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Vermeintliche Israelkritik, tatsächlicher Judenhass: Wenn jüdische Studierende an Hochschulen zur Zielscheiben werden

Дата публикации: 01-10-2026 04:00:06

Seit dem 7. Oktober 2023 haben antisemitische Vorfälle an Hochschulen im gesamten Bundesgebiet drastisch zugenommen. Israelbezogener Antisemitismus ist omnipräsent: Die…
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Seit dem 7. Oktober 2023 haben antisemitische Vorfälle an Hochschulen im gesamten Bundesgebiet drastisch zugenommen. Israelbezogener Antisemitismus ist omnipräsent: Die Ablehnung des Zionismus gilt nicht mehr als eine Meinung unter vielen, sondern als moralische Pflicht. Wer diese Ideologie vertritt oder wem sie zugeschrieben wird, wird unwiderruflich zum Feind. Jüdinnen*Juden werden kollektiv für Israels Politik verantwortlich gemacht und als „Kindermörder“ beschimpft. Studierende bedienen sich einer Rhetorik, die Zionismus mit Faschismus gleichsetzt und den jüdischen Staat damit delegitimiert. Dieser Hass auf Israel reicht von Forderungen nach Boykott bis hin zur Glorifizierung der islamistischen Terrororganisation Hamas, deren Hauptziel die Auslöschung Israels ist. All das führt zu einem Klima der Angst sowie Isolation von Jüdinnen*Juden und letztendlich auch zur Gewalt gegen sie. Die Vorfälle in der Chronik antisemitischer Vorfälle verdeutlichen, wo lange Zeit Schutzkonzepte völlig fehlten und Hochschulleitungen bei antisemitischen Vorfällen überfordert waren. Mittlerweile gibt es etliche Forderungen, um Hochschulen wieder zu sicheren Orten für Jüdinnen*Juden zu machen – Sie müssen nur umgesetzt werden! 

Universitäten sollen ein sicherer Raum für offene Diskussionen und freie Meinungsbildung sein. Nach dem 7. Oktober sind sie das für Jüdinnen*Juden aber kaum noch. Stattdessen wird der Campus zu einem Ort der Angst und der Unsicherheit. Diese Atmosphäre wird durch antisemitische Vorfälle hergestellt, die mal antizionistisch, mal ganz offen judenfeindlich sind. Sogar auf Toiletten schlägt einem der pure Hass auf Israel und Jüdinnen*Juden entgegen. Schmierereien wie „Jede Spülung 1 toter Jude“ an der Technischen Universität Dresden oder „Kill all Juice!“ (ein antisemitisches Codewort für „Juden“, da es phonetisch genauso wie das englische Wort für „Saft“ klingt) und „I <3 Hamas“, wie sie auf der Männertoilette an der Universität zu Köln dokumentiert wurden, nehmen Jüdinnen*Juden das letzte Gefühl von Sicherheit. 

Autoritäre Moral: Wer nicht gegen Israel ist, ist der Feind
Hassparolen wie diese widersprechen der sich selbst teils als progressiv verstehenden Studierendenschaft. Der Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 führte zu ungezügeltem Antisemitismus an Hochschulen und beweist dadurch vielmehr das Gegenteil. Die komplexe Historie des Nahostkonflikts wird auf die rein moralische Ebene reduziert: Israel ist in diesem Weltbild stets der Unterdrücker und die Palästinenser*innen die Unterdrückten. Wer in dieser Logik „gut“ beziehungsweise „böse“ ist, liegt vermeintlich eindeutig auf der Hand. 

Entsprechend herrscht ein autoritär geführter Positionierungszwang: Wer nicht gegen „Zionismus“ (und damit gegen Israel) ist, wird als Feind markiert und angegriffen. Dies zeigte der brutale Angriff auf den Studenten Lahav Shapira, der von seinem Kommilitonen krankhausreif geschlagen wurde. Mittlerweile ist israelbezogener Antisemitismus Alltag an Universitäten. Die Normalisierung von Antizionismus geht über in unverhohlenen Antisemitismus, wie die Beispiele an der Technischen Universität Dresden („Jede Spülung 1 toter Jude“) und an der Universität zu Köln („Kill all Juice!“) zeigen.

Zahlen, die alarmieren: Israelbezogener Antisemitismus ist die häufigste antisemitische Erscheinungsform an Hochschulen
Israelbezogener Antisemitismus war auch vor dem 7. Oktober 2023 an Hochschulen in der gesamten Bundesrepublik Deutschland die am häufigsten dokumentierte Erscheinungsform in der Chronik antisemitischer Vorfälle der Amadeu Antonio Stiftung. Insgesamt wurden in der Chronik seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2008 78 Vorfälle an Hochschulen dokumentiert, 64 davon im Bereich israelbezogener Antisemitismus. 55 der 64 dokumentierten Vorfälle fanden nach dem 7. Oktober 2023 statt. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Chronik der Amadeu Antonio Stiftung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. 

