszunahme, die Qtop/Q-Messbilanz, die Dünnfilm-Abweichung gegenüber einem High-BLT-Fit sowie die Robustheit der Regression gegenüber ODR und Leave-one-out. Das ist wichtig, denn bei der SPLAVE ONE erzählt ausgerechnet die einzelne W/mK-Zahl nur einen Teil der Geschichte. Die SPLAVE ONE erreicht im ASTM-D5470-artigen Mehrdickenverfahren eine scheinbare Materialleitfähigkeit λapp von 7,190 ± 0,260 W/mK. Damit liegt sie sogar über den 6,726 ± 0,051 W/mK der HY-P17. Wer nur diese Zahl betrachtet, könnte die Sache an dieser Stelle bereits für entschieden halten. Genau das wäre jedoch falsch. Der kombinierte Kontaktwiderstand liegt bei der SPLAVE ONE mit 6,950 ± 1,178 mm²K/W deutlich über den 2,632 ± 0,272 mm²K/W der Halnziye. Anders gesagt: Im Material selbst ist die SPLAVE ONE stark, an den beiden Grenzflächen gibt sie einen erheblichen Teil dieses Vorteils wieder ab. Und weil moderne Kühler im Idealfall mit dünnen Bond Lines arbeiten, ist ausgerechnet dieser Kontaktanteil in der Praxis besonders wichtig. Doch dazu gleich mehr…
Die Verpackung passt zum Hintergrund des Produkts. Auf der Front wird die SPLAVE ONE schlicht als „Performance Thermal Paste“ für CPU-, GPU- und Halbleiteranwendungen bezeichnet. Die Rückseite nennt unter anderem den Einsatz auf CPUs und GPUs, Direct-Die beziehungsweise deliddeten Prozessoren und weist auf den beiliegenden Spatel hin. Großspurige zweistellige Wärmeleitfähigkeitszahlen stehen dagegen nicht im Vordergrund. Das gefällt mir schon deshalb, weil eine einzelne W/mK-Angabe bei einer Wärmeleitpaste ohnehin wenig über die reale Leistung einer montierten Kontaktstelle aussagt.
Unboxing, Zubehör und erster EindruckDer Lieferumfang bleibt entsprechend übersichtlich. Neben der Spritze liegt ein kleiner Spatel bei, mehr braucht es für eine Wärmeleitpaste auch nicht. Die Spritze lässt sich sauber dosieren, die Paste selbst wirkt bereits beim Austritt deutlich standfester als sehr weiche Standardpasten. Sie läuft nicht auseinander, hält die aufgetragene Form und zeigt keine ausgeprägte Tendenz, sofort als dünner Ölfilm über die Oberfläche zu kriechen. Das passt zu einer Formulierung, die unter Druck arbeiten soll und mechanisch nicht schon bei der kleinsten Last völlig kollabiert.
Beim Austritt aus der Spritze zeigt sich eine graue, hochgefüllt wirkende Masse. Sie ist nicht trocken oder krümelig, aber auch kein sehr weiches Material, das sich ohne nennenswerten Widerstand selbst nivelliert. Für den normalen Anwender bedeutet das: die SPLAVE ONE lässt sich gut dosieren, profitiert aber von einem sauberen, ausreichend hohen Montagedruck. Gerade bei großen IHS-Flächen würde ich nicht zu sparsam arbeiten. Ein vollständiges Verstreichen ist möglich, ebenso ein ausreichend großer zentraler Auftrag, solange die Montage genügend Druck aufbaut und die gesamte Fläche sicher geschlossen wird.
Schon hier deutet sich die Charakteristik an, die später auch in den Kraftdaten wieder auftaucht. Die SPLAVE ONE ist keine Paste, die von 400 auf 25 µm praktisch drucklos zusammensackt. Sie lässt sich sehr weit verpressen, verlangt dafür am unteren Ende aber realen mechanischen Einsatz. Das ist für einen Overclocking-orientierten Ansatz durchaus nachvollziehbar, denn dort ist hoher Anpressdruck eher verfügbar als bei einem filigranen Notebook-Kühler. Und nun tauchen wir mal in die Messungen ein.