Forschung zu tropischen Klimaextremen und Korallenriffen im Fokus der kommenden drei Jahre – CAU-Klimaforscherin Miriam Pfeffer übernimmt die Koordination des Verbundes
Forschung zu tropischen Klimaextremen und Korallenriffen im Fokus der kommenden drei Jahre – CAU-Klimaforscherin Miriam Pfeffer übernimmt die Koordination des Verbundes
Vom 28. bis 30. September trafen sich rund 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland sowie internationale Gäste im Maritim Hotel Bellevue in Kiel zum Auftakt der zweiten Förderphase des DFG Schwerpunktprogramms „Tropical Climate Variability & Coral Reefs“ (SPP 2299). Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bis 2028 geförderte Forschungsprogramm untersucht, wie tropische Korallenriffe auf den Klimawandel reagieren und wie Korallenarchive genutzt werden können, um vergangene und zukünftige Veränderungen der tropischen Klimavariabilität besser zu verstehen. Mit Beginn der zweiten Förderphase übernimmt die marine Paläoklimaforscherin Professorin Dr. Miriam Pfeiffer von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) die Koordination des Schwerpunktprogramms von Dr. Thomas Felis, Wissenschaftler am Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen, der dieses seit seinem Start im Jahr 2022 geleitet hat.
„Das Kickoff-Meeting hat gezeigt, wie lebendig unsere Gemeinschaft ist und mit welchem Engagement insbesondere die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die aktuellen Herausforderungen des Klimawandels angeht“, sagt Prof. Dr. Miriam Pfeiffer, Leiterin der CAU-Arbeitsgruppe Paläontologie und Historische Geologie am Institut für Geowissenschaften. „In der kommenden Phase werden wir jetzt die langfristigen Auswirkungen des vierten globalen Korallenbleicheereignisses untersuchen, das insbesondere den tropischen Atlantik stark getroffen hat. Gleichzeitig erwarten wir aufgrund des außergewöhnlich starken El Niño, der sich derzeit weiter verstärkt, bereits Anfang 2027 ein weiteres globales Korallenbleicheereignis.“
Korallenarchive als Schlüssel zum Verständnis tropischer KlimavariabilitätDer Klimawandel und insbesondere die steigenden Meerestemperaturen stellen die größte Bedrohung für Korallenriffe weltweit dar. Gleichzeitig beeinflussen Veränderungen im tropischen Klimasystem das Auftreten von Extremereignissen, die weitreichende Folgen für Ökosysteme und Gesellschaften haben. Die Frage, wie sich diese Entwicklungen künftig auf die sensiblen Ökosysteme auswirken werden, gehört mit zu den drängendsten Herausforderungen der Klimaforschung.
Das Kick-off-Meeting findet zu einem für die Forschung des Programms besonders aktuellen Zeitpunkt statt. Nach den jüngsten Prognosen der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein sehr starkes El-Niño-Ereignis entwickelt, mittlerweile bei über 90 Prozent – möglicherweise erwartet uns das stärkste Ereignis seit 1950. Infolgedessen sind die Warnstufen für Korallenbleiche in Teilen der Karibik und des Indopazifiks bereits erhöht worden.
Das Schwerpunktprogramm verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, um diese und weitere Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Mittelpunkt der angewendeten Methoden stehen hochauflösende geochemische Untersuchungen von Korallen, die detaillierte Informationen über vergangene Umwelt- und Klimabedingungen liefern. In Kombination mit modernen statistischen Methoden, Erdsystemmodellen und Beobachtungen von Ökosystemreaktionen sollen neue Erkenntnisse über die Dynamik tropischer Klimavariabilität gewonnen und Projektionen zukünftiger Veränderungen verbessert werden.
Am SPP 2299 beteiligt sind neben Forschenden der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Universitäten Bremen, Gießen und Heidelberg, des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT), des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Potsdam und Bremerhaven, sowie des Helmholtz-Zentrums Hereon.
Bereits in der ersten Phase konnten die für die Zusammenarbeit in einem so interdisziplinären Verbund so wichtigen Grundlagen gelegt werden. Gleichzeitig musste das Forschungsprogramm mit den Herausforderungen immer extremerer klimatischer Bedingungen für die weltweiten Riffsysteme umgehen. „Als wir 2022 mit dem Schwerpunktprogramm gestartet sind, entwickelte sich die erste Förderphase zu weit mehr als einem Forschungsprogramm. Wir haben eine wissenschaftliche Gemeinschaft aufgebaut, gemeinsame Datenstrukturen geschaffen und neue Wege der Zusammenarbeit etabliert. Dabei haben sich sowohl das Klimasystem und damit auch die tropischen Ökosysteme zunehmend in Richtung extremer Bedingungen entwickelt“, sagt Dr. Thomas Felis vom MARUM der Universität Bremen.
Konferenz bildet Auftakt für zukünftige ForschungsvorhabenWährend der aktuellen Konferenz präsentierten die beteiligten Arbeitsgruppen ihre zukünftigen Forschungsvorhaben und diskutierten gemeinsame Strategien. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Vernetzung der unterschiedlichen Fachrichtungen sowie der Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. In den kommenden drei Jahren wollen die Forschenden dazu beitragen, die Reaktionen tropischer Korallenriffe auf den Klimawandel besser zu verstehen und die Vorhersage zukünftiger Veränderungen im tropischen Klimasystem zu verbessern.
Prof. Dr. Miriam Pfeiffer
Arbeitsgruppe Paläontologie und Historische Geologie
Institut für Geowissenschaften
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
miriam.pfeiffer@ifg.uni-kiel.de