Ein Scheck über 10.000 Dollar pro Haushalt – dafür dass Anwohner ihren Widerstand gegen ein Rechenzentrum in ihrer direkten Nachbarschaft aufgeben. Dieses Angebot sorgt in den USA derzeit für Schlagzeilen.
Von New Mexico über Pennsylvania bis nach Ohio – in den USA bekommen Entwickler von Rechenzentren derzeit jede Menge Gegenwind zu spüren. Teils ist der Widerstand so groß, dass er für die betroffenen Konzerne spürbare Konsequenzen hat. Wie etwa bei Oracle, dessen Kurs vor Kurzem um mehr als 3 Prozent einbrach , nachdem das Unternehmen Maßnahmen ergriffen hatte, um sich vor hohen Ausfallkosten für ein riesiges Rechenzentrum zu schützen, das derzeit im US-Bundesstaat New Mexico gebaut wird. Und gegen das es massive Proteste gibt.
Laut einem Bericht des „Wall Street Journals“ greifen einige Entwickler nun zu bislang ungekannten Maßnahmen. In Hazle im US-Staat Pennsylvania hat ein Entwickler Anwohnern offenbar Schecks in Höhe von 10.000 Dollar pro Haushalt angeboten , wenn diese ihren Widerstand gegen das dort geplante Rechenzentrum aufgeben.
Entsprechende Briefe von NorthPoint Development seien im Juni an rund 4500 Haushalte der Township im Luzerne-County verschickt worden, hieß es in US-Medien. Was zusammen einer Zahlung in Höhe von 45 Millionen entsprechen würde.
Dass Rechenzentrumsentwickler versuchen, sich über Zahlungen und Zusagen die Gunst von Gemeinden zu erhalten, ist an sich nichts Neues. Allerdings hat sich der Widerstand gegen Rechenzentren in den USA zuletzt massiv verstärkt. Anwohner fürchten unter anderem negative Auswirkungen auf die Umwelt, Lärm, sinkende Häuser- und steigende Energiepreise.
So gaben sieben von zehn Befragten in einer im Mai veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup an , den Bau von Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft abzulehnen. Laut dem Forschungsprojekt Datacenterwatch haben Gegner von US-Rechenzentren allein im zweiten Quartal den Bau von 45 Projekten im Wert von 68 Milliarden Dollar behindert.
Ob sich die Betreiber des Rechenzentrums mit ihrem 10.000-Dollar-Angebot durchsetzen, blieb laut „WSJ“ zunächst unklar. Mehrere Anwohner, die die Zeitung befragte, blieben bei ihrer Ablehnung. Teils, weil sie den Wertverlust ihrer Immobilien durch die Rechenzentren höher einschätzten als das Angebot. Teils, weil sie darin einen Bestechungsversuch sehen.
Rund 100 einstmals kritische Bewohner will der Rechenzentrumsbetreiber indes mit seinem Angebot bereits überzeugt haben.
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Andere Beobachter halten es indes für möglich, dass für die Bewohner für ihre Zustimmung womöglich noch mehr drin ist. Selbst Leuten an der Armutsgrenze sei vollkommen klar, dass 10.000 Dollar nicht mehr das seien, was sie einmal waren, schrieb ein WSJ-Leser. „Vielleicht könnte man bei 150.000 Dollar anfangen zu sprechen.“
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