Kia erweitert die EV4-Palette um ein Spitzenmodell mit 195 kW, Allradantrieb und optionalem 22-kW-AC-Lader. Die Auslieferungen beginnen noch im Juli.
Kia bringt den EV4 im Modelljahr 2027 mit 195 kW in einer neuen Allradvariante. Bei diesem Modell kommt ein 22-kW-AC-On-Board-Charger in die Aufpreisliste. Diesen Schritt hat die Marke unter anderem beim Kia EV3 bereits im April vollzogen.
Die neue Topmotorisierung kombiniert eine Permanentmagnet-Synchronmaschine mit 125 kW an der Vorderachse mit einem 70-kW-Asynchronmotor an der Hinterachse. Die Systemleistung gibt Kia mit 195 kW an, das maximale Gesamtdrehmoment mit 385 Nm. Im Vergleich zum Fronttriebler mit 150 kW und 283 Nm beschleunigt der AWD in 6,5 Sekunden auf 100 km/h, also rund eine Sekunde schneller. Die Höchstgeschwindigkeit bleibt bei 170 km/h.
(Bild:
Florian Pillau
)Der Aufbau nutzt den Asynchronmotor an der Hinterachse gezielt als variable Traktionshilfe: Im Normalbetrieb treibt vorrangig der effizientere Frontmotor an. Bei verschlechterter Traktion, etwa durch Nässe, losen Untergrund oder Anhängerbetrieb, wird der Heckmotor im nötigen Maße aktiviert. Das macht sich auch bei der Anhängelast bemerkbar: Der AWD zieht gebremst bis zu 1,5 Tonnen, beim Fronttriebler mit großer Batterie sind es 1,0 Tonnen. Damit eignet sich der EV4 AWD erstmals auch für leichte Wohnwagen, wie wir es bereits mit einem Kia EV6 ausprobiert haben.
Die Allradvariante ist ausschließlich mit dem bereits bekannten, großen 81,4-kWh-Akku erhältlich und erreicht in der Ausstattungslinie „Earth“ bis zu 560 Kilometer Reichweite im WLTP. Der Verbrauch liegt kombiniert zwischen 16,2 und 16,5 kWh/100 km. Die Frontantriebsvariante mit demselben Akku kommt auf bis zu 625 Kilometer bei 14,6 bis 15,8 kWh/100 km.
Halbierte Ladedauer, reduzierte Stromkosten dank 22 kWNeben dem Allradantrieb bringt das Modelljahr 2027 einen optionalen dreiphasigen On-Board-Charger mit 22 kW Ladeleistung. Das Paket kostet 990 Euro Aufpreis und steht für die Ausstattungslinien Earth und GT-Line zur Verfügung. Serienmäßig bleibt es bei 11 kW. Der Unterschied ist erheblich: Die Zeit, um den großen 81,4-kWh-Akku an einer entsprechenden AC-Säule von 10 auf 100 Prozent zu laden, sinkt von rund 7 Stunden 15 Minuten auf etwa 3 Stunden 55 Minuten.
Das motiviert zum Gelegenheitsladen an Säulen in der Nähe von Supermärkten, in Parkhäusern oder im urbanen Raum. An den in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreiteten öffentlichen 22-kW-AC-Ladepunkten macht das häufig den Unterschied zwischen „ich saug‘ schnell ein paar kWh“ und „ach, das lohnt sich ja jetzt gar nicht“. Wer zu Hause mit 22 kW Wechselstrom laden will, sollte allerdings bedenken, dass eine 22-kW-Wallbox in der Regel eine Genehmigung des Netzbetreibers erfordert, während 11-kW-Wallboxen lediglich anzeigepflichtig sind.
Kia hatte den 22-kW-On-Board-Charger im Frühjahr mit dem Kia EV2 eingeführt und das Angebot auf Kia EV3 (Test) und Kia EV5 (Test) ausgeweitet. Der EV4 ist das vierte Modell mit dieser Option, weitere sollen folgen. Die Renault Zoe hatte vor vielen Jahren mit ihrem 22-kW-AC-Laden ein Alleinstellungsmerkmal im europäischen Markt, das zwischenzeitlich bei den meisten Herstellern verschwunden war und nun wiederentdeckt wird.
Konkurrent für VW ID.3 und 4, Tesla Model 3 AWD und BYD SealDie Preise für den EV4 AWD beginnen in der Earth-Linie bei 48.730 Euro, in der sportlich positionierten Ausstattung GT-Line AWD beginnt der Preis bei 51.940 Euro. Der Aufpreis gegenüber der vergleichbaren Frontantriebsvariante liegt damit bei 2500 Euro, beim Earth sind es wegen serienmäßiger 19-Zoll-Räder 3190 Euro. Das Basismodell Air mit 58,3-kWh-Akku und Frontantrieb bleibt ab 37.590 Euro erhältlich.
Im Wettbewerbsumfeld positioniert sich der EV4 AWD preislich zwischen VW ID.3 und ID.4. Das Modell unterbietet viele Allradvarianten der Mittelklasse wie Tesla Model 3 Long Range oder BYD Seal deutlich im Preis. Bei der DC-Schnellladeleistung bleibt Kia mit maximal 128 kW allerdings hinter Konkurrenten mit 800-Volt-Architektur wie dem konzerneigenen Hyundai Ioniq 6 (Test) zurück, der teils über 200 kW erreicht. Dafür setzt Kia mit dem 22-kW-AC-Lader ein Zeichen, das viele Wettbewerber so nicht bieten. Die Attraktivität dieser Option entscheidet sich freilich vor allem am individuellen Einsatzprofil für das Fahrzeug.
Im Modelljahr 2027 bekommt der Kia EV4 unter anderem eine zweite induktive Smartphone-Ladestation sowie eine 100-Watt-USB-C-Ladebuchse vorn. Der EV4 wird exklusiv im europäischen Kia-Werk im slowakischen Žilina produziert und kommt mit einer 7-Jahres-Herstellergarantie sowie 8 Jahren beziehungsweise 160.000 Kilometern Batteriegarantie.
Bestellungen sind ab sofort möglich, erste Auslieferungen sollen noch im Juli 2026 erfolgen, die Frontantriebsvariante mit 150 kW und 283 Nm bleibt im Programm. Details zur Fastback-Variante und zur leistungsstärkeren GT-Version des EV4 will Kia zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.
(fpi)
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