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Der Motorsport sucht die Metropolen: Das erste Rennen auf dem «Madring» in Spaniens Hauptstadt gelingt

Дата публикации: 13-09-2026 16:15:00

Sport, Show und Geschäft rücken in der Formel 1 immer näher zusammen – Kimi Antonelli gewinnt das Premierenrennen in Madrid.

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Der Motorsport sucht die Metropolen: Das erste Rennen auf dem «Madring» in Spaniens Hauptstadt gelingt

Sport, Show und Geschäft rücken in der Formel 1 immer näher zusammen – Kimi Antonelli gewinnt das Premierenrennen in Madrid.

Elmar Brümmer, Madrid13.09.2026, 18.15 Uhr

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Profitiert von Lando Norris’ verpasstem Boxenstopp: der Sieger Kimi Antonelli.

Profitiert von Lando Norris’ verpasstem Boxenstopp: der Sieger Kimi Antonelli.

Albert Gea / Reuters

Vom Abschied der Formel 1 aus Europa wird in dieser Saison zweierlei in Erinnerung bleiben: der achte Sieg des WM-Leaders Kimi Antonelli vor Max Verstappen – und eine Kurve, wie es keine andere gibt im Kalender. 550 Meter und 13,5 Grad steil ist sie und wird deshalb «La Monumental» genannt. Das unterstreicht den generellen Anspruch in der neuen Heimat des Grand Prix’ von Spanien, der nach 45 Jahren wieder in die Nähe der Hauptstadt zurückgekehrt ist. Die Königsklasse des Motorsports sucht ihr Glück, vor allem ihr finanzielles, mehr und mehr in Metropolen.

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Mit einem echten Stadtrennen hat die Strecke auf dem rund 80 Millionen Franken teuren «Madring» nicht viel zu tun. Rund um das Messegelände in der Nähe des Flughafens und direkt neben dem Trainingszentrum von Real Madrid ist eine Retortenpiste entstanden, die so eng ist wie Monte-Carlo – aber deutlich schneller.

Ein Experiment, das eine glückliche Premiere erlebte, mit 110 000 Zuschauenden und einem Rennverlauf, der sich spannender gestaltete, als anzunehmen war. Entschieden wurde das 14. Saisonrennen durch eine virtuelle Neutralisierung, in der der Titelverteidiger Lando Norris seinen dritten Sieg im vierten Rennen noch aus der Hand gab, weil er den Boxenstopp während der Safety-Car-Phase verpasste. Der clevere Nutzniesser war Kimi Antonelli, der nun bereits 81 Punkte Vorsprung vor seinem Teamkollegen George Russell hat und 101 auf Lewis Hamilton, der mit dem Ferrari früh ausgeschieden war.

Die Veranstalter planen bereits Umbauarbeiten

Die Piste mit dem gewöhnungsbedürftigen Namen «Madring», den man besser nicht auf Englisch ausspricht, hat noch Platz für Verbesserungen; die Veranstalter denken bereits an Umbauarbeiten, damit im kommenden Jahr noch mehr Überholmanöver möglich sind.

Ein bisschen mehr Charme rund um das Fahrerlager würde ebenfalls guttun. Mit der Fahrt im «Herzen von Madrid», wie es die PR-Lyriker von Ferrari vor dem Rennen so schön formuliert hatten, ist es hingegen nicht weit her – statt kastilischem Barock, Belle Époque und Klassizismus wie im Zentrum stehen hier nüchterne Zweckgebäude und riesige Hallen. Im gewohnten Eventtempo wurde der Grand Prix von Spanien zwischen Recycling-Messe und Fashion-Week ins Programm geschoben.

Liegt nun mit 81 Punkten Vorsprung an der Spitze des WM-Klassements: der Mercedes-Rennfahrer Kimi Antonelli.

Liegt nun mit 81 Punkten Vorsprung an der Spitze des WM-Klassements: der Mercedes-Rennfahrer Kimi Antonelli.

Jakub Porzycki / Reuters

Postkartenmotive finden sich woanders. Der Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der Alpine-Statthalter Flavio Briatore und der Formel-1-Geschäftsführer Stefano Domenicali machen ihr strahlendes Selfie mitten in der nächtlichen Innenstadt.

