Stimmungsdämpfer statt Aufbruch: Deutschland verliert gegen Griechenland und Bundestrainer Jürgen Klopp muss sich einer bitteren Realität stellen. Die Erkenntnisse zum Spiel.
Stimmungsdämpfer statt Aufbruch: Deutschland verliert gegen Griechenland und Bundestrainer Jürgen Klopp muss sich einer bitteren Realität stellen. Die Erkenntnisse zum Spiel.
Nach dem 1:1 in Amsterdam gegen die Niederlande setzte es gleich bei seinem Heimspiel-Debüt in Augsburg eine empfindliche Niederlage. Zwei Spiele, kein Sieg. Hallo Realität, tschüss Aufbruchstimmung.
Auch Klopp kann keine Wunder vollbringen, zumindest nicht am ersten Tag. Auch nicht am zweiten. Es braucht Zeit, um die deutsche Nationalmannschaft wieder auf den richtigen Weg zu leiten. Zu weit ist sie davon abgekommen, zu tief wurzeln die Probleme. Das ist die Erkenntnis, die über allem steht.
Viele Trainingstage hatte die deutsche Mannschaft in den sieben gemeinsamen Tagen nicht. So klangen in Klopps charakteristischem Heavy-Metal-Fußball noch einige schiefe Töne durch die Augsburger Arena.
„Wir sind eine Woche zusammen. Treffen auf einen defensiven Gegner. Sind eine neu zusammengewürfelte Truppe. Und dann müssen wir Abläufe haben“, erklärte der Bundestrainer. Diese Abläufe waren aber in beiden Spielen zu selten sichtbar.
In den 15 Minuten nach der Pause war das beispielsweise der Fall, die gefielen auch Klopp. „Warum wir es danach nicht mehr gemacht haben, weiß ich noch nicht“, rätselte er allerdings.
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Nach einer Stunde Spielzeit entwickelten sich aus den schnellen Tönen wieder der Lento-Fußball, den die deutschen Fans mittlerweile gewöhnt sind.
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Dass die deutsche Mannschaft in Griechenland einen tiefstehenden Gegner bekommen wird, darauf war die DFB-Elf vorbereitet. Dennoch fand sie kaum Lösungen, das griechische Abwehrbollwerk zu überwinden. Mit dem vielen Ballbesitz (76 Prozent) wusste die Mannschaft gar nichts anzufangen, Torgefahr strahlte sie kaum aus. Klopp:
„Dass wir jetzt hier einen tiefstehenden griechischen Gegner nicht komplett auseinandernehmen, das war klar. Das Spiel heute nicht hoch zu gewinnen oder nicht zu gewinnen, damit hätte ich wirklich leicht leben können. Verlieren darfst du es nicht.“
Verlieren darfst du dieses Spiel tatsächlich nicht. Deutschland dominierte, ohne gefährlich zu sein. Das Team ließ aber defensiv kaum etwas zu. Dann führte ein Kimmich-Fehlpass zu einer großen Griechen-Chance und plötzlich war die Unsicherheit zurück. Das Gegentor fällt sieben Minuten später.
Und danach? Nichts. Kein Aufbäumen, kein Zusammenreißen, keine Schlussoffensive. Zu keiner Zeit hat man im Stadion das Gefühl, dass die elf Mann auf dem Feld das Ding noch irgendwie drehen. Deutsche Lethargie aufgrund von deutscher Labilität.
Klopp muss behutsam mit der Mannschaft vorgehen. Er tut es in Augsburg mit väterlicher Strenge. Er übernimmt die Verantwortung für die Niederlage, ohne die Spieler aus der Verantwortung zu nehmen.
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„Es ist Teil des Prozesses, absolut. Die Aufstellung, die Zusammensetzung, die vielen Wechsel - das geht alles zu 100 Prozent auf meine Kappe“, sagte er nach Abpfiff in der ARD.
Auf FOCUS-online-Nachfrage über seinen Umgang mit den Spielern nach der Niederlage holte Klopp ausführlich aus. Es sei wichtig, „in der Kabine zu sitzen und es auch mal zu fühlen“. Reinzukommen und zu sagen „Alles halb so wild“ führe zu nichts.
Es wurde schon darüber gesprochen, warum es nicht geklappt hat. Dabei gab es „nicht tausend positive Nachrichten“, so Klopp, der nochmal betonte:
„Es ist so, dass es meine Verantwortung ist. Aber ich will auch den Spielern die Verantwortung in den einzelnen Momenten nicht abnehmen. Das sind alles erwachsene Jungs und das ist auch kein Problem.“
Wenn eine Mannschaft über so langen Zeitraum erfolglosen Fußball spielt, ist es irgendwann auch eine Frage der Qualität. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger wurde in seiner Analyse deutlich: „Wir sind keine Topmannschaft mehr, wir sind im Mittelmaß angekommen. Wir haben nicht mehr diese Spieler, die den Unterschied machen.“
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Die Suche nach den Unterschiedsspielern dauert schon länger an. Die, die wir haben, sind verletzt oder im Formtief. Die, die es sein können, zeigen es, wenn, dann nur im Vereinstrikot.
Karim Adeyemi steht nach den ersten beiden Klopp-Spielen sinnbildlich für dieses Dilemma. Beim FC Barcelona zaubert der Flügelspieler und ist in fantastischer Form. Beim DFB war er in beiden Partien über weite Strecken zwar der Alleinunterhalter in der Offensive, leider verursachte er aber mehr Arbeit für die Balljungen als für die gegnerischen Torhüter.
Klopp kann sich keine Unterschiedsspieler schnitzen, das XXL-Casting ist aber ein spannender Ansatz, um möglichst viele Kandidaten kennenzulernen und mit eigenen Augen zu scouten. Dass es bei der Vielzahl an jungen Debütanten auch stottern wird, war einkalkuliertes Risiko.
Eine uneingespielte Mannschaft, nicht funktionierende Abläufe und nicht vorhandene Resilienz sind ein wackeliges Konstrukt. Eine Erkenntnis, die Klopp sicherlich nicht bekommen wollte.
Im Video: Jetzt wissen wir endgültig, wie tief die Probleme liegen,regionOfInterest=(320,180)&hash=6e61f173579a3dadf370d8872bbd26052129217caa686495ebf0e12c0f35e4e7)
Jetzt wissen wir endgültig, wie tief die Probleme liegen
FOCUS Online
„Was wurde eigentlich erwartet?“
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