Laut Andreas Stahl von der Beratungsstelle gegen Antisemitismus an Hochschulen in NRW ist der israelbezogene Antisemitismus an Hochschulen sogar stärker vertreten als im Durchschnitt der Gesellschaft.

Vorfallsgeschehen israelbezogener Antisemitismus an Hochschulen seit dem 7. Oktober 2023

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Vernichtungsrhetorik: Von der Ablehnung der zionistischen Idee bis hin zur Einschüchterung und zum Aufruf zum Mord an Zionist*innen
Israelbezogener Antisemitismus äußert sich an Hochschulen vor allem in Form von Antizionismus. Die Absprache des Existenzrechts Israels und damit des jüdischen Rechts auf Selbstbestimmung ist immer antisemitisch. Gleichzeitig ist es antisemitisch, wenn Jüdinnen*Juden aufgrund dessen, dass sie Jüdinnen*Juden sind, kollektiv beschimpft und für das Handeln Israels verantwortlich gemacht werden. 

Mehr Infos hier: Feindbild Zionismus

Häufig an Universitäten zu sehen sind Schmierereien wie „Tod dem Zionismus“, was beispielsweise an einen Kasten vor der Universität in Marburg geschmiert wurde. Die Forderung nach dem „Tod“ des Zionismus zeigt: Hier wird ein extremes sprachliches Mittel eingesetzt, um die Ablehnung des einzigen jüdischen Staates zu formulieren.

Dieser Vernichtungswunsch wird im nächsten Schritt von der Ideologie konkret und unverhohlen auf Menschen übertragen, wie die Schmiererei „Zionisten töten“ am AStA-Gebäude der Universität Göttingen verdeutlicht. Damit ist die nächste Eskalationsstufe erreicht: Von der Ablehnung eines Staates zum Aufruf, Menschen wegen ihrer Haltung zu töten. Selbst den Mord zweier Mitarbeiter*innen der israelischen Botschaft in Washington, nach dem der Attentäter laut „Free Palestine“ rief, nutzten Aktivist*innen für ihren Israelhass. In Berlin hängten sie nach dem Mord ein Plakat mit dem Bild eines der Opfer auf und versahen dieses mit der Aufschrift „Make zionists afraid“ sowie einem Hamas-Dreieck nahe der Humboldt Universität. Dieses Plakat instrumentalisiert den Doppelmord zur gezielten Einschüchterung von Jüdinnen*Juden und Zionist*innen.

Dämonisierung: „Zionismus ist Faschismus“
Mit solchen Aussagen wird nicht (wie häufig behauptet) eine aktuelle Regierung eines Landes kritisiert, sondern vielmehr ein gesamtes Land als solches delegitimiert. Genau solche Vorfälle befeuern ein antisemitisches Klima an den Universitäten mit einem dichotomen Weltbild, das den ideologischen Rahmen und das Meinungsbild von Studierenden formt. Dadurch sind Aussagen wie „Zionismus ist Faschismus“ an Universitäten auch nicht verwunderlich, weil der israelisch-palästinensische Konflikt als Teil des Nahostkonflikts vor allem über moralische Kategorien wie „gut“ und „böse“ verhandelt wird. Bei einer Störaktion der Veranstaltung „Akademischer Antisemitismus“ an der Universität in Bielefeld riefen antiisraelische Aktivist*innen diese Parole. Wenn in diesem Weltbild „Zionismus“ mit „Faschismus“ gleichgesetzt wird, dann erscheint auch die Ausgrenzung Israels in der Wissenschaft als legitim oder gar notwendig, genau das fordert zum Beispiel die BDS-Kampagne. 

Von der Theorie zur Praxis: Boykottbeschlüsse und Bedrohungen
Diese Forderungen werden an einigen Hochschulen bereits in die Praxis umgesetzt. Ein Beispiel ist die Humboldt-Universität Berlin, hier forderte die Studentenvertretung laut der Frankfurter Allgemeine „einen Abbruch der Kooperation mit israelischen Hochschulen“. Auch die Hertie School, eine Elitehochschule in Berlin: Die Studentenvertretung beschloss hier die offizielle Unterstützung der BDS-Kampagne. Die Vorstandsvorsitzende der Trägerstiftung der Hochschule, Annette Schavan, äußerte ihren Unmut und bezeichnete den Aufruf als „inakzeptabel“. 