Es sind die vielleicht mächtigsten Männer dieser Disziplin, und sie freuen sich über einen Trend, der unaufhaltsam scheint: Die Königsklasse wird zum Metropolensport. Zwei Drittel des WM-Kalenders, der 24 Rennen umfasst, werden direkt innerhalb oder zumindest in der Nähe grosser Städte ausgetragen.

Die Rennen zu den Menschen bringen statt die Menschen zu den Rennstrecken: Das wird auch aus Gründen der Nachhaltigkeit immer wichtiger. 90 Prozent der Zuschauer in Madrid sollen mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sein. Natürlich geht es aber vor allem um die Attraktivität. Städte wie Madrid, Singapur oder Miami sonnen sich im Glanz der global boomenden Rennserie, und sie rechnen ihre Investitionen nicht nur mit dem hohen Imagewert gegen, sondern auch mit den Einnahmen der Hotellerie und Gastronomie.

«Madrid passt zu unserer Vision eines mehrtägigen Spektakels aus Sport und Entertainment, das den Fans einen maximalen Nutzen bietet», sagt Stefano Domenicali. Audis Vorstandsvorsitzender Gernot Döllner überlegt sogar, ob die Idee, ein Rennen auf einem Messegelände durchzuführen, auch dazu beitragen könnte, irgendwann wieder einen Grossen Preis von Deutschland zu bekommen.

Dem Wanderzirkus Formel 1 macht selbst ein nüchternes Ambiente wenig aus, solange die Einnahmen stimmen. Mit der Zahl der rasenden Stadtrundfahrten sind auch die Antrittsgelder gewaltig gestiegen. Kassierte die Formel 1 vor zehn Jahren im Schnitt 31 Millionen Dollar von jedem Veranstalter, so sind es heute bereits 43 Millionen Dollar.

Madrid kann und will das bezahlen, was sich Barcelona nicht mehr leisten kann. Künftig wird das Rennen in Katalonien nur noch alle zwei Jahre ausgetragen, die spanische Hauptstadt hingegen hat ihren jährlichen Grand Prix bis 2035 auf sicher. Es geht immer um dauerhafte Investitionen; das kleinere Valencia musste seine Piste rund um den America’s-Cup-Hafen bald wieder aufgeben. Es ist nicht nur die Sehnsucht nach Glamour, die die Formel 1 in die Städte treibt, es muss auch ein funktionierendes Geschäft auf Gegenseitigkeit sein.

In Madrid ist eine ungeheure Energie zu spüren, in der Metro wird die Premiere als «das Rennen mit dem Stier» beworben; in der Innenstadt feierten Zehntausende in mehreren Fan-Zonen. Bei den letzten Rennpremieren in Las Vegas und Miami war anfänglich auch viel über den sportlichen Wert und die technische Herausforderung diskutiert worden, dort gewann dank der Macht der Bilder dann aber schnell die Show die Oberhand über den Sport. Wie sich die Wahrnehmung des «Madring» entwickelt, ist noch nicht abzusehen. Im nächsten Jahr rückt deshalb Istanbul wieder in den Kalender, die Präsentation aller neuen Rennwagen erfolgt vor der Saison während eines dreitägigen Festivals in Mailand.

Kommerzialisierung bis in die Boxengasse

Im urbanen Umfeld findet sich vor allem ein enormes Potenzial an jugendlichen und weiblichen Fans, den am schnellsten wachsenden Zuschauergruppen. Auch die Klientel, die sich ihren VIP-Status für zum Teil fünfstellige Summen kaufen kann, reist lieber an einen Ort mit einem grossen Flughafen und Glamour als zu traditionellen Rennstrecken auf dem Land.

In Madrid reicht die Kommerzialisierung bis in die Mitte der Boxengasse, wo direkt zwischen Mercedes und Red Bull der berühmte Koch Gordon Ramsay in zwei Garagen seine prominente Kundschaft bewirtet hat. Näher können sich Sport, Show und Geschäft kaum kommen.

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