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Juni-Hitze Rems-Murr: Das gab es auch vor 100 Jahren, dennoch ist es Klimawandel

Дата публикации: 24-06-2026 14:00:00

Wie außergewöhnlich ist die aktuelle Hitzewelle wirklich? Ein Blick auf Temperaturdaten der letzten 100 Jahre gibt Antworten.

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Stand: 24.06.2026, 16:00 Uhr

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Bitte Wasser, es ist zu heiß! Ist das, was wir derzeit erleben, der Klimawandel, oder hat es Juni-Hitze schon immer gegeben?

Bitte Wasser, es ist zu heiß! Ist das, was wir derzeit erleben, der Klimawandel, oder hat es Juni-Hitze schon immer gegeben? © Gaby Schneider

Wie außergewöhnlich ist die aktuelle Hitzewelle wirklich? Ein Blick auf Temperaturdaten der letzten 100 Jahre gibt Antworten.

Schorndorf. Jetzt geht das wieder los – die aktuelle Hitze bringt einen alten Deutungsstreit neu zum Glühen: Ist ein heißer Juni schlicht Wetter? Oder hat das mit dem Klimawandel zu tun? Die Antwort lautet: erstens ja; und zweitens auch ja. Das belegen schlagend Datenreihen zur Temperatur-Entwicklung in Baden-Württemberg.

Gab es Juni-Hitze auch schon vor 100 Jahren?

Ja. Berühmter Fall: der Juni 1930. Vielerorts in Europa kam es damals zu Dürren, und in der Schweiz schmolz die Sonne so viel Gletschereis ab, dass in den Tälern, als sich auch noch Gewitter draufsattelten, teilweise dramatische Hochwasser aufgischteten. Auch in Baden-Württemberg war der Juni 1930 mit einer Durchschnittstemperatur von 18,2 Grad richtig heiß; heißer als alle Juni-Monate zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881; heißer auch als der Juni 2020 (16 Grad) oder der Juni 2024 (17,1 Grad).

Stand der Juni 1930 für einen größeren Trend?

Eindeutig nein. Der Juni 1930 war ein punktuelles Phänomen. Sowohl in den zehn Jahren davor als auch in den zehn Jahren danach gab es keinen auch nur annähernd so heißen Juni, die baden-württembergische Durchschnittstemperatur für diesen Monat lag damals bei etwa 15 Grad. Eine Anomalie war der Juni 1930 aber noch in anderer Hinsicht: Der Mai 1930 nämlich war mit 11,3 Grad eher kühl (Mai-Durchschnittstemperatur in Baden-Württemberg zwischen 1925 und 1935: 11,8 Grad) und der Juli 1930 mit 15,8 Grad geradezu kalt (Juli-Durchschnittstemperatur in Baden-Württemberg zwischen 1925 und 1935: 17,3 Grad).

Der Juni 1930 steht quasi quer im Stall: Er ist ein schönes Beispiel dafür, dass es Wetter-Ausreißer immer gab und geben wird. Mit Klimawandel hat das nichts zu tun.

Steht der Juni 2026 für einen größeren Trend?

Eindeutig ja. Über sehr lange Zeit hinweg galt der Juni 1930 als epochales Hitze-Phänomen: Von 1881 bis einschließlich 2001 gab es keinen zweiten baden-württembergischen Juni über 18 Grad! Dann aber ging es Schlag auf Schlag: 2002 wurde der 18,2-Grad-Rekord egalisiert und 2003 mit 20,9 Grad pulverisiert. In den 24 Jahren von 2002 bis 2025 gab es achtmal einen Juni mit 18 Grad plus x, aus einem ehemals spektakulär seltenen, als geradezu einmalig erscheinenden Ereignis wurde in Baden-Württemberg Normalität. Juni 2019: 19,0 Grad. Juni 2021: 18,6 Grad. Juni 2022: 18,8 Grad. 2023: 19,0 Grad. 2025: 19,4 Grad. Der heiße Juni 2026 ist also nichts Besonderes mehr, er fügt sich ein in einen größeren Trend namens Klimawandel.

Mai, Juni, Juli: Was kommt auf uns zu?

Einem heißen Juni geht immer öfter ein warmer Mai voraus: Einen Mai mit einer Durchschnittstemperatur von 14 Grad oder mehr gab es in Baden-Württemberg in den fast 120 Jahren zwischen 1881 und 1999 nur elfmal; und in den 27 Jahren von 2000 bis 2026 zwölfmal.

Einem heißen Juni folgt immer öfter ein brandheißer Juli: Einen Juli mit einer Durchschnittstemperatur von 19 Grad oder mehr gab es in Baden-Württemberg in den mehr als 100 Jahren zwischen 1881 und 1982 nur elfmal; und in den 43 Jahren bis 2025 14-mal; zuletzt 2018, 2019, 2022, 2023 und 2024, also fünfmal in den vergangenen acht Jahren. Was einst eine Ausnahme war, ist zur Regel geworden. Mehr als 20 Grad im Juli-Mittel aber gab es von 1881 bis 1983 überhaupt nicht; und seither siebenmal.

Hitze im Juni: Wetter oder Klimawandel?

Ein heißer Juni ist, isoliert für sich betrachtet, immer nur Wetter. Wenn es aber immer öfter einen heißen Juni gibt, immer öfter eingeleitet von einem warmen Mai, immer öfter gefolgt von einem brandheißen Juli, dann handelt es sich um einen Trend, der sich verstetigt. Was wir aktuell erleben, ist das Wetter in Zeiten des Klimawandels.

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