Von solchen Beschlüssen ist der Schritt zur konkreten Bedrohung seitens der Studierenden gegen Hochschulmitarbeiter*innen, die sich den Boykottaufrufen nicht anschließen, oft nicht weit. Deutlich wurde das an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Antiisraelische Demonstrierende versammelten sich hier auf dem Campus, riefen zur Vernichtung Israels auf und schmierten auf den Boden Drohungen gegen den Hochschulpräsidenten Enrico Schleiff. Zu lesen war hier: „Schleiff, Schleiff, you can´t hide, you´re supporting genocide.“ Schleiff ging zuvor eine Kooperation mit einer israelischen Universität ein.

Wohin dieses Klima führt, zeigt ein Vorfall in Frankfurt am Main: Ein Jude fuhr zufällig mit dem Fahrrad an einem sogenannten „Palästina-Camp“ an der Universität vorbei. Aufgrund seiner jüdischen Kleidung, bestehend aus einem Gebetsmantel (Tallit) und den sichtbaren Fäden (Zizijot), wurde er unter anderem mit den Worten „Du hast gerade ein Kind getötet, Zionist!“ beschimpft. Der Vorfall verdeutlicht die tägliche Konfrontation von Jüdinnen*Juden mit israelbezogenem Antisemitismus an Hochschulen. Allein der Anblick eines Juden, der als solcher zu erkennen ist, genügte den Aktivist*innen des Palästinacamps, ihn sinngemäß als „Kindermörder“ zu beschimpfen. 

Beide Vorfälle zeigen: Wer als jüdisch oder als Unterstützer Israels markiert wird, muss mit Anfeindungen und Bedrohungen rechnen. 

Täter-Opfer-Umkehr: Israel als das neue nationalsozialistische Deutschland?
Hinter solchen Drohungen steht dieselbe Logik wie hinter den Boykottforderungen: Sie zielen auf die Isolation Israels ab und treffen gleichzeitig auf jede*n einzelne*n Jüdin*Juden in Deutschland. Israel wird als besonders verbrecherisch dargestellt. Noch gravierender ist jedoch, dass Israel und seine Bevölkerung mit den NationalsozialistInnen gleichgesetzt werden und gleichermaßen die Situation der Palästinenser*innen mit jener der Jüdinnen*Juden in der Shoah. Oder in anderen Worten: Es wird eine Täter-Opfer-Umkehr vorgenommen. Ein Studierender einer Hochschulgruppe verdeutlichte dies bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Wie wir die Intifada globalisieren“ an der Freien Universität in Berlin: „Was ist der Unterschied zwischen den Juden vor 80 Jahren und den Palästinensern heute? Beide haben Gewalt erlebt und beide müssen ihr Leben immer noch rechtfertigen.“ Dadurch nivelliert er die spezifische historische Konstellation der Shoah – insbesondere die systematische antisemitische Vernichtung der europäischen Jüdinnen*Juden durch das NS-Regime. Das ist kein Einzelfall an der Freien Universität. Auch die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese bediente sich bei einem Vortrag dort ähnlicher Vergleiche, wie die Jüdische Allgemeine unter Berufung auf die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtete. Albanese habe angedeutet, dass in Gaza eine ähnliche Entwicklung wie in Europa zur Zeit des Nationalsozialismus drohe und damit Israel und das nationalsozialistische Deutschland auf eine Ebene gestellt.

Doch es bleibt nicht bei solchen Vergleichen. In einigen dokumentierten Fällen bedienen sich Studierende, die sich als progressiv verstehen, sogar direkt des Jargons der NationalsozialistInnen. So war an einer Toilettenwand der Universität Freiburg eine Abwandlung eines aus dem 19. Jahrhundert stammenden Satzes von Heinrich von Treitschke, „Die Juden sind unser Unglück“, zu lesen: „Die Juden sind euer Unglück“. 

