Keine Niederlage seit 19 Länderspielen, wenn der BVB-Verteidiger auf dem Platz stand, und keine Pleite seit drei Jahren: Ein Satiriker rechnet auf LinkedIn vor, was der Dortmunder dem DFB-Team bringt. Der Faktencheck bestätigt ihn und fällt noch deutlicher aus.
Keine Niederlage seit 19 Länderspielen, wenn der BVB-Verteidiger auf dem Platz stand, und keine Pleite seit drei Jahren: Ein Satiriker rechnet auf LinkedIn vor, was der Dortmunder dem DFB-Team bringt. Der Faktencheck bestätigt ihn und fällt noch deutlicher aus.
Der Post, der mich am Montag nach dem 0:1 gegen Griechenland überrascht hat, stand ausgerechnet bei LinkedIn, dem Netzwerk für Karrieretipps und Führungsweisheiten. Ein Herr Joe Heimerl, laut Profil „Team Leader at Don't do it like Joe“ und selbst mit „#satire“ markiert, hatte eine Rechnung aufgemacht: In 30 Länderspielen mit Nico Schlotterbeck auf dem Platz hat Deutschland 17 Siege, 11 Unentschieden und nur 2 Niederlagen geholt, im Schnitt 2,07 Punkte pro Spiel. Ohne ihn: „Ca. 1,65.“
Darunter der Satz, der seit Sonntag viele umtreibt: „Warum wurde Nico Schlotterbeck vor so einem wichtigen Spiel aus dem Kader gestrichen?“
Mein erster Gedanke war: Satire halt. Wer so argumentiert, hat meistens einen Lieblingsspieler und sucht sich die passenden Spiele zusammen. Also habe ich nachgezählt, jedes Länderspiel einzeln im Datencenter des DFB, vom Debüt gegen Israel im März 2022 bis zum 1:1 am vorigen Donnerstag in Amsterdam. Und dabei festgestellt: Hoppla, der Herr hat ja recht.
Oder wie er schrieb: „Es ist eigentlich ganz einfach. Es lag nicht am Trainer. Es lag nicht an den Spielern. Es lag genau an einem Spieler.“
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Die 17 Siege stimmen, die 11 Unentschieden auch, und die beiden Niederlagen kassierte Deutschland jeweils gegen Japan. Vertan hat sich der Satiriker nur bei der Gegenrechnung, und zwar zu Schlotterbecks Ungunsten: In den 28 Länderspielen seit März 2022, in denen er fehlte, holte die Nationalmannschaft 12 Siege, 4 Unentschieden und 12 Niederlagen. Das sind 1,43 Punkte pro Spiel.
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Wer den LinkedIn-Post ernst nimmt, landet also bei einer Zeile, die wie ein Witz klingt und keiner ist: „Statistisch belegt: Mit Schlotterbeck ist Deutschland nahezu unbesiegbar.“
Noch deutlicher wird es beim Blick auf den Zeitpunkt der Niederlagen: Die letzte mit Schlotterbeck datiert vom 9. September 2023, das 1:4 gegen Japan, nach dem Hansi Flick als Bundestrainer gehen musste. Das ist drei Jahre her!
Seitdem stand der Dortmunder 19-mal auf dem Platz, ohne ein einziges Mal zu verlieren, darunter zweimal gegen Italien, dreimal gegen die Niederlande und im EM-Achtelfinale 2024 gegen Dänemark. Im selben Zeitraum verlor Deutschland ohne ihn acht Spiele, von der Türkei und Österreich im Herbst 2023 über Spanien im EM-Viertelfinale bis zu Griechenland am Sonntag. Das ist die Bilanz einer Mannschaft, die ohne ihn anfängt zu wackeln.
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Natürlich lässt sich das alles auch anders lesen. Eine Punktestatistik misst die Mannschaft, nicht den einzelnen Spieler, und Schlotterbeck fehlte oft genau dann, wenn ohnehin alles schiefging. Gegen Belgien, Polen und Kolumbien kam er in der ersten Jahreshälfte 2023 nicht zum Einsatz, im Sommer 2025 war er verletzt. Unter seinen Siegen stehen Gegner wie Oman, Luxemburg und Curaçao. Und das Japan-Debakel, das Flick den Job kostete, hat er ja selbst auf dem Platz erlebt.
Nur hält ein Zufall keine drei Jahre. Wer 19 Länderspiele in Serie nicht verliert, gegen Italien, die Niederlande und die Schweiz, der ist kein Maskottchen. Heimerl lobt ihn als beidfüßig, klug in der Spieleröffnung und stark im Zweikampf, und über jedes dieser Attribute lässt sich unter Fachleuten streiten. Über das Ergebnis nicht: Mit Schlotterbeck auf dem Platz hat Deutschland seit drei Jahren kein Länderspiel verloren.
Bleibt die Frage von Joe Heimerl, warum Bundestrainer Jürgen Klopp ihn am Sonntag gegen Griechenland aus dem Kader nahm. Die Antwort ist banaler als jede Verschwörung: Klopp hatte 24 Spieler nominiert, in der Nations League dürfen aber nur 20 Feldspieler und drei Torhüter im Kader stehen. Schlotterbeck, in Amsterdam noch dabei, sollte nach seiner langen Verletzungspause durchschnaufen. Deutschland verlor in Augsburg 0:1, zum ersten Mal überhaupt gegen Griechenland.
Am Donnerstag gegen Serbien in München gehört Schlotterbeck zu den sechs Spielern, die Klopp aus seinem ersten Aufgebot behält. Den Schlüssel hat der Bundestrainer also noch in der Hand. Diesmal sollte er ihn nicht in der Tasche lassen.
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