Der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth will die autonome Kriegsführung mit Tempo vorantreiben. Der CEO von Tesla und SpaceX wird dabei eine Rolle spielen.
Der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth will die autonome Kriegsführung mit Tempo vorantreiben. Der CEO von Tesla und SpaceX wird dabei eine Rolle spielen.
02.10.2026, 05.30 Uhr
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Evan Vucci / Reuters
Bei der Entwicklung zukünftiger Militärtechnologien zählt Verteidigungsminister Pete Hegseth auf die Mithilfe von Elon Musk. Er holt ihn für ein neues Projekt ins Pentagon, wie er am Mittwoch auf dem Marinestützpunkt in Quantico ankündigte. In einer substanziellen «Ansprache zur Lage der Streitkräfte» erläuterte er Hunderten von Offizieren und Soldaten seine Pläne, das amerikanische Militär für die Kriege der Zukunft zu rüsten.
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Vor einem Jahr war es in Hegseths Ansprache an Generäle vor allem um Personalkürzungen und Kulturkampf gegangen. Auch diesmal konnte Hegseth Letzteren nicht lassen. Das Militär sei nicht länger das «woke» Ministerium: «Die ideologischen Clowns sind weg. Die patriotischen Cowboys sind da – Testosteron-Tests inklusive», meinte er. Die kritische Berichterstattung zum Iran-Krieg bezeichnete der amerikanische Kriegsminister, wie die Trump-Regierung ihn nennt, als «Landesverrat».
Die Streitkräfte der USA seien stärker als je zuvor, verkündete Hegseth nun. Doch er gab auch zu, dass dringender Aufholbedarf punkto Zukunftstechnologien herrscht: «Wir hätten bereits vor zehn Jahren über autonome Kriegsführung nachdenken müssen.» Die USA befinden sich in einem Wettrüsten gegenüber China und Russland. Experten wie Andreas Urbanski vom Royal United Services Institute (RUSI) warnen davor, dass die USA insbesondere bei der Robotik ins Hintertreffen geraten könnten. Russland hat sich im Drohnenkrieg mit der Ukraine Wissen angeeignet.
Weniger Bürokratie, intelligentere WaffenHegseth stellte sechs neue Initiativen vor, um die USA für den Krieg der Zukunft zu rüsten. Dazu gehörten der Ausbau des Einsatzes künstlicher Intelligenz und autonomer Technologien im Militär sowie ein neuer Militärstützpunkt in den USA. Damit die USA für den Krieg der Zukunft besser gerüstet sind, braucht es für den christlich-konservativen Hegseth offenbar auch Bibelfestigkeit. Er richtet neu ein «Büro für religiöse Angelegenheiten» ein.
Im Pentagon wird bis Herbst 2027 ein neues Kommando für autonome Kriegsführung (Autowarcom) entstehen. Es soll dafür sorgen, dass die Streitkräfte autonome Systeme, Drohnen und Roboter schneller und breiter integriert einsetzen können. Damit das gelingt, will Hegseth den Prozess verändern, wie Waffen entwickelt, produziert und beschafft werden. Ingenieure und Unternehmen sollen enger zusammenarbeiten, während operative Einheiten mehr Spielraum bei Entscheidungen und Ausgaben erhalten.
Dann wandte sich Hegseth an «drei grossartige Amerikaner» im Publikum: an Elon Musk, Palmer Luckey und Newt Gingrich. Sie sollen während 120 Tagen die Zukunft der Kriegsführung untersuchen: «Es geht nicht darum, neue Strategien oder neue politische Konzepte zu entwickeln», sagte Hegseth. Stattdessen soll das Team ergründen, welche Technologien und Fähigkeiten in künftigen Konflikten an Bedeutung gewinnen. Das «Projekt Meridian» ist dem Technologiechef des Pentagons unterstellt, weitere Führungskräfte aus der Privatwirtschaft sollen für das Projekt herbeigezogen werden.

Reuters
Das Endziel sei die absolute Dominanz der amerikanischen Streitkräfte: «Auf jedem künftigen Schlachtfeld, von unterhalb der Erdoberfläche bis über den Mond hinaus, werden unsere amerikanischen Soldaten mit absoluter technologischer Überlegenheit ausgestattet sein.» Die Arbeit der Projektgruppe beginnt sofort.
Vorteilhafte Rolle für MuskMusk kehrt ins politische Machtzentrum Washington zurück. Als führende Figur des «Departements für Regierungseffizienz» sollte Musk 2025 im Auftrag von Präsident Trump beim Haushalt sparen. Die «Bromance» der beiden endete jedoch im offenen Streit. Inzwischen haben sie sich wieder angenähert.
Die Verflechtung eines Unternehmers, der von Milliardenaufträgen der Regierung profitiert, führte schon damals zu heftiger Kritik. Schlagzeilen verursachten auch ein Besuch von Musk im Pentagon und eine Teilnahme an einem militärischen Strategietreffen zu China. Auch innerhalb der Trump-Regierung wurden Bedenken laut.
Die neue Rolle im Pentagon bringt sowohl Musk als auch Luckey in eine vorteilhafte Position. Beide Unternehmer sind an der Hightech-Aufrüstung der Armee beteiligt – unter anderem im Bereich der künstlichen Intelligenz. Beide können nun dabei mithelfen, den Technologiebedarf zu bestimmen.

Kevin Lamarque / Reuters
Allein dieses Jahr hat Musks Unternehmen SpaceX Aufträge in der Höhe von rund 7 Milliarden Dollar für den Bau von Satellitensystemen an Land ziehen können. Musks Satellitensystem Starlink ist den beiden Mächten Russland und China ein Dorn im Auge; sie möchten es lahmlegen. Luckeys Unternehmen Anduril entwickelt derweil für Hunderte von Millionen Dollar autonome Waffensysteme und andere Militärtechnologie für die Marine, etwa zur Abwehr von Drohnen.
Gingrich setzte sich für Hegseth einWeshalb Newt Gingrich vom Pentagon berufen wurde, erschliesst sich auf den ersten Blick nicht. Der 83-jährige Politikveteran und Publizist führte in den neunziger Jahren die Republikaner im Kongress als Gegenspieler des demokratischen Präsidenten Bill Clinton. Er ist der Ehemann der amtierenden amerikanischen Botschafterin in der Schweiz, Callista Gingrich. Doch Gingrich, der sich als «Futurist» bezeichnet, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Zukunft des Militärs. Von 2001 bis 2006 sass er in einem verteidigungspolitischen Beirat des damaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld.
Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump schrieb Gingrich eine Kolumne, in der er den nominierten Hegseth vehement gegen republikanische Zweifler im Senat verteidigte. Er werde die verknöcherte Bürokratie im Pentagon beseitigen. «Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass Amerika Pete Hegseth als Verteidigungsminister braucht», sagte Gingrich. Nun hat ihn Hegseth in seinen hochkarätigen Zukunfts-Think-Tank geholt.
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