Der neue „Antifaschismus“? Glorifizierung der Hamas als „Widerstandsgruppe“
Die wiederholte Gleichsetzung Israels mit dem Nationalsozialismus verfestigt ein Deutungsmuster, in dem Israel als paradigmatisch illegitimer beziehungsweise verbrecherischer Staat erscheint. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung des einzigen jüdischen Staates: Israel wird nicht mehr nur kritisiert, sondern als alleiniger Täter dämonisiert, gegen den jeglicher Widerstand legitim sei. Auch der Terrorismus der Hamas wird hierbei als „heldenhafter Widerstand“ dargestellt. Dies zeigte eine Ausstellung an der Kunsthochschule in Kassel. Eine Studentin stellte hier ein Exponat des Künstlers Mohammad Zakaria aus, welches den Titel „But there will be resistance“ trug. Dieser bezeichnet die Hamas in den sozialen Medien als „einfache Männer“ und „Superhelden“. Damit ist er nicht allein: Als in Berlin Studierende ein Zeichen gegen Antisemitismus setzten, indem sie den Plenarsaal des AStA der Technischen Universität friedlich besetzten, wurden sie am letzten Tag der Besetzung von antiisraelischen Studierenden mit Kufiya (= Palästinensertuch) eingeschüchtert. Nachdem sich diese Gruppe zurückgezogen hatte, war an den Wänden des Druckerraums unter anderem „Glory to Hamas“ zu lesen. 

Mit solchen Slogans wird der Terror der Hamas nicht nur verharmlost, sondern gefeiert. Diese Rhetorik trägt dazu bei, die Gewalt der radikalislamistischen Hamas als notwendig für die Befreiung der Palästinenser*innen und als legitimen Widerstand zu verklären. Nicht jede Person, die solche Slogans verwendet, übt auch tatsächlich aktiv Gewalt aus. Wo jedoch Israel pauschal dämonisiert, Zionist*innen oder Jüdinnen*Juden entmenschlicht oder Gewalt gegen sie gefordert wird, überschreitet dies eindeutig die Grenze von Kritik an der Politik Israels zu antisemitischer Hetze. Die beiden eingangs aufgeführten Vorfälle mit der „Kill all Juice!“- und der „Jede Spülung 1 toter Jude“-Schmiererei an der Universität zu Köln sind zwei Beispiele für solche antisemitischen Gewaltaufrufe.

Was macht die Lage an Hochschulen so schlimm?
Diese gewaltverherrlichende Sprache wie in den beschriebenen Vorfällen bleibt nicht folgenlos. Sie prägt das Klima an Hochschulen. Die Aggressivität und Lautstärke antiisraelischer Studierender sorgen für Angst und Unsicherheit bei jüdischen Studierenden auf dem Campus. Alexandra Krikoukov, Vizepräsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), beschreibt dieses Klima gegenüber dem Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA) als belastend. Die Forderung nach einer „Intifada“ impliziere immer den Mord an Jüdinnen*Juden. Solche Aufrufe ließen ein sorgloses Studium nicht zu. Dieses Klima hat direkte Auswirkungen auf den Alltag jüdischer Studierender. Viele passen ihr Verhalten bereits an, um sich zu schützen.

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Weitere Informationen

Alltagsfolgen für Betroffene
Jüdische Studierende verbergen mittlerweile aus Angst vor Übergriffen ihre jüdische Identität. Sie verstecken ihre Davidsternkette, tragen keine Kippa und erwähnen familiäre Verbindungen nach Israel nicht. Teilweise meiden sie den Campus sogar vollständig, weil unklar ist, an welchen Orten Gefahr besteht und ob ihnen in Lehrveranstaltungen antisemitischer Hass begegnen könnte. Dieser Umstand führt dazu, dass sich jüdische Studierende sozial isolieren. Da Partys an der Universität, Hochschulgruppen und Vorlesungen nicht mehr sicher sind, fragen sich bereits einige jüdische Studierende, ob sie eine Zukunft in Deutschland haben. Das American Jewish Committee (AJC) und der JSUD beschreiben in ihrem Lagebericht „Antisemitismus an deutschen Hochschulen“ diese verheerende Situation und die daraus resultierenden Alltagsfolgen für Jüdinnen*Juden.

Mangel an Präventions- und Interventionsstrukturen
Kurz nach dem 7. Oktober 2023 fehlte es laut AJC an den meisten Universitäten an Antisemitismusbeauftragten und geeigneten Anlaufstellen für Studierende, die antisemitische Vorfälle erlebt hatten. Hinzu kam, dass Mitarbeitende in der allgemeinen Studierendenberatung und Antidiskriminierungsbeauftragte mit dem Thema Antisemitismus teilweise überfordert waren. Auch wirkten Hochschulleitende hilflos und verwiesen bei Universitätsbesetzungen teilweise auf die akademische Rede- und Meinungsfreiheit. Hochschulleitungen, die sich klar gegen den Terror der Hamas positionierten, mussten mit Anfeindungen rechnen. So forderte der damalige Präsident der Universität der Künste, Norbert Palz, bei einer antiisraelischen Protestaktion als rote Linie, die Terrorakte der Hamas nicht zu verharmlosen: „Das heutige Event will auf keinen Fall, nicht mal implizit, die Terrorakte der Hamas legitimieren.“ Daraufhin buhten ihn antiisraelische Studierende aus und verbreiteten ein Fahndungsplakat mit der Aufschrift „WANTED Norbert Palz silent on genocide“, wie das JFDA berichtete.

