Hollywood folgt dem Werbegeld und macht aus Markenbotschaften Filme und Serien. „Natürlich Blond“, Carrie Bradshaw – wann kommt eigentlich „Emily in High School“?
Einst waren Filme und Serien Ausdruck kreativen Schaffens. Heute muss aus jeder erfolgreichen TV-Figur ein Universum werden, eine endlos verwertbare Lieferkette. Dahinter steckt weniger erzählerische Neugier als ökonomische Logik: Altbekanntes minimiert Risiken, Nostalgie verkauft sich, und vertraute Figuren bringen ein Publikum mit, dem man jeden Quatsch verkaufen kann.
Kaum ist eine erfolgreiche Figur etabliert, wird sie bis in ihre Kindheit zurückverfolgt. Carrie Bradshaw bekam 2013 mit „The Carrie Diaries“ eine erfolgsbefreite Serie über ihre Teenagerjahre. Elle Woods, die Hauptfigur aus „Natürlich Blond“ erhält jetzt mit dem Prequel „Elle“ eine Highschool-Vergangenheit in Seattle. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns erklärt wird, welche Lippenpflege Emily Cooper als 15-Jährige benutzte.
Diese Prequel-Welle ist kein Zufall. Sie ist die zu Ende gedachte Logik des Plattformkapitalismus. Bekannte Marken minimieren das Risiko, bekannte Figuren garantieren Aufmerksamkeit, und bekannte Konsumwelten lassen sich hervorragend monetarisieren. Nur eines tun sie nicht: überraschen.
Jede neue Staffel ist weniger ein erzählerisches Wagnis als ein kalkulierter Markenraum, in dem Luxuslabels, Kosmetikunternehmen, Hotels und Tourismusverbände ihre Produkte möglichst vorhersehbar platzieren dürfen. Früher sprach man von Product Placement. Heute ist das Produkt die Erzählung.
Neu bei Prime: Legally Blonde, die Vorgeschichte von Elle Woods
© IMAGO/Sebastien Fremont / Starface
Besonders deutlich wird das bei Serien wie Emily in Paris, die weniger eine Geschichte erzählen als eine Hochglanzfantasie, in der jedes Café, jede Handtasche und jedes Hotel aussieht, als sei es direkt aus einer Marketingpräsentation gefallen. Die Serie verkauft nicht nur Kleidung, sondern einen Lebensstil, der vor allem eines ist: käuflich.
Das Publikum soll vergessen, dass es Werbung konsumiertSpin-offs funktionieren nicht deshalb, weil Zuschauer möglichst viel Content konsumieren wollen. Sie funktionieren dann, wenn Menschen eine Figur so sehr lieben, dass sie bereit sind, ihr auf neuen Wegen zu folgen. Dafür reicht ein bekannter Name nicht aus.
Ein Flop: „The Carrie Diaries“ begleitete Carrie Bradshaw durch die Highschool.
© IMAGO/NYZS/FAMOUS
„The Carrie Diaries“ ist das beste Beispiel. Obwohl Carrie Bradshaw zu den berühmtesten Fernsehfiguren überhaupt gehört, wurde die Prequel-Serie nach nur zwei Staffeln eingestellt. Offenbar hatte das Publikum kein Interesse daran, zu wissen, wie Carrie als Teenager war. Carrie war allein eine Nervensäge, die nur im Rahmen des Quartetts wirklich funktionierte, das „Sex and the City“ ausmachte. Auch der Spin-Off „And Just Like That“ begeisterte nicht mehr wirklich – und überraschte kein einziges Mal.
Warum? Gute Figuren entstehen nicht am Reißbrett des Marketings. Sie entstehen durch gute Autoren. „Sex and the City“ lebte vom Mut, über Dinge zu sprechen, die vorher nicht aussprechbar waren. Die Mode spielte die – zugegebenermaßen hervorragende – Nebenrolle neben einer wirklich guten Idee, neben gut geschriebenen Grenzübertretungen und echten (wenn auch überzeichneten) Problemen.
Deshalb drängt sich bei jeder neuen Prequel-Ankündigung dieselbe Frage auf: Geht es hier wirklich um eine Geschichte, die man erzählen will? Oder nur um eine Marke, die noch ein weiteres Mal ausgeschlachtet werden soll? Wenn diese Entwicklung so weitergeht, dürfte das nächste Projekt nicht lange auf sich warten lassen: „Emily in Chicago“ , „Die Nanny der Nanny“ oder „Friends in Highschool“.
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