Auf der Suche nach einer gesünderen Lebensweise stößt man auf "Hara hachi bu". Ernährungswissenschaftler Uwe Knop erklärt, was dahintersteckt.
Auf der Suche nach einer gesünderen Lebensweise stößt man oft auf exotische Konzepte – eines davon ist „Hara hachi bu”. Was hinter dieser faszinierenden Essphilosophie steckt.
„Hara hachi bu“ ist der eine der Perlen vieler japanischer Weisheiten. Übersetzt heißt das so viel wie: „Iss, bis du zu 80 Prozent satt bist.“ Dahinter steckt die Idee, dass es schlau ist, aufzuhören, bevor das Völlegefühl einsetzt. Das soll kein echtes Hungern sein, sondern eine Einladung, ein kleines bisschen Platz im Magen zu lassen.
Die Japaner aus Okinawa, wo das Konzept herkommt, sind berühmt für ihre Langlebigkeit – da steckt wohl mehr dahinter als nur Glück. Ob es an „Hara hachi bu“ liegt, ist jedoch zumindest zweifelhaft – denn die vielen Mythen rund um die sogenannten 100-Jährigen in den Blue Zones entpuppen sich schnell als irdischer Lug und Trug.
Wissenschaftliche Beweise in der härtesten Währung der Forscher, der Kausalevidenz, gibt es keine. Ob man mit „Hara hachi bu“ in Sachen Gewichtsreduktion und Gesundheit positive Effekte erzielt, kann Ihnen also niemand sicher sagen.
Aber es ist definitiv einen Versuch wert – denn es könnte sein, dass Sie abnehmen und sich gesünder fühlen; einfach, weil Sie weniger und bewusster und damit besser essen als vorher.
Hinzu kommt: Sie tun Ihrem Körper vielleicht auch einen Gefallen. Indem Sie aufhören und das Besteck weglegen, bevor der Magen platzt – denn so entlasten Sie den Verdauungstrakt und verhindern, dass Sie mehr Kalorien aufnehmen, als Sie brauchen.
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So können Sie vielleicht ganz nebenbei das Gewicht kontrollieren. Zusätzlich fördern Sie vermutlich Ihre Gesundheit, indem Sie das Risiko für Übergewicht und damit verbundene Krankheiten senken. Daher wird „Hara hachi bu“ von Anhängern und Überzeugungstätern auch als ihr persönlicher Schlankheits- und Gesundheitsbooster in einem gesehen. Ob das auch für Sie gilt, das können nur Sie selbst herausfinden.
Uwe Knop ist evidenzbasierter Ernährungswissenschaftler, der fundierte Orientierung für selbstbestimmte Ernährungsentscheidungen bietet. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle.
Sie können das Konzept ganz einfach in Ihren Alltag einbinden: Hören Sie auf Ihren Bauch, nicht auf Ihren Teller. Orientieren Sie sich dabei an den einfachen Grundlagen der natürlichsten Ernährungsform des Menschen, dem intuitiven Essen. Hören Sie besonders auf Ihren echten, den körperlich-biologischen Hunger. Und wenn Sie merken, dass das erste Sättigungsgefühl einsetzt, legen Sie die Gabel weg.
Essen Sie langsamer und kauen Sie bewusst. Das hilft dem Gehirn, das Sättigungssignal zu empfangen. Sie haben viel (Ess)Stress? Planen Sie bewusste Essenszeiten ein, auch wenn sie kurz sind. Kein Snack-Marathon am Schreibtisch, sondern ein kleiner Moment des Genusses. Essen soll Freude machen und guttun – am besten immer.
Achtsamkeit ist die „emotionale Superkraft“, die „Hara hachi bu“ erst möglich macht. Wer wie ein Staubsauger isst, hat keine Chance, das Sättigungsgefühl zu spüren. Achtsamkeit beim Essen bedeutet, sich bewusst Zeit zu nehmen, die Mahlzeit mit allen Sinnen wahrzunehmen und jeden Bissen zu genießen.
Das trainieren Sie, indem Sie sich voll und ganz auf das Essen konzentrieren: Schmecken Sie die Würze, fühlen Sie die Konsistenz, riechen Sie die Aromen. Im Idealfall: Kein Handy, kein Fernseher – nur Sie und Ihr Essen. Das soll aber nicht zu einem Dogma werden und schon gar nicht zu einem Zwang ausarten – finden Sie Ihren persönlich besten Mittelweg, der perfekt zu Ihnen, zu Ihrer Persönlichkeit und zu Ihrem Lebensstil passt.
„Hara hachi bu“ ist im Grunde für alle ein Gewinn, die ihre Ernährung bewusster gestalten und langfristig besser essen wollen. Besonders geeignet ist es für Menschen, die oft nicht intuitiv aus Hunger, sondern aus Gewohnheit oder Langeweile essen (Stichwort „emotional eating“), rational, bis der Teller leer ist.
Weniger empfehlenswert ist es für Menschen mit Essstörungen oder starkem Untergewicht – hier sollten Sie unbedingt zuerst mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen. Für alle anderen gilt: Probieren Sie es einfach mal aus. Denn: Was haben Sie schon zu verlieren? Außer vielleicht ein paar Kilos.
Wer abnehmen möchte, hat es nicht leicht. Denn es gibt so viele unterschiedliche Informationen zu den „besten Diäten“, dass man schnell den Überblick verliert – und sich fragt: Was stimmt, was nicht? Dabei ist der Weg zum Wunschgewicht – ganz grundsätzlich – recht leicht. Orientieren Sie sich dabei am Prinzip RAKETE. Dieser Artikel zeigt Ihnen ganz konkret, wie Sie wohin gehen sollten und was es mit der RAKETE auf sich hat.
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