Es war 1972, als sich die Dinge an der Playa de Palma grundlegend änderten. Und schuld daran war eine Thekentruppe aus Köln. Zu ihren Errungenschaften gehören die Namenschöpfung des Ballermann ebenso wie die Erfindung der „Kölschen Woche“. Und das kam so: Der FC Merowinger aus der Kölner Südstadt verbrachte bis dahin seine Vereinsfahrten im Rheinland. Doch 1971 nahmen die Vereinskameraden eine Kneipe in Assmannshausen auseinander. Konsequenz: Der Bürgermeister erteilte den Rabauken Stadtverbot. So musste eine Alternative her.
Es war 1972, als sich die Dinge an der Playa de Palma grundlegend änderten. Und schuld daran war eine Thekentruppe aus Köln. Zu ihren Errungenschaften gehören die Namenschöpfung des Ballermann ebenso wie die Erfindung der „Kölschen Woche“. Und das kam so: Der FC Merowinger aus der Kölner Südstadt verbrachte bis dahin seine Vereinsfahrten im Rheinland. Doch 1971 nahmen die Vereinskameraden eine Kneipe in Assmannshausen auseinander. Konsequenz: Der Bürgermeister erteilte den Rabauken Stadtverbot. So musste eine Alternative her.
Mit Kölsch und Gulaschsuppe nach MallorcaDie fand der damalige Präsident Werner Dive in einem Neckermann Katalog. Fünf Tage Arenal im Hotel Dunas Blancas. „Viel billiger als Assmannshausen“, befand Dive und überzeugte knapp zehn Mitstreiter. So ging es los in der zweiten Septemberwoche 1972. Und weil die Kölner der spanischen Ess- und Trinkkultur grundsätzlich misstrauten, nahmen sie ihre Zehn-Liter-Fässchen Kölsch gleich im Handgepäck mit, ebenso Tuppertöpfe voller Gulaschsuppe aus der Kölner Pusztahütte am Neumarkt. Und da das Kölsche Naturell zur Verkleidung neigt, packten sie die Karnevals-Kostüme gleich mit ein.
Was für ein Anblick muss das gewesen sein, als die Kölner verkleidet schunkelnd über die Strandpromenade liefen. So etwas Absonderliches hatten die Mallorquiner noch nicht gesehen. Aber es kam gut an. „Die Spanier haben alles mitgemacht. Gesoffen, gesungen, geschunkelt“, erinnerte sich Dive, der letztes Jahr verstarb. Kommuniziert wurde mit Händen und Füßen oder es wurden spanische Worte kurzerhand eingekölscht.

Der FC Merowinger aus der Kölner Südstadt reiste 1972 erstmals gemeinsam nach Mallorca. / Ingo Wohlfeil
Wie aus Balneario 6 der Ballermann wurdeSo wurde aus der frisch eröffneten, aber für Kölner unaussprechlichen Strandbude Balneario 6 kurzerhand zum Ballermann 6. Mittlerweile wird die ganze Gegend so genannt. Und weil es den Kölnern so gut gefiel am selbst erfundenen Ballermann, beschlossen sie wiederzukommen. Jahr für Jahr. Immer in der zweiten Septemberwoche, immer im selben Hotel. Seit nunmehr 55 Jahren. Und weil sie wirklich jedem von ihren Ballermann-Erfahrungen erzählten, kamen immer mehr Kölner, Rheinländer und Ruhrpottler. Zeitweise reisten bis zu 100 Merowinger an, im Schlepptau weitere Karnevals-, Kegel- und Spaßvereine, die sie vom wilden Treiben auf Mallorca zu begeistern versuchten.
Die Geburt der „Kölschen Woche“So wurde aus der zweiten Woche im September die Kölsche Woche. Die Woche, in der die Kölner kommen. Geprägt vom Geist des Kölschen Karnevals und rheinischer Lebensfreude, vereint in mediterranem Flair. Standesübergreifendes Feiern bei mundartlichem Liedgut. Mittlerweile hat sie sich die Woche längst zu einem rheinischen Monat ausgedehnt. Er beginnt Ende August und reicht bis in den Oktober. Zu erkennen ist diese Jahreszeit an den vielen Fußballfahnen von Rhein und Ruhr, die in den mallorquinischen Sand gepflockt werden.

Karneval im Spätsommer: Kölsche Woche in der Bierstraße an der Playa de Palma im Jahr 2022. / Ciro Krauthausen
Der kölsche September am BallermannAls Schaltzentrale gilt in dieser gesamten Zeit die Bierstraße, die den Umsatz des Jahres macht. Aber auch die Schinkenstraße spielt eine gewichtige Rolle, denn der Bierkönig macht seit ein paar Jahren mit beim Jecken-Treiben, in dem er Kölsche Bands Willkommen heißt. Und so war es auch am vergangenen Montag (7.9.), als der Bierkönig seine eigene Kölsche Woche in rot-weiß geschmückt startete. Auf der Bühne standen neben den Funky Marys (Kölsch: Funkemariechen) zwei Urgesteine des Ballermann-Karnevals. Erstmals sang im Bierkönig Mickie Brühl (65, „Paveier”), der im September vor genau 40 Jahren die erste Ballermann-Hymne schrieb. In „Buenos Dias, Matthias” verarbeite der damals 25-Jährige die Erlebnisse seines ersten exzessiven Ballermann-Wochenendes. Seit 1986 ein Evergreen. Brühl nach seinem Auftritt begeistert zur MZ: „Es ist unglaublich, dass die Leute das Lied immer noch kennen und immer noch können!“ Unterstützt wurde Brühl bei seinem Auftritt von Marita Köllner (68, „kölsche Mädchen“). Köllner führte bereits in den 00er-Jahren die „Schlagersuite by Marita Köllner” in der Discothek Paradies (heute „The Club”).

Auftakt der "Kölschen Woche": So war der Auftritt der Höhner im Bierkönig 2024 / Nele Bendgens
Bis Freitag (11.9.) werden insgesamt zehn Kölner Bands oder MusikerInnen auf der Bierkönig Bühne stehen, darunter „Höhner” oder „Räuber”. Und an diesem Freitag reisen dann auch die Legenden des FC Merowinger an, viele im hohen Alter, um wie jedes Jahr ihre Kölsche Woche inklusive Karnevalsumzug und Beachparty zu feiern. Der inoffizielle Schlusspunkt des stets inoffiziellen Programm wird dann aber von Kölnfernen Menschen bestritten. Seit über 25 Jahren veranstalten Solinger einen Rosenmontagsumzug mit Guerillataktik. Keiner weiß genau, wann es losgeht, außer irgendwann in der Schinkenstraße. Szenenkenner rechnen mit Montag, dem 21. September. Wahrscheinlich gegen 16 Uhr.
Abonnieren, um zu lesen