Das Repräsentantenhaus dürften die Demokraten im November zurückgewinnen. Für den Senat aber brauchen sie historische Siege in republikanischen Hochburgen wie Texas, Alaska oder Ohio. Trumps Umfragetief rückt dies in den Bereich des Möglichen.
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Das Repräsentantenhaus dürften die Demokraten im November zurückgewinnen. Für den Senat aber brauchen sie historische Siege in republikanischen Hochburgen wie Texas, Alaska oder Ohio. Trumps Umfragetief rückt dies in den Bereich des Möglichen.
30.09.2026, 05.30 Uhr
7 Leseminuten

Illustration Jasmine Rueegg / NZZ
Die Republikaner verfügen derzeit über eine Mehrheit im Senat von 53 zu 47 Sitzen. Um bei den Zwischenwahlen am 3. November die Kontrolle über die kleine Parlamentskammer zu übernehmen, müssten die Demokraten mindestens 4 Sitze erobern, die bis anhin von Republikanern gehalten werden. Gleichzeitig dürfen sie keinen ihrer eigenen Sitze an einen konservativen Herausforderer verlieren. Nur 3 zusätzliche Mandate reichen nicht. Bei 50 zu 50 Senatoren für jede Partei gibt bei Abstimmungen der Stichentscheid des Vizepräsidenten J. D. Vance den Ausschlag.
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Kongresswahlen finden in den USA alle zwei Jahre statt. Doch der Senat wird jeweils nur zu rund einem Drittel erneuert. In diesem Jahr stehen 35 Sitze zur Wahl. 13 davon werden bis jetzt von Demokraten gehalten, 22 von Republikanern. Nur in etwa sechs Gliedstaaten kann die Linke aber darauf hoffen, den Konservativen einen Sitz abzujagen: Alaska, Iowa, Maine, North Carolina, Ohio und Texas. Fünf dieser Gliedstaaten hatte der republikanische Präsident Donald Trump bei seinem Wahlsieg 2024 klar gewonnen. Gleichzeitig zeichnet sich für die Demokraten in Michigan und New Hampshire, wo sie zwei bisherige Sitze verteidigen müssen, in beiden Fällen ein enges Rennen ab.
Verlieren verboten: Michigan und New HampshireEl-Sayed contra Rogers

AP, Reuters; Bearbeitung NZZ
In Michigan tritt der demokratische Senator Gary Peters nicht mehr zur Wiederwahl an. Nun spielt sich in dem Swing State eines der spannendsten Duelle dieser Zwischenwahlen um den freien Senatssitz ab: Auf der einen Seite steht der israelkritische, muslimische Links-aussen-Kandidat der Demokraten, Abdul El-Sayed. Auf der anderen Seite kandidiert der ehemalige Kongressabgeordnete und frühere FBI-Mitarbeiter Mike Rogers.
El-Sayed will die Waffenlieferungen an Israel unterbinden, eine staatliche Krankenversicherung einführen und die Einwanderungspolizei ICE abschaffen. Die Republikaner hoffen, dass diese Positionen auch gemässigten Demokraten zu radikal sind. Gleichzeitig hat sich Rogers im Wahlkampf aber von proisraelischen Geldgebern distanziert. In einem Werbevideo fordert er zudem ein schnelles Ende des Iran-Kriegs. Die Demokraten müssen den Sitz in Michigan verteidigen, um gute Chancen auf eine Mehrheit im Senat zu bewahren. Die Umfragen geben ihnen Hoffnung: In den meisten Erhebungen führt El-Sayed mit einem Vorsprung von 2 bis 7 Prozentpunkten.
Pappas contra Sununu

Getty, PD; Bearbeitung NZZ
Weniger gut sieht es für die Demokraten in New Hampshire aus. Hier tritt ihre Senatorin Jeanne Shaheen nach dreissig Jahren nicht mehr an. Der Gliedstaat gilt eigentlich als Hochburg der Demokraten. Doch die Republikaner haben einen Kandidaten aus einer wohlbekannten Politikerfamilie ins Rennen geschickt: John E. Sununu ist ein Bruder des ehemaligen Gouverneurs Chris Sununu und der Sohn des einstigen Gouverneurs und Stabschefs im Weissen Haus John H. Sununu. Von 2003 bis 2009 war Sununu bereits einmal Senator. In den meisten Umfragen liegt der Demokrat und Kongressabgeordnete Chris Pappas zwar in Führung. Doch der renommierte «Cook Political Report» änderte seine Prognose für die Wahl kürzlich von «neigt zu den Demokraten» zu «auf der Kippe».
Chancen in republikanischen HochburgenTalarico contra Paxton in Texas

