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Zeitz: Stadtoper "Stimmen" bringt Menschen zusammen

Дата публикации: 03-10-2026 01:00:00

Unter dem Titel "Stimmen" entsteht in Zeitz ein außergewöhnliches Kulturprojekt. Bürger erschaffen an Plätzen, in Gassen und auf Türmen in Zeitz gemeinsam eine Stadtoper.

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Zwei Personen, eine Frau und ein Mann in schwarzer Kleidung, lächeln in die Kamera.

AUDIO: Kulturprojekt macht Zeitz zur Bühne (4 Min)

Sirene & Chorstimmen

Zeitz wird zur Bühne: Theaterprojekt bringt die Menschen zusammen

Stand: 03.10.2026 03:00 Uhr

Unter dem Titel "Stimmen" haben der Künstler Lutz-Rainer Müller und die Musikerin Nici Palm ein außergewöhnliches Kulturprojekt geschaffen. An Plätzen, in Gassen und auf Türmen in Zeitz entstehen gleichzeitig musikalische Szenen. Protagonistinnen und Protagonisten sind die Menschen aus Zeitz, Chöre und Vereine.

von Anne Sailer, MDR Kulturdesk

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

Vor dem Eingang der Nikolaikirche herrscht geschäftiges Treiben. Remy, ein schmaler Junge, beobachtet mit einer riesigen schwarzen Marschtrommel vor dem Bauch das Gewusel. Er wartet auf die Probe in dem ehemaligen Lost Place, der noch von zugigen Kirchenfenstern und religiösen Graffitis geprägt ist. Der Nachwuchsmusiker freut sich auf das Spektakel.

Ein Event wie die Stadtoper biete Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen, erzählt Remy. Solche Aktionen gebe es nicht oft, da Zeitz klein sei. Er hofft auf neugierige Besucher und schwärmt von seiner Heimat: "Vielleicht kommen Leute, es gibt ja auch schöne Ecken."

Marvin und sein Sohn Remy freuen sich über frischen Wind, den die Stadtoper nach Zeitz bringt.

Direkt neben dem kleinen Trommler steht sein Vater Marvin, der den Boden einer grünen Plastikgießkanne zur Bongo umfunktioniert hat. Für ihn steht der Spaß am Mitmachen im Vordergrund: "Mein Rhythmusgefühl macht das schon", erzählt er lachend. Marvin sieht in dem Projekt eine echte Chance für die Region. Gefühlt habe es zuletzt einen kulturellen Stillstand gegeben, nun kämen endlich neue Impulse aus dem Leipziger Umland.

Klinkenputzen für die Stadtgemeinschaft Zeitz

Hinter dem Projekt steht das Reallabor Zekiwa – ein großes Modellprojekt, welches das brachliegende Gelände der ehemaligen weltberühmten Zekiwa-Kinderwagenfabrik wiederbeleben möchte, einen der Spielorte der Stadtoper. Dabei arbeitet die Stadt Zeitz eng mit der Stiftung Bauhaus Dessau und mehreren Hochschulen zusammen. Gleichzeitig ist es ein Experimentierfeld im echten Leben. Statt dass Planer alles im Büro entscheiden, probiert man direkt vor Ort mit den Bürgern aus, was die Stadt braucht – zum Beispiel durch kreative Kulturprojekte wie "Stimmen".

In dieser Stadt passiert viel und das wollen wir zum Hören bringen. Lutz-Rainer Müller, künstlerische Leiter von "Stimmen"

In der ZEKIWA-Fabrik in Zeitz wurden lange Kinderwagen produziert (Bild von 1991).

Um die Stadtoper in nur zwei Monaten vorzubereiten, ging der künstlerische Leiter Lutz-Rainer Müller ungewöhnliche Wege: Er zog von Haustür zu Haustür, um Leute für das Mitmachprojekt zu begeistern: "Zeitz ist ein Ort, der nicht unbedingt ein Gewinner der Wiedervereinigung war", erklärt Müller. "In dieser Stadt passiert aber viel und das wollen wir zum Hören bringen."

