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Der Bundesrat will die Kantone zum Frühfranzösisch zwingen. Doch diese lassen sich das nicht gefallen

Дата публикации: 06-10-2026 03:30:00

Elisabeth Baume-Schneider will per Gesetz erreichen, dass bereits in der Primarschule eine Fremdsprache gelernt wird. Der Widerstand dagegen ist enorm – auch FDP und SVP wehren sich gegen das Sprachdiktat.

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Der Bundesrat will die Kantone zum Frühfranzösisch zwingen. Doch diese lassen sich das nicht gefallen

Elisabeth Baume-Schneider will per Gesetz erreichen, dass bereits in der Primarschule eine Fremdsprache gelernt wird. Der Widerstand dagegen ist enorm – auch FDP und SVP wehren sich gegen das Sprachdiktat.

06.10.2026, 05.30 Uhr

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Primar- oder Sekundarstufe: Wann soll in der Deutschschweiz der Französischunterricht starten?

Primar- oder Sekundarstufe: Wann soll in der Deutschschweiz der Französischunterricht starten?

Karin Hofer / NZZ

Für Elisabeth Baume-Schneider, sozialdemokratische Bundesrätin aus dem Jura, gibt es beim Frühfranzösisch in Deutschschweizer Schulen kein Pardon. In ungewohnter Härte wandte sie sich jüngst an die Kantone: Wenn ihr den Französischunterricht aus der Primarschule verbannt, schreibt der Bundesrat ins Gesetz, dass bereits in der Primarschule eine zweite Landessprache unterrichtet werden muss.

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Das war weniger Appell einer Landesmutter, die sich für die mehrsprachige Schweiz einsetzt, als vielmehr eine Drohung. Mit einer ordentlichen Dosis Pathos wollte Baume-Schneider die Stände daran erinnern, welche Bedeutung die Mehrsprachigkeit für die «Willensnation Schweiz» habe. Eine Abschaffung des Frühfranzösisch sei nicht nur ein «Affront» gegen die Romandie, sondern ziele letztlich auch auf eine Entwertung der Landessprachen und der Schweizer Kultur ab.

Im Sommer schickte der Bundesrat deshalb eine Änderung des Sprachengesetzes in die Vernehmlassung, mit der Frühfranzösisch für alle Deutschschweizer Kantone verbindlich würde. Unterbreitete den Kantonen jedoch immerhin zwei Vorschläge, wie sie sich – aus Sicht des Bundesrates zufriedenstellend – verhalten können.

Der erste: Eine zweite Landessprache wird ab der dritten Klasse unterrichtet. Englisch folgt spätestens ab der fünften. (Viele Kantone kennen dieses Modell bereits.)

Der zweite: Der Unterricht einer zweiten Landessprache muss in der Primarschule beginnen und bis zum Ende der Sekundarstufe I dauern; auf den Englischunterricht können die Primarschulen im Gegenzug verzichten.

Miserable Französischleistungen

Was bei diesem – als Entgegenkommen beworbenen – Angebot etwas vergessenging: Kaum jemand möchte das Französisch gänzlich aus dem Unterricht verbannen.

Das Ziel einiger Kantone ist es vielmehr, den Beginn nach hinten (in die Sekundarstufe) zu verschieben. Weil aufgrund ernüchternder Leistungen erkannt wurde: Die Schüler sind oftmals überfordert, wenn sie in der dritten Klasse mit Französisch beginnen müssen. Zudem sprechen viele daheim kein Deutsch – und sollten zuerst die Erstsprache richtig lernen, bevor sie sich mit einer weiteren beschäftigen müssen.

Das Resultat des Frühfranzösischunterrichts: Die Hälfte der Schüler versteht nach der obligatorischen Schule kein einfaches Sätzlein.

Die Kritiker halten deswegen nichts davon, dem Bundesrat entgegenzukommen. Das zeigen beispielhaft die Vernehmlassungsantworten (deren Frist am Montag endete) der vier Ostschweizer Kantone, die sozusagen das Epizentrum des Widerstands verkörpern. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass der Bund gar nicht zuständig sei. Föderale Prinzipien würden verletzt.

Der «Sprachenstreit» liesse sich auch über das Harmos-Konkordat lösen, die Verhandlungen über die Harmonisierung seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Kurz: Der Bundesrat greife unnötig vor. St. Gallen hält dieses Vorgehen für «problematisch». Für Thurgau ist der bundesrätliche Druck «befremdend». Aus Appenzell Ausserrhoden heisst es, bei der Vernehmlassung handle es sich um einen «überstürzten Akt, der rechtlich nicht haltbar» sei.

Auch der mächtige Kanton Zürich wehrt sich gegen die Pläne des Bundesrats und möchte das Französisch in die Sekundarstufe verschieben. Im Aargau arbeitet die Regierung ebenfalls an einem Gesetz, das den späteren Beginn ermöglichen würde. Zudem lehnen die FDP und die SVP beide vorgeschlagenen Varianten ab.

Müssen am Ende Juristen entscheiden?

Mitte-links dagegen stützt den Bundesrat. Aber nicht deckungsgleich. Während beispielsweise die Grünen die striktere, erste Variante befürworten, setzen die SP und die Mitte auf den zweiten Vorschlag, der den Kantonen mehr Spielraum liesse. Letzteren trägt auch – als Kompromiss – der Schweizerische Lehrerverband mit, der aber nicht unerwähnt lässt, dass sich mancher kantonale Verband einen späteren Beginn des Französischunterrichts gewünscht hätte.

Eine rasche Lösung ist nicht abzusehen. Das liegt auch an rechtlichen Unsicherheiten. Die Schweiz kennt kein ausführliches Volksschulgesetz auf Bundesebene, die Volksschule ist Sache der Kantone. Die kantonale Konferenz der Erziehungsdirektoren setzt die Leitplanken über das Harmos-Konkordat. Das unterstreicht etwa auch ein Gutachten des Lehrernetzwerks Schweiz.

Der Bundesrat ist jedoch anderer Meinung. Wenn sich die Kantone «nicht auf ein verfassungskonformes Vorgehen verständigen» könnten, namentlich eine «Harmonisierung des Schulwesens», seien Vorgaben des Bundes erforderlich. Auch das stehe sinngemäss in der Verfassung.

Es ist denkbar, dass dereinst Juristen darüber befinden müssen, welche Auslegeordnung korrekt ist. Ohnehin hat sich Elisabeth Baume-Schneider noch nicht zu den Vernehmlassungen geäussert. Sicher ist einzig: Beharrt sie auf ihrem Standpunkt und hält an einer Gesetzesänderung fest, geht das Geschäft ins Parlament – und dürfte dort für weiteren Unfrieden sorgen.

Passend zum Artikel

Der Bundesrat will den Französischunterricht in der Primarschule gesetzlich vorschreiben. Die Thurgauer Regierung macht ihm nun heftige Vorwürfe. Auch die Zürcher und die Ausserrhoder Kantonsregierungen weisen die Pläne des Bundesrats zurück.

Mehrere Kantonsparlamente haben beschlossen: Französisch soll erst auf Sekundarstufe unterrichtet werden. Beharren sie darauf, will die Innenministerin das Gesetz anpassen.

Je früher, desto besser? Das gilt beim Französischunterricht gerade nicht. Dennoch will der Bundesrat das Fach gegen alle pädagogischen Erkenntnisse in der Primarschule durchdrücken.

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