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Ernährungsexperte sagt: Lassen Sie sich die Scheibe Wurst nicht vom Brot nehmen

Дата публикации: 13-09-2026 15:59:00

Eine neue Studie bringt mal wieder Wurst mit Krankheiten in Verbindung. Schon eine Scheibe Wurst soll das Risiko erhöhen. Doch Korrelation ist keine Kausalität.

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Eine neue Studie bringt mal wieder Wurst mit Krankheiten in Verbindung. Schon eine Scheibe Wurst soll das Risiko erhöhen. Doch Korrelation ist keine Kausalität.

„Schon eine Scheibe Wurst kann krank machen“ – so wurde die neue Studie aus Nature Medicine in vielen Medien zugespitzt betitelt. Tatsächlich zeigt sie etwas deutlich Unspektakuläreres: statistische Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmitteln und einigen Erkrankungen – mit kleinen relativen Risiken und ganz schwacher Evidenz. Also alles wie immer.

Uwe Knop ist evidenzbasierter Ernährungswissenschaftler, der fundierte Orientierung für selbstbestimmte Ernährungsentscheidungen bietet. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. 

Zusammenhang zwischen Fleisch und Krankheiten untersucht

Untersucht wurden verarbeitetes Fleisch, zuckergesüßte Getränke und Transfettsäuren. Die Forscher führten keine neue Ernährungsstudie durch, sondern werteten bereits vorhandene Beobachtungsstudien mit der sogenannten „Burden of Proof“-Methode neu aus. Dabei ging es um mögliche Zusammenhänge mit Typ-2-Diabetes, ischämischen Herzerkrankungen und Darmkrebs.

  • Beim verarbeiteten Fleisch errechneten die Autoren über die untersuchten Verzehrmengen ein durchschnittlich mindestens 11 Prozent höheres relatives Risiko für Typ-2-Diabetes und 7 Prozent für Darmkrebs.
  • Bei zuckergesüßten Getränken lagen die entsprechenden Werte bei 8 Prozent für Diabetes und 2 Prozent für ischämische Herzerkrankungen.
  • Für Transfette betrug der Anstieg mindestens 3 Prozent.
Kleine Risiken, große Schlagzeilen

Das klingt in Prozent zunächst eindrucksvoller, als es ist. Ein relatives Risiko von plus 7 oder 11 Prozent bedeutet nicht, dass sieben oder elf von 100 Menschen zusätzlich krank werden. Entscheidend wäre das absolute Ausgangsrisiko – und das wird in Schlagzeilen fast nie mitgeliefert.

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Noch wichtiger: Beobachtungsstudien können keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen. Menschen mit unterschiedlichem Wurst- oder Softdrinkkonsum unterscheiden sich oft auch in vielen anderen Punkten:

  • Bewegung,
  • Rauchen,
  • Alkohol,
  • Gewicht,
  • Bildung,
  • Einkommen
  • und sonstiger Ernährung.

Solche Störfaktoren lassen sich statistisch nur begrenzt herausrechnen. Hinzu kommen ungenaue Ernährungsangaben, Erinnerungsfehler und unterschiedliche Erfassungsmethoden.

Kein Beweis, dass bestimmte Menge Wurst Krankheiten verursacht

Besonders aufschlussreich ist deshalb die Bewertung der Autoren selbst. Alle untersuchten Zusammenhänge erhielten auf der „Burden of Proof“-Skala nur zwei von fünf Sternen. Das steht für schwache Evidenz beziehungsweise inkonsistente Daten.

Von einem belastbaren Nachweis, dass eine bestimmte Menge Wurst eine bestimmte Krankheit verursacht, kann also keine Rede sein. Genau hier liegt das eigentliche Problem: Der Erkenntnisgewinn solcher Analysen für den Einzelnen ist gering, der mediale Verunsicherungseffekt dagegen groß. Aus „statistisch assoziiert“ wird schnell „macht krank“. Und aus einer kleinen Risikoverschiebung wird eine vermeintliche Gesundheitsgefahr.

Einzelne Lebensmittel sind nur kleiner Teil des Gesamtbildes

Vor allem: Lassen Sie sich nicht verrückt machen. Niemand bekommt aufgrund dieser Studie Diabetes oder Darmkrebs, weil er morgens zwei Scheiben Salami isst. Die Untersuchung kann nicht zeigen, dass ein einzelnes Lebensmittel bei einem konkreten Menschen eine Krankheit verursacht.

Wichtiger ist der gesamte Lebensstil: Wie ernähre ich mich insgesamt? Bewege ich mich? Rauche ich? Wie viel Alkohol trinke ich? Wie sehen Gewicht, Blutdruck und Stoffwechselwerte aus? Einzelne Lebensmittel sind dabei nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes.

Lassen Sie sich nicht von der nächsten Sau verunsichern

Wenn die nächste Schlagzeile behauptet, Kaffee verlängere das Leben, Eier verkürzten es oder Wurst mache krank, helfen vier Fragen:

  1. War es eine Beobachtungsstudie?
  2. Wie groß war das relative Risiko?
  3. Wie hoch ist das absolute Risiko?
  4. Und wurde Ursache und Wirkung tatsächlich bewiesen?

Meist relativiert sich der Alarm dann schnell. Oder anders gesagt: Lassen Sie sich nicht von der nächsten Sau verunsichern, die als Scheibe Wurst durchs Dorf getrieben wird.

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