Gelebte Inklusion und Vielfalt

Das Konzept ging auf. Die Türen von Profis, Vereinen und Bürgern öffneten sich gleichermaßen. Für die Leipziger Musikerin und DJ Nici Palm ist die Stadtoper deshalb ein Zeichen gelebter Inklusion: "Hier singt ein Förderschulkind mit einem erfahrenen Gymnasiumkind mit einem ukrainischen Kind zusammen", beschreibt sie sichtlich bewegt.

Es gebe spannende Momente zwischen Profimusikern und Amateuren. Laut Palm bringen alle Beteiligten ihr ganz eigenes Gefühl mit in das Projekt ein. Das helfe, einander zuhören und einander Dinge weitergeben.

Beim Musikprojekt kommen Menschen aus verschiedensten Kontexten zusammen, darunter auch Schülerinnen aus verschiedenen Schulen.

Auch Community aus Ukraine macht mit

Wie groß die kulturelle Vielfalt der Stadt ist, zeigt sich auch an den zwei ukrainischen Chören vor Ort. Für Liudmyla Kapustina, die Vorsitzende des Ukrainischen Zentrums, war die Teilnahme absolute Ehrensache. Sie freut sich über die Plattform, die das Projekt bietet: "Ich entdecke immer noch neue Blasen, neue Kulturorte, neue Vereine, die etwas schaffen". Die Oper sei die perfekte Gelegenheit, diese Vielfältigkeit nach außen zu zeigen. Das sei auch für die Gemeinschaft wichtig. Derzeit leben in Zeitz rund 2.000 Ukrainerinnen und Ukrainer. Das sind zehn Prozent der Bevölkerung.

Ich freue mich einfach über so viel Initiative. Karin Kretschmer, Mitglied Gospelchor
Finale mit Mut zum Unperfekten

Auch Karin Kretschmer und Barbara Walther vom Gospelchor "Celebrate" hasten am wild bewachsenen Klinkerbau der Nikolaikirche vorbei zur Probe. Seit zwanzig Jahren singen die beiden im Zeitzer Gospelchor.

Als sie das erste Mal von der Idee einer Stadtoper hörten, waren sie skeptisch, ob ein Projekt wie dieses in so kurzer Zeit realisierbar sei. Doch das Organisationsteam überzeugte die Frauen, erinnert sich Karin Kretschmer schmunzelnd: "Ich finde das jetzt urig, spannend und lustig und freue mich einfach über so viel Initiative".

Barbara Walther (links) und Karin Kretschmer sind gemeinsam mit ihrem Gospelchor an dem Projekt beteiligt.

Musikalisch erwartet die Besucher ein echtes Experiment. Zwar wurde für die Stadtoper extra ein Marschthema komponiert, der Rest wird jedoch frei improvisiert. Lutz-Rainer Müller blickt dem gelassen entgegen. Sollte am Ende etwas schiefgehen, sei das absolut kein Problem, sondern sogar willkommen. Damit spiegle die Stadtoper das echte Leben wider – das könne man ja auch vorher nicht proben. So bekommt die Grundidee des Reallabors – das gemeinschaftliche Erschaffen von etwas Neuem – durch die Kraft der Musik eine ganz neue, spürbare Bedeutung.

Informationen zur Veranstaltung:

"Stimmen"
03. Oktober
Zeitz

Orte und Spielzeiten:

  • 18:30 Uhr: Start am Neumarkt, Rossmarkt und im Osten der Braustraße
  • 18:50 Uhr: Zusammenspiel der Gruppen auf dem Altmarkt
  • 20:00 Uhr: Marsch über das Zekiwa-Areal
  • 20:30 Uhr: Finale in der Nikolaikirche

Quelle: MDR KULTUR, Anne Sailer
Redaktionelle Bearbeitung: az, bh, hki

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