AP, Reuters; Bearbeitung NZZ
Seit über dreissig Jahren sind beide Senatssitze von Texas fest in republikanischer Hand. Nun aber führt der Demokrat James Talarico in den Umfragen mit einem Vorsprung von 1 bis 6 Prozentpunkten auf seinen republikanischen Kontrahenten Ken Paxton. Der 37-jährige Abgeordnete des texanischen Repräsentantenhauses führt einerseits einen linkspopulistischen Wahlkampf, indem er das in seinen Augen korrupte Establishment und die Gier der Milliardäre anprangert.
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Anderseits plädiert er für eine konstruktive Zusammenarbeit und einen respektvollen Umgang zwischen Demokraten und Republikanern. Der Theologiestudent begründet seine linken Positionen gerne mit seinem christlichen Glauben. Paxton ist langjähriger Justizminister in Texas und geniesst Trumps volle Unterstützung. Aber seine politische Karriere wird von zahlreichen Skandalen überschattet, darunter ein Strafverfahren wegen Wertschriftenbetrugs oder ein gescheitertes Amtsenthebungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs und Bestechung.
Cooper contra Whatley in North Carolina

CH Media, Reuters; Bearbeitung NZZ
Seit 2015 sind beide Senatssitze von North Carolina in republikanischer Hand. Bei Präsidentschaftswahlen war Barack Obama 2008 der letzte Demokrat, der den Südstaat gewinnen konnte. Nun aber führt der Demokrat und ehemalige Gouverneur Roy Cooper in den Umfragen mit teilweise deutlichem Vorsprung gegenüber dem Republikaner Michael Whatley. Der auf einer Farm aufgewachsene Cooper hat wiederholt bewiesen, dass er Wahlen in dem konservativen Gliedstaat gewinnen kann. 2024 galt er als möglicher Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten und Running Mate von Kamala Harris.
Whatley hingegen kandidierte zuvor nie für ein höheres Amt. Er war Parteichef der Republikaner in North Carolina und auf nationaler Ebene. Die Position soll er gemäss der «Washington Post» auch deshalb erhalten haben, weil er geholfen hatte, Trumps Lüge einer gestohlenen Präsidentschaftswahl 2020 zu verbreiten.
Peltola contra Sullivan in Alaska

Imago, Reuters; Bearbeitung NZZ
Vor zwei Jahren hat Donald Trump den Gliedstaat Alaska wie alle anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten seit 1968 gewonnen. Im Rennen um den Senatssitz könnte der Demokratin Mary Peltola gegen den republikanischen Amtsinhaber Dan Sullivan nun aber eine Überraschung gelingen.
Die parteiübergreifende Vorwahl gewann sie im August mit einem Vorsprung von 8 Prozentpunkten auf Sullivan. Bereits 2022 gewann Peltola als erste indigene Politikerin die Wahl um Alaskas einzigen Sitz im Repräsentantenhaus. Nun hat sie die Chance, auch einen historischen Einzug in den Senat zu feiern. Als Erfolgsrezept könnten sich ihre moderaten Positionen erweisen: Aufgewachsen als Tochter eines Lachsfischers, setzt sich Peltola für den Umweltschutz ein, aber auch für die Interessen der Erdölindustrie und für lockere Waffengesetze. Ihre Slogans lauten «Alaska first» und «Fisch, Familie und Freiheit».
Brown contra Husted in Ohio

AP, Reuters; Bearbeitung NZZ
Kaum ein anderer Staat repräsentiert die Trump-Bewegung so stark wie Ohio. Die Wiege der amerikanischen Schwerindustrie war einst eine Hochburg der Demokraten. Doch der wirtschaftliche Niedergang im sogenannten Rostgürtel frustrierte viele Arbeiter, die dann zu Trump und den Republikanern überliefen. Vor zwei Jahren verlor auch der unverwüstliche Sherrod Brown seinen Senatssitz. Doch nun könnte der 73-jährige Demokrat ein Comeback feiern. In den Umfragen liegt er gegenüber seinem republikanischen Kontrahenten Jon Husted knapp in Führung.
Turek contra Hinson

