Das Oberhaupt der katholischen Kirche machte am Sonntag einen Knoten in der Lunge öffentlich. Nach der Operation bestätigen sich die Befürchtungen. mehr...
Das Oberhaupt der katholischen Kirche machte am Sonntag einen Knoten in der Lunge öffentlich. Nach der Operation bestätigen sich die Befürchtungen.
Ein Gruß aus dem Auto, bevor der Papst sich einer dreistündigen OP unterziehen musste
Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
dpa | Große Sorge um den Papst: Nur anderthalb Jahre nach seiner Wahl ist Leo XIV. an Lungenkrebs erkrankt. Dies gaben die Ärzte des 71-Jährigen am Abend nach einer Operation in der Gemelli-Klinik von Rom bekannt, dem Krankenhaus der Päpste. Demnach musste dem Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken der untere Lappen der rechten Lunge entfernt werden, weil sich dort ein Knoten befand. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um ein sogenanntes Lungenadenokarzinom handelt.
Erst am Sonntag hatte der gebürtige US-Amerikaner öffentlich gemacht, dass bei einer Routinekontrolle in seiner Lunge ein solcher Knoten gefunden worden war. Nur zwei Tage später wurde Leo bereits operiert – was bereits darauf hindeutete, dass Grund zu Sorge bestand. Bei dem Eingriff bestätigten sich nun die Befürchtungen, wie das Ärzteteam um die beiden Italiener Luigi Carbone und Stefano Margaritora mitteilte.
Drei Stunden im OP-SaalDer rechte untere Lungenlappen wurde nun vollständig entfernt. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass von dem Tumor nichts mehr übrig ist. Die Operation an sich verlief nach Angaben der Ärzte „erfolgreich“ und ohne Komplikationen. Der Eingriff sei mit „video-assistierter Technik“ erfolgt. Dabei werden in der Regel mehrere kleine Schnitte in den Brustkorb gemacht, durch die dann eine Mini-Kamera und chirurgische Instrumente eingeführt werden. So muss nicht der gesamte Brustkorb geöffnet werden.
Insgesamt habe sich der Papst etwa drei Stunden im OP-Saal befunden, so die Ärzte. Nach dem Aufwachen durfte er in sein Zimmer im zehnten Stock zurück, wo es einen eigenen Trakt für Päpste gibt. Dort soll sich Leo jetzt etwa eine Woche erholen. Offen blieb, wie es mit seiner Therapie weitergeht. Das hängt entscheidend davon ab, ob noch Krebszellen im Körper vorhanden sind. Auch wenn die OP erfolgreich war, besteht das Risiko eines Rückfalls.
Wichtig: Regelmäßige NachkontrollenDer Papst äußerte sich am Abend nicht. Zur allgemeinen Überraschung hatte er am Sonntag seine Erkrankung selbst bekanntgegeben, vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. Er sprach von einem Knoten in einem „sehr frühen Stadium“. In der Regel sind die Aussichten auf Heilung dann deutlich besser, als wenn die Erkrankung erst spät entdeckt wird. Bei einem vollständig entfernten Tumor im frühen Stadium ist meist keine Chemotherapie erforderlich. Wichtig sind regelmäßige Nachkontrollen.
Bis zu der überraschenden Mitteilung waren keinerlei gesundheitliche Probleme des 267. Papstes in der Kirchengeschichte bekannt. Leo hält sich mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigen Übungen fit. Mit seinen 71 Jahren ist er immer noch ein verhältnismäßig junger Pontifex. Bei seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres wurde gemutmaßt, dass er ein langes Pontifikat vor sich haben werde, möglicherweise mehrere Jahrzehnte lang.
Im Gemelli-Krankenhaus wurden auch schon andere Päpste behandelt wie Johannes Paul II. aus Polen oder Leos unmittelbarer Vorgänger Franziskus. Die Pontifexe haben dort einen eigenen Trakt, in dem sie rund um die Uhr versorgt werden. Franziskus lag dort bis kurz vor seinem Tod mit 88 Jahren im April 2025. Dem Argentinier fehlte bereits seit jungen Jahren ein Teil seiner Lunge.
Beten für den Papst – wie im vergangenen JahrLeo erschien zu dem Eingriff in einem schwarzen Auto mit Polizeieskorte. Vor dem Krankenhaus wurde er von einem Ärzteteam und auch zahlreichen Schaulustigen in Empfang genommen. Drinnen hießen ihn auch andere Patienten willkommen. Er winkte und lächelte zuversichtlich. Viele beteten auch für ihn – so wie dort erst vergangenes Jahr Menschen für Franziskus gebetet hatten.
Wegen des Krankenhausaufenthaltes wurden alle Audienzen bis Mitte nächster Woche abgesagt, auch eine Begegnung mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Auch die Teilnahme am Abschlussgottesdienst eines internationalen Bischofstreffens zu Ehe und Familie an diesem Mittwoch auf dem Petersplatz wurde gestrichen. Ungewiss ist, wie es in den nächsten Wochen weitergeht.
Südamerika-Reise für November geplantIm November steht für den Papst eigentlich eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Zur Reise gehört ein Besuch der Stadt Cusco in 3.400 Metern Höhe. Bei manchen Menschen führt diese Höhe zu Atemproblemen und zur Höhenkrankheit.
Mit der Bekanntgabe seiner Erkrankung zeigte Leo eine Offenheit im Umgang mit gesundheitlichen Problemen, die für Päpste längst nicht selbstverständlich ist. Der Vatikan hielt früher den Gesundheitszustand der Kirchenoberhäupter streng unter Verschluss, solange die Leiden nicht offensichtlich waren – und manchmal auch noch dann.
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