Mit Weihern, Steinlinsen und einer Trockenmauer ist im Rebberg in Auenstein ein vielfältiger Lebensraum für Wildtiere entstanden. Bis sich alle Zielarten ansiedeln, braucht es Geduld – und eine Portion Unordnung.
«Quak, quak.» «Seht ihr ihn?», fragt Projektleiterin Mara Laube. Dann zeigt sich der Wasserfrosch. In den letzten zwei Jahren wurden am Rebberg in Auenstein fünf Weiher, mehrere Stein- und Asthaufen gebaut. Das Gebiet ist zum Zuhause von Fröschen, Bienen, Libellen, Tagfaltern und Hermelinen geworden.
In der Mitte der Mauer gibt es lose Steine, wo sich der Wiedehopf einnisten könnte, erklärt Projektleiterin Mara Laube.Bild: Henry Muchenberger
Der Ursprung des Projekts: Der Rebberg und die nicht bestockten Flächen sinnvoll im Sinne der Biodiversität gestalten. Ein Wunsch war auch eine Trockensteinmauer, die Stein für Stein von Hand aufgebaut wurde. Letzten Herbst haben die Trockensteinbauer die 50 Meter lange Mauer fertiggestellt. Zwischen den Natursteinen sind auch Holzelemente mit kleinen Löchern. «Das ist für Wildbienen», erklärt Laube. Einige der Löcher sind bereits besetzt: Mauerbienen haben sich darin eingenistet.
In der Mauer gibt es auch potenzielle Nisthilfen für den Wiedehopf, Rückzugsorte für Hermeline und Unterschlüpfe für Igel. Der Wiedehopfkasten ist so gebaut, dass man den Stein herausnehmen und den Nistplatz putzen kann. «Bis jetzt haben wir hier aber noch keinen gesehen», sagt die Winzerin Yvonne Clemen. Sie hat 2018 das Weingut «Stock18» übernommen. Hermeline hat sie bereits gesichtet und mit einer Wildkamera festgehalten.
Es sind schon 28 Grad an diesem Morgen. Als Nahrung für Insekten wurden oberhalb der Mauer Obstbäume und Wildstauden gesetzt. Um den Natternkopf, dessen violette Blüten am Stängel entlang wachsen, fliegen zahlreiche Bienen und Schmetterlinge.
Durch das Projekt soll der Rebberg für die Bevölkerung zugänglich sein. Es finden sich immer wieder Sitznischen – etwa in der Trockenmauer selbst –, von aus man die Tiere oder einfach den Sonnenuntergang beobachten kann. Derzeit arbeitet die Firma Apiaster dort an einem Lehrpfad: Das Unternehmen hat sich auf Landschaftsentwicklung, Renaturierung und Förderung der Artenvielfalt spezialisiert und hat gemeinsam mit der Stiftung Wildtiere Aargau das Projekt umgesetzt.
Projektleiterin Mara Laube und Winzerin Yvonne Clemen auf dem Sitzbänkli in der Trockensteinmauer.Bild: Henry Muchenberger
«Vor drei Jahren standen wir hier noch vor einem leeren Blatt Papier», sagt Mara Laube. Zu Beginn war eine zweite Trockenmauer vorgesehen. «Diese wäre an manchen Stellen bis zwei Meter hoch geworden und damit fast nicht finanzierbar.»
Deshalb entschied man sich für eine Steinlinse. Dafür werden Steinhaufen in den Boden eingelassen. Sie sind kostengünstiger, ökologisch gleichwertig, und die Hohlräume zwischen den Steinen sind Rückzugsorte für Hermeline und Mauereidechsen. Um herauszufinden, ob und welchen Arten es im Rebberg gefällt, führt Apiaster ein Monitoring durch.
Wenn die Steinlinse stark zugewuchert ist – eine gewisse Unordnung ist gewollt –, kommt Yvonne Clemen zum Einsatz. Für das Zurückschneiden und die Pflege erhält sie einen Beitrag aus dem LaBiola-Programm des Kantons. «Das finanziert aber nicht die ganze Arbeit, die sie hineinsteckt», sagt Mara Laube.
Nicht jede Art kommt sofortAm Waldrand auf der Ostseite des 5,4 Hektar grossen Landes wurden zwei Weiher gebaut. «Hier sind die Gelbbauchunke und der Glögglifrosch angedacht, die sind bis jetzt noch nicht angekommen», sagt Laube. Nun warte man ab. Die Idee dahinter: Lebensräume schaffen, damit diese Arten, wenn sie dann auftauchen, auch bleiben können.
Anders gesagt: «Wir stellen eine Wohnung zur Verfügung, entscheiden aber nicht darüber, wer darin wohnt», so Clemen. So hat sie im Vogelnistkasten auch schon einen Salamander entdeckt.
Das Projekt in Auenstein ist Teil des Gesamtprojekts Lebensraum Jura. Sechs Landwirte haben beim Projekt mitgemacht, das rund eine Million Franken gekostet hat. Die Massnahmen am «Stock 18» haben rund 250'000 Franken gekostet. Der grösste Kostenpunkt war die Trockenmauer. Finanziert haben das Projekt grösstenteils der Kanton, die Ökofonds von Energieunternehmen, Salzgut und Landschaft Schweiz, sowie die «Karl Binding»-, die «Walder Bachmann»- und die «Temperatio"-Stiftung.
Ein Experiment: Ein grosser Sandhhügel, gedacht für Wildbienen und in den ein Fuchs oder ein Marder eine Höhle gegraben hat.Bild: Henry Muchenberger
«Das ist ein Versuchsobjekt», sagt Laube und zeigt auf einen grossen Sandhaufen auf der anderen Seite des Rebbergs. Primär gebaut für sandnistende Wildbienen. Doch mittendrin hat ein Tier ein grösseres Loch gegraben. «Es muss ein Fuchs oder Dachs gewesen sein», ergänzt Clemen. «Das haben wir nicht erwartet und macht es gerade spannend, weil die Wildbienen diese aufgegrabene Stelle angenommen haben.»
Am unteren Ende des Rebbergs kommen an einem Streifen Land alle Elemente zusammen: Totholz, Steinlinse, Sand und Wasser. «Eine strukturreiche Böschung» nennt es die Projektleiterin.
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