Jürgen Klopp begeistert als Bundestrainer mit seiner Art – doch nach vier Wochen bleiben auch Fragen. Vor allem mit seiner Kaderstrategie mutet er Fans viel zu.
Jürgen Klopp begeistert als Bundestrainer mit seiner Art – doch nach vier Wochen bleiben auch Fragen. Vor allem mit seiner Kaderstrategie mutet er Fans viel zu.
Mit letzter Gewissheit kann ich auch nicht sagen, ob er das mit der Nationalelf auf die Reihe kriegt. Nach vier Wochen sitze ich da und denke: Oh Gott, Jürgen Klopp überfordert mich jetzt schon - und ich wette, sehr vielen Fans geht es nicht anders.
Ich gebe ja zu: Als er beim Amtsantritt am DFB-Campus davon sprach, dass er 57 Spieler auf dem Radar hat, hielt ich das für eine Übertreibung, die viele Trainer überfällt, wenn sie zu viel Red Bull trinken. Heute weiß ich: Das war keinesfalls übertrieben und sogar ehrlich.
Derry Scherhant, Finn Jentsch, Felix Keidel, Mika Baur, Philipp Treu – nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, alle diese Jungs zusammen in der Nationalelf zu verorten (und ich vermute: einige von denen selbst nicht.) Es sind sogar noch viele mehr.
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Also musste ich, um auf Ballhöhe zu bleiben, meinen Rechner an seine Grenzen treiben und den Werdegang jedes einzelnen Aspiranten vor dem Klopp-Debüt in den Niederlanden recherchieren.
Klopp weiß ja, wen er holt. Ich nicht. Dass er dann noch mit seiner angeborenen Selbstsicherheit die vielen Namen jonglierte, bevor ich bei der Kadernominierung die Spielweise und das Potenzial der Kandidaten sortiert hatte, machte mich fertig.
Nicht mal im Tor ist die Personallage so sicher, wie's der Klopp-Duktus im ersten Moment erscheinen lässt. Ja, Marc-André ter Stegen kehrt zurück und ist gesetzt. Aber nur, und der Hinweis ist relevant, „für den Moment“, wie Klopp hinzufügte.
Heißt: unter Vorbehalt. Und weil er gleichzeitig ankündigt, dass er sich Dahmen anschauen will (das h ist hier wichtig), rattern sofort meine Gehirnmuskeln: Finn Dahmen ist in Lauerstellung.
Wenn ich aber glaubte, dass ich Klopp zwischen den Zeilen lesen kann, dann habe ich mich spätestens bei der letzten DFB-Pressekonferenz getäuscht, als er mit einem Nebensatz Maß Richtung Journalisten nahm.
Denn einerseits sei's ihm egal, dass die Namen der Spieler, die er nominieren wollte, vor offizieller Bekanntgabe enthüllt wurden. Andererseits nannte er es armselig, dass Journalisten mit solchen News ihr Geld verdienen würden. Was denn nun?
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Ich dachte ja noch: Er war bei der WM, siehe oben, doch als Experte auf unserer Seite. Er muss doch wissen, was unsere Aufgabe ist. Und hat er nicht selbst Julian Nagelsmann mit der Noch-Bemerkung das Leben… Ach, lassen wir das.