Die Reformen zum Beitritt in die Eurozone muss das Land ohnehin umsetzen. In unsicheren Zeiten wird die Nähe zum Kern der EU wichtiger, meint Rumäniens Vize-Zentralbankchef Leonardo Badea.
Wir leben in einer Zeit globaler Unsicherheit, in der strategische politische Weichenstellungen häufig vermieden werden, da die Zukunft immer schwerer vorherzusagen ist. Aber gerade diese Instabilität macht es für Rumänien wichtiger, näher an den Kern der Europäischen Union zu rücken.
Als leitender Finanzaufseher mit fast einem Jahrzehnt Erfahrung im Austausch mit politischen Entscheidungsträgern und Investoren auf mehreren Kontinenten saß ich sowohl jenen gegenüber, die überzeugt sind, dass die Euro-Einführung die Konvergenz mit dem Rest der EU beschleunigt, als auch jenen, die glauben, die Kosten überwiegen den Nutzen.
Meine eigene Überzeugung hat sich im Laufe der Zeit gefestigt: Rumänien sollte seine politischen Anstrengungen und makroökonomischen Anpassungen intensivieren, um die Euro-Einführung innerhalb eines realistischen Zeitrahmens vorzubereiten.
Rumänien braucht den Euro aus drei GründenFür meine Position gibt es vor allem drei Argumente: Ein erstes betrifft die laufenden Bemühungen, die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Rumänien vollzieht seine anspruchsvollste Haushaltskonsolidierung seit der globalen Finanzkrise. Es ist eine Kombination aus Ausgabendisziplin, Einnahmemaßnahmen und schwierigen politischen Abwägungen.
Das ist eine Investition in Rumäniens wirtschaftliche Resilienz und Glaubwürdigkeit. Alles, was Schwachstellen beseitigt, senkt die Staatsrisiken, verbessert die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Haushalte und schafft bessere Voraussetzungen für langfristiges Wachstum.
Kritiker der Euro-Einführung verweisen auf den Verlust einer eigenständigen Geldpolitik. Doch mein zweites Argument lautet: Der tatsächliche Handlungsspielraum einer kleinen, offenen Volkswirtschaft wie unserer ist ohnehin begrenzt. Rund 72 Prozent unseres Außenhandels entfallen auf EU-Mitgliedstaaten.
Kapitalströme, Finanzierungsbedingungen und die Stimmung der Investoren in Mittel- und Osteuropa werden maßgeblich von Entwicklungen im Euroraum beeinflusst.
Ein drittes betrifft Rumäniens langfristiges Wachstumsmodell. Die Euro-Einführung würde unsere Einbindung in die Wertschöpfungsketten der EU-Wirtschaft stärken.
Die Euro-Einführung würde die Glaubwürdigkeit unseres Landes stärken.
Rumänien steckt in der sogenannten mittleren Einkommensfalle, in der ein Schwellenland nach einer Phase starken Wachstums stagniert und nicht den Übergang zum wohlhabenden Industriestaat schafft. Um aus dieser Falle auszubrechen, sind nachhaltige Investitionen in Infrastruktur, Produktionskapazitäten, Innovation, Technologie und Humankapital nötig.
Voraussetzung dafür ist ein dauerhafter Zugang zu internationalem Kapital zu wettbewerbsfähigen Kosten – und diese Kosten hängen stark davon ab, wie Investoren makroökonomische Risiken wahrnehmen.
Rumäniens große und anhaltende Defizite sowohl im Haushalt als auch in der Leistungsbilanz sorgen für höhere Risikoprämien und machen das Land anfälliger für Stimmungsschwankungen globaler Investoren.
Osteuropa ist in der Haltung zum Euro gespaltenDie Euro-Einführung würde die Glaubwürdigkeit unseres Landes stärken, das Währungsrisiko eliminieren, die Finanzintegration vertiefen und langfristig für günstigere Finanzierungsbedingungen sorgen.
Auch die Teilnahme an der Europäischen Bankenunion würde die Finanzintegration weiter stärken und die Entwicklung unseres Bankensektors fördern.
In der Haltung zum Euro ist Osteuropa gespalten: Polen und Tschechien sind erfolgreiche Wirtschaftsräume, deren institutionelle Stärke und makroökonomische Lage ihnen größere Flexibilität bei der Beibehaltung eigenständiger Währungsrahmen bieten.
Ungarn hingegen zeigt, dass eine nationale Währung allein eine Volkswirtschaft nicht vor den Folgen politischer Ungleichgewichte schützt. Kroatien und jüngst Bulgarien indes haben beide den Euro eingeführt und zeigen damit, dass anhaltende Reformen und politische Disziplin letztlich in einer tieferen Integration und einem stärkeren Vertrauen der Investoren münden können.
Die Reformen, die in Rumänien für die Euro-Einführung notwendig sind, sind weitgehend dieselben, die das Land ohnehin umsetzen muss, um langfristigen Wohlstand zu sichern.
Angesichts der volatilen Sicherheitslage in Osteuropa würde eine Mitgliedschaft Rumäniens in der Eurozone auch das dauerhafte und unwiderrufliche Bekenntnis unseres Landes zum europäischen Block unterstreichen und eine politische Kehrtwende Richtung Russland ausschließen.
Für ein Land, das 45 Jahre von der westlichen Wirtschaftsentwicklung abgeschnitten war, ist die Euro-Einführung der letzte große Meilenstein der postkommunistischen Konvergenz.
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