PVA TePla baut in Westhausen seine Reinraumkapazitäten aus – gefragt ist die Prüftechnik vor allem in Asien und den USA.
Stand: 16.09.2026, 17:00 Uhr

PVA TePla baut in Westhausen seine Reinraumkapazitäten aus – gefragt ist die Prüftechnik vor allem in Asien und den USA.
Westhausen. Die Chips für künstliche Intelligenz und Cloud-Anwendungen entstehen weit entfernt von der Ostalb. Doch ein Teil der Technik, mit der ihre Qualität kontrolliert wird, kommt aus Westhausen. Die PVA TePla Analytical Systems GmbH entwickelt und produziert dort Prüfsysteme für die Halbleiterindustrie, die das Innere von Bauteilen untersuchen können. Weil die Nachfrage nach dieser Technik wächst, baut das Unternehmen seinen Standort nun erneut aus.
Für die Fertigung vollautomatisierter Anlagen zur Prüfung von sogenannten Wafern, also dünnen Halbleiterscheiben, entsteht eine weitere Reinraumlinie. Dafür kommen rund 1000 Quadratmeter zusätzliche Reinraumfläche hinzu, in der die empfindlichen Anlagen unter kontrollierten, nahezu partikelfreien Bedingungen montiert werden. Auch die vorgelagerten Vormontagebereiche für Schaltschränke und Basissysteme werden erweitert. Nach Angaben von Peter Czurratis, Vice President Metrology bei PVA TePla, soll sich die Zahl der vollautomatisierten Systeme dadurch verdoppeln.
Prüftechnik wird zum WachstumstreiberDer Ausbau kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Geschäft mit Prüf- und Messtechnik für Halbleiter besonders stark wächst. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Geschäftsbereich Metrology, wie PVA TePla die Prüf- und Messtechnik für Halbleiter nennt, einen Umsatz von 53 Millionen Euro – 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Beim Auftragseingang fiel das Wachstum noch deutlicher aus: Er stieg von 53,3 auf 97,7 Millionen Euro.
Die bestehenden Kapazitäten für die Halbleiter-Prüftechnik des Unternehmens seien bis Mitte 2027 weitgehend ausgelastet, teilte PVA TePla mit. Auch die zusätzlichen Kapazitäten füllten sich bereits mit Projekten und ersten Reservierungen für 2028. Besonders gefragt seien Ultraschall-Inspektionssysteme für moderne Halbleiteranwendungen.
Komplexe Chips brauchen neue PrüfverfahrenDer wachsende Prüfbedarf hängt dabei nicht nur mit der steigenden Zahl produzierter Halbleiter zusammen. Auch die Bauteile selbst werden komplexer. Bei modernen Chipmodulen werden immer mehr Komponenten auf engem Raum kombiniert und teilweise dreidimensional übereinandergestapelt. Für Anwendungen rund um künstliche Intelligenz spielt etwa sogenannter High Bandwidth Memory (HBM) eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um besonders schnellen Speicher, bei dem mehrere Speicherbausteine übereinandergestapelt werden, um große Datenmengen besonders schnell zwischen Speicher und Prozessor zu übertragen.
Genau hier setzt die Technik aus Westhausen an. Die Ultraschallmikroskope können innere Strukturen von Halbleiterbauteilen zerstörungsfrei untersuchen. So lassen sich Fehler in Schichten oder Verbindungen erkennen, die von außen nicht sichtbar sind. Die Systeme reichen von manuell bedienten Geräten bis zu vollautomatisierten Anlagen, die Wafer prüfen und direkt in Produktionslinien von Halbleiterherstellern integriert werden können. Nach Einschätzung von Czurratis sind die Westhausener Produkte insbesondere bei der dreidimensionalen Integration von Chips gefragt. Dazu gehören etwa die Kontrolle von sogenannten Hybrid-Bonding-Verbindungen, bei denen Chip-Schichten über besonders feine Kontaktstellen verbunden werden, sowie die Analyse von HBM-Modulen.

Die Technik aus Westhausen ist dabei längst ein internationales Geschäft. Nach Angaben von Czurratis entfallen 60 Prozent des Umsatzes mit den Inspektionslösungen auf Asien. 23 Prozent kommen aus den USA und 17 Prozent aus Europa. Zu den wichtigen Märkten gehören damit einige der zentralen Standorte der weltweiten Halbleiterindustrie.
Auch bei der gesamten PVA TePla Gruppe spielt Asien eine wichtige Rolle. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 61 Prozent des Auftragseingangs auf die Region. Insgesamt stieg der Auftragseingang des Konzerns von 103,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 186,7 Millionen Euro.
Aus Aalen nach WesthausenCzurratis sieht den Standort deshalb als Wachstumstreiber im internationalen Geschäft mit Halbleiter-Prüftechnik – das Ergebnis einer Entwicklung über mehrere Jahre. Die PVA TePla Analytical Systems wurde 2004 gegründet und gehört seit 2007 zur PVA TePla Gruppe. 2011 wurde die Produktion von Aalen nach Westhausen verlagert, weil zusätzliche Kapazitäten benötigt wurden. Seitdem wurde der Standort mehrfach erweitert.

Inzwischen geht es dort längst nicht mehr nur um Mechanik. Auch die Softwareentwicklung ist ein wichtiger Bestandteil der Systeme. Die Software steuert die Anlagen, wertet Messdaten aus und unterstützt die automatisierte Erkennung von Fehlern. Mit zunehmender Automatisierung wächst damit auch der Anteil digitaler Technologien an den Systemen: Mechanik, Elektronik, Software und Messtechnik müssen zusammenspielen.
Automatisierung kommt aus HüttlingenEin Teil dieser Kompetenzen kommt inzwischen aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Anfang 2025 übernahm PVA TePla die Hüttlinger Desconpro, einen Spezialisten für Sondermaschinen und Automatisierungslösungen. Das Unternehmen hatte bereits zuvor mit der Westhausener PVA-TePla-Tochter zusammengearbeitet. Während in Hüttlingen vor allem Automatisierungslösungen und Anlagen entstehen, bleiben besonders anspruchsvolle Fertigungsschritte unter Reinraumbedingungen in Westhausen. Damit arbeiten zwei Standorte wenige Kilometer voneinander entfernt an unterschiedlichen Teilen desselben Halbleitergeschäfts.
Der Ausbau in Westhausen ist damit mehr als eine Erweiterung der Produktionsfläche. Er zeigt, wie eng ein Standort auf der Ostalb inzwischen mit der internationalen Halbleiterindustrie verbunden ist. Die Chips für KI und Cloud-Anwendungen entstehen anderswo – die Technik, mit der ihre Qualität kontrolliert wird, kommt zum Teil aus Westhausen.
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