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„Deutschland geht den Bach runter“: So blicken Mallorquiner mit Deutschland-Bezug auf die Landtagswahlen

Дата публикации: 24-09-2026 09:23:29

Für die Deutschland-Kennerin – sie lebte fünf Jahre lang in Berlin – sind die Ergebnisse der Landtagswahlen vor allem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern schwer nachvollziehbar. „Deutschland hat so viel für die Aufarbeitung seiner Geschichte getan, ganz im Gegensatz zu Spanien. Und trotzdem haben wir jetzt wieder eine rechtsextreme Parteien als Wahlgewinner in zwei Ländern. Das ist schon verstörend“, sagt die 44-Jährige aus Palma.

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Marina Forteza, Journalistin

Für die Deutschland-Kennerin – sie lebte fünf Jahre lang in Berlin – sind die Ergebnisse der Landtagswahlen vor allem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern schwer nachvollziehbar. „Deutschland hat so viel für die Aufarbeitung seiner Geschichte getan, ganz im Gegensatz zu Spanien. Und trotzdem haben wir jetzt wieder eine rechtsextreme Parteien als Wahlgewinner in zwei Ländern. Das ist schon verstörend“, sagt die 44-Jährige aus Palma.

Sie erlebte während ihrer Zeit in Berlin Mitte der 2010er-Jahre den Aufstieg zunächst der Protestbewegung Pegida und dann der AfD mit, die zu Beginn gemäßigt aufgetreten sei und einen neoliberalen Anstrich gehabt habe. „Der Aufstieg der Rechten war eine direkte Folge einer Politik der Bundesregierung, die zunächst sehr migrantenfreundlich war.“

Dass Die Linke in Kreuzberg, wo Forteza selbst lebte, es auf über 40 Prozent geschafft hat, freut sie, wundert sie aber nicht. „Die Linke hat es geschafft, die Wohnraumproblematik zum zentralen Thema zu machen. Die Preise sind in den vergangenen Jahren abartig gestiegen.“

Marina Forteza lebte fünf Jahre lang in Berlin.

Marina Forteza lebte fünf Jahre lang in Berlin. / privat

Als sie nach Berlin gekommen sei, sei Wohnen im Vergleich extrem günstig gewesen, was Menschen aus vielen Kulturen angezogen habe. „Das erklärt die Stärke der linken Parteien in der Stadt.“

Die Einschätzung, dass Die Linke und die AfD an den politischen Rändern gleichzusetzen sein sollen, lehnt Forteza entschieden ab. „Das bedeutet ja, Faschisten und Antifaschisten beide gleich negativ zu sehen.“ Sie habe an Deutschland immer bewundert, dass es das Land des großen Konsens gewesen sei. Eine Große Koalition nach deutschem Vorbild sei in Spanien undenkbar.

Doch diese Zeiten scheinen vorbei. „Ich verstehe selbst nicht genau, warum die Menschen inzwischen so sehr zu den Extremen tendieren“, sagt Forteza. Ein Grund spielten dabei sicherlich die Algorithmen der sozialen Netzwerke – etwas, das besonders Die Linke und die AfD beherrschten. jk

Ramón Aguiló, Politiker

Ramón Aguiló (76) war zwölf Jahre lang Bürgermeister von Palma. Der Sozialist beobachtet nach wie vor sehr aufmerksam die spanische, aber auch die deutsche Politik. Dass die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern so stark geworden ist, wundert Aguiló nur zum Teil. „Viele Menschen in den östlichen Bundesländern fühlen sich nach wie vor wie Deutsche zweiter Klasse.“ Dazu sei die historische Nähe zu Russland ebenso ein Faktor.

Für Aguiló war das Thema Migration mit wahlentscheidend. Im Falle von Berlin sei das anders, da die Stadt eine lange Tradition linker Politik und Menschen aus anderen Kulturen stets mit offenen Armen empfangen habe. Um in den ländlichen Gebieten zu punkten, müsse sich die SPD überlegen, ob sie nicht eher auf den Kurs der Sozialdemokraten in den skandinavischen Ländern Dänemark oder Schweden umschwenken sollte, die in den vergangenen Jahren mit harter Hand vor allem gegen illegale Migration vorgegangen sind. „Ihre Wähler sind nach rechts gerückt, und den Parteien blieb gar nichts anderes übrig, als diesen Kurs mitzugehen, wenn sie nicht einen Großteil ihrer Wähler verlieren wollten.“

Ramón Aguiló verfolgt nach wie vor aufmerksam die deutsche Politik.

Ramón Aguiló verfolgt nach wie vor aufmerksam die deutsche Politik. / MANU MIELNIEZUK

In Deutschland sei das lange anders gelaufen, seit dem „Wir schaffen das“ von Angela Merkel 2015. „Das erschien mir zunächst eine großartige humanitäre Antwort auf die Flüchtlingsproblematik zu sein, es hat sich aber herausgestellt, dass diese zu einem sehr negativen Faktor geworden ist.“

Die AfD hält er für deutlich gefährlicher als die rechten Parteien in Italien, Spanien oder Frankreich. „Man muss sich nur anschauen, was im Europäischen Parlament passiert ist. Dort hat die Fraktion ,Identität und Demokratie‘ die AfD ausgeschlossen.“ Dass die Brandmauer demnächst fallen werde, dafür sieht Aguiló keine Anzeichen. „So lange die AfD so russlandfreundlich unterwegs ist, kann keine andere Partei mit ihr zusammenarbeiten.“

Guillem Sans, Journalist

„Deutschland geht den Bach runter“, sagt Sans. Besonders kritisch sieht der Journalist, der seit 20 Jahren in Berlin lebt, den politischen Kurs der Bundesregierung. Dass Friedrich Merz nach den jüngsten Wahlergebnissen vom Sonntag an seinen Reformplänen festhalten wolle, könne er kaum nachvollziehen.

Maßnahmen wie eine weitere Anhebung des Rentenalters träfen auf eine Bevölkerung, die von solchen Debatten zunehmend genug habe. Gleichzeitig werde viel Geld für Verteidigung bereitgestellt, während es für ihn an Investitionen in die alltägliche Infrastruktur mangele. Schulen und Straßen seien vielerorts in schlechtem Zustand. „Und dann wundert man sich, dass extreme Parteien wie die AfD an Stärke gewinnen.“

Den Erfolg der AfD erklärt Sans vor allem mit dieser Unzufriedenheit. Den politischen Inhalt der Partei findet er allerdings ausgesprochen simpel: Im Kern werde Einwanderern die Schuld an Problemen gegeben, deren Ursachen aus seiner Sicht ganz woanders lägen. Große Unterschiede zu anderen rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien in Europa sieht er dabei nicht.

Die Berichterstattung in Spanien über den Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hält der 48-Jährige teilweise für überzogen. „Dort leben nur 1,8 Millionen Menschen“, erklärt er. Verharmlosen will er das Ergebnis deshalb aber keineswegs. Die Entwicklung sei durchaus gefährlich und müsse ernst genommen werden.

Vor diesem Hintergrund überrascht ihn der Erfolg von Die Linke in Berlin nicht. Die Partei habe sich im Wahlkampf auf konkrete Alltagsthemen konzentriert und den Menschen vermittelt, was sich für sie durch ihre Stimme ändern solle. „Das Problem, das wir haben, sind die Lebenshaltungskosten“, fasst Sans zusammen. Die Linke habe diese Probleme klar benannt und konkrete Antworten versprochen. Deshalb hält er den Erfolg für „verdient“.

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