Fehlende Zuständigkeiten
Bis heute hat es Bayern als einziges Bundesland geschafft, an all seinen 33 Hochschulen Antisemitismusbeauftragte einzusetzen. Allerdings wurden diese Ämter häufig an Hochschulpersonal übertragen, das zwar bereits im Bereich Antidiskriminierung tätig war, jedoch nicht unbedingt über ein fundiertes Wissen hinsichtlich Antisemitismus verfügte. Der jüdische Hochschulprofessor Guy Katz berichtete, dass er sich anders als die meisten anderen, freiwillig für dieses Amt meldete. In einem Kommentar der Jüdischen Allgemeinen erklärte er: „Jemand muss die jüdische Perspektive direkt einbringen. Als Professor. Als Jude. Als jemand, der erlebt hat, wie sich Antisemitismus auf dem Campus anfühlt.“

Schutzkonzepte gegen Antisemitismus
Mittlerweile liegen konkrete Forderungen zum Schutz vor Antisemitismus an Hochschulen vor. Dazu gehören beispielsweise der Bayerische Fünf-Punkte-Aktionsplan gegen Antisemitismus (Oktober 2024) sowie Forderungen im bereits erwähnten Lagebericht des AJC und der Jüdischen Studierendenunion (2025).

Auch die Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus, ein Projekt der Amadeu Antonio Stiftung und des Anne Frank Zentrums, veröffentlichen in Kürze das Lagebild „In feindlicher Umgebung: Zur Lage an deutschen Hochschulen nach dem 7. Oktober. Zivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus #15“. Darin formulieren sie fünf zentrale Forderungen:

  1. Verbindliche Schutzkonzepte gegen Antisemitismus an jeder Hochschule
    Jede Hochschule muss ein verbindliches Schutzkonzept gegen Antisemitismus entwickeln und umsetzen. Es braucht klare Handlungsabläufe für antisemitische Vorfälle, transparente Zuständigkeiten sowie konsequente Maßnahmen zum Schutz von Betroffenen und eine Orientierung an der IHRA-Arbeitsdefinition. Hochschulen dürfen nicht erst handeln, wenn etwas passiert ist. Diese Schutzkonzepte sollen in den Leitlinien oder der Hausordnung genannt werden.
  2. Niedrigschwellige Meldemöglichkeiten für antisemitische Vorfälle
    Jede Hochschule muss auf ihrer Website einen gut sichtbaren Meldebutton für antisemitische Vorfälle einrichten, der direkt auf die zuständige Meldestelle „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus“ verweist. Betroffene und Zeug*innen müssen unkompliziert Vorfälle melden und Unterstützung erhalten können.

  3. Qualifizierte Antisemitismusbeauftragte an jeder Hochschule
    Jede Hochschule braucht eine unabhängige Ansprechperson für Antisemitismus mit einem klaren Mandat. Sie müssen Kompetenzen wie andere Beauftragte haben. Antisemitismusbeauftragte müssen zudem verbindlich qualifiziert werden. Dabei sollen die Qualifizierungen in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Expert*innen und Organisationen erfolgen. Regelmäßige Fortbildungen müssen verpflichtend sein. Ihre Berufung darf keine Symbolpolitik sein. Sie müssen Betroffene kompetent beraten und Hochschulen wirksam unterstützen.

  4. Jüdische und antisemitismuskritische Studierende nachhaltig stärken
    Hochschulen müssen jüdische und antisemitismuskritische Hochschulgruppen finanziell und strukturell unterstützen. Wer sich gegen Antisemitismus engagiert, darf nicht isoliert oder behindert werden, sondern braucht Räume, Sichtbarkeit und verlässliche Förderung.

  5. Antisemitismusprävention als verbindlichen Bestandteil der Hochschulkultur verankern
    Antisemitismusprävention darf kein Randthema sein. Hochschulen müssen regelmäßig Fortbildungen, Sensibilisierungsangebote und Bildungsmaßnahmen für Lehrende, Beschäftigte und Studierende anbieten sowie klare Position gegen Antisemitismus beziehen.

Wie diese zahlreichen Beispiele zeigen, liegen die Ideen und Forderungen längst auf dem Tisch. Jetzt kommt es darauf an, zuzuhören, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam für einen Campus einzustehen, auf dem Judenhass keinen Platz hat.

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