Bilder Getty; Bearbeitung NZZ
Donald Trump gewann das ländliche Iowa vor zwei Jahren mit einem Vorsprung von 13 Prozentpunkten. Aber mit Josh Turek haben die Demokraten einen moderaten Kandidaten mit einer guten Geschichte ins Rennen geschickt. Der 47-jährige Rollstuhlfahrer gewann zweimal Gold an den Paralympics. Früher wählte er die Republikaner, und als Abgeordneter in Iowas Parlament stimmte er für ein striktes Gesetz gegen illegal Eingewanderte und für längere Gefängnisstrafen gegen Wiederholungstäter. Sich selbst bezeichnet er als «Prärie-Populisten mit gesundem Menschenverstand».
In Umfragen liegt Turek praktisch Kopf an Kopf mit seiner republikanischen Rivalin Ashley Hinson. Die Kongressabgeordnete sah sich kürzlich gezwungen, sich von Trumps Iran-Krieg zu distanzieren. Sie forderte ein sofortiges Ende und schrieb auf X: «Die Einwohner Iowas sollten nicht die Zeche für den Krieg gegen Iran an der Zapfsäule oder der Supermarktkasse bezahlen müssen.»
Ein Eigentor in Maine?Jackson contra Collins

Bilder Reuters; Bearbeitung NZZ
Eigentlich bietet Maine die beste Gelegenheit für die Demokraten, den Republikanern einen Senatssitz wegzuschnappen. Der Gliedstaat ist demokratisch geprägt. Eine Mehrheit von 52 Prozent stimmte bei den Präsidentschaftswahlen vor zwei Jahren für die Demokratin Kamala Harris. Die republikanische Senatorin Susan Collins vertritt Maine zudem bereits seit fast dreissig Jahren in Washington. Ein Wandel im Amt wäre an der Zeit.
Doch mit dem Austernfarmer und Kriegsveteranen Graham Platner schickten die Demokraten zuerst einen charismatischen, aber allzu umstrittenen Herausforderer ins Rennen. Wegen Vergewaltigungsvorwürfen musste der 42-jährige Hoffnungsträger seine Kandidatur zurückziehen. An einem hastig einberufenen Parteitag nominierten die Demokraten den früheren gliedstaatlichen Senator Troy Jackson für die Wahl. Doch in der jüngsten Umfrage der «New York Times» liegt der linke Politiker nun knapp hinter Collins zurück.
Keine blosse Träumerei mehrBei Zwischenwahlen ist die Oppositionspartei stets im Vorteil. Ihre Wähler sind motivierter und gehen zahlreicher zur Urne. Gleichzeitig kann eine Regierungspartei nie alle Wahlversprechen erfüllen. Aus Ärger darüber bleibt ein Teil ihrer Wähler zu Hause oder stimmt gar für die Gegenseite. Deshalb verliert die Präsidentenpartei in den Midterms praktisch immer Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat. Im Durchschnitt waren es seit dem Zweiten Weltkrieg 26 Sitze in der grossen Kammer und 3 oder 4 Sitze in der kleinen Kammer. Deshalb dürften die Demokraten das Repräsentantenhaus mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückerobern, aber nicht unbedingt den Senat.
In den vergangenen Monaten sind die Chancen für die Demokraten allerdings gestiegen, auch eine Mehrheit im Senat zu gewinnen. Die Midterms sind meist eine Abstimmung über die Leistung des amtierenden Präsidenten. Die Kosten des Iran-Kriegs und insbesondere die gestiegenen Treibstoffpreise haben Trumps Umfragewerte auf ein Rekordtief geschickt. Nur noch etwa jeder dritte Amerikaner ist zufrieden mit dem Präsidenten.
Dennoch: Positive Umfrageresultate haben sich für die Demokraten bei vergangenen Wahlen oft als trügerisch erwiesen. Die erhofften Siege blieben aus oder waren knapper als erwartet. Selbst wenn El-Sayed, Pappas und Jackson in Michigan, New Hampshire und Maine gewinnen sollten, brauchen die Demokraten einen exzellenten Wahltag: Sie müssten in 5 republikanischen Hochburgen mindestens 3 Senatswahlen gewinnen. Eine blosse Träumerei scheint dies aber nicht mehr zu sein. Charlie Cook, der Gründer des «Cook Political Report», sagte kürzlich in einem Interview mit ABC: «Vor einem Jahr war es nicht realistisch, dass sich die Machtverhältnisse im Senat ändern könnten.» Aber seither habe sich dies geändert.
9 Kommentare
Bernd Schweitzer
01.10.2026
Wer glaubt denn, dass Trump die Wahlen anerkennen wird, falls die Demokraten tatsaechlich den Senat gewinnen?
Frank Marks
30.09.2026
1 Empfehlung
@SI aus Washington, Umfragen US-midterms https://youtube.com/shorts/SejOcWZx3SY?is=3R_iEkITodwOZmSu bestimmt nur fake news 🫢🤫😶
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