Der russische Militärgeheimdienst soll vernetzte Kameras genutzt haben, um Waffenlieferungen an die Ukraine zu verfolgen. Betroffen ist auch Deutschland.
Der russische Militärgeheimdienst soll vernetzte Kameras genutzt haben, um Waffenlieferungen an die Ukraine zu verfolgen. Betroffen ist auch Deutschland.
Ein früher Sommermorgen, ein Paket wird angeliefert, und die intelligente Kamera an der Haustür zeichnet zuverlässig auf, wer da klingelt. Millionen Menschen in Europa vertrauen solchen Geräten, weil sie günstig sind und sich in wenigen Minuten einrichten lassen.
Genau diese Bequemlichkeit ist inzwischen zum Ziel einer groß angelegten Spionagekampagne geworden. Nach Recherchen niederländischer und britischer Sicherheitsbehörden haben russische Hacker private Kameras entlang wichtiger Transportrouten in mehreren Nato-Staaten übernommen, um herauszufinden, welche Waffen in die Ukraine geliefert werden. Auch Deutschland zählt zu den betroffenen Ländern.
Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker forscht und berät als Direktor des cyberintelligence.institute international zu Cybersicherheit, digitaler Resilienz sowie IT-Recht in China und den USA. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Der Krieg gegen die Ukraine wird längst nicht nur an der Front entschieden, sondern auch im Verborgenen. Russische Dienste wollen wissen, welche Fahrzeuge welche Grenzübergänge, Bahnhöfe oder Kasernen passieren, um daraus Rückschlüsse auf Nachschub und Zeitpläne zu ziehen.
Eine seit 2022 aktive Spezialeinheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU, bekannt als Fancy Bear, soll dafür Zugriff auf tausende Überwachungs- und Türklingelkameras erlangt haben. Bitter für die Betroffenen ist dabei, dass ihre Kamera meist rein zufällig an einer für die Angreifer interessanten Route hängt, ohne dass sie selbst etwas damit zu tun haben.
So beunruhigend die aktuellen Fälle sind, neu ist die Methode nicht, und auch andere Staaten bedienen sich ihrer.
Berichten zufolge nutzte der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad jahrelang gehackte Verkehrskameras in Teheran, um Bewegungsprofile iranischer Funktionäre zu erstellen, und auch ukrainische Hacker sollen russische Kameras für militärische Zwecke gekapert haben. Zivile Kameras sind für Geheimdienste deshalb so attraktiv, weil sie flächendeckend installiert, selten überwacht und technisch oft veraltet sind.
Was zunächst wie ein rein militärisches Problem klingt, betrifft in Wahrheit jeden Haushalt mit einer vernetzten Kamera. Wer sich Zugang zu einer Türklingelkamera verschafft, sieht, wann Bewohner das Haus verlassen, wer sie besucht und wie ihr Alltag abläuft. Viele Kameras filmen zudem in den Eingangsbereich oder sogar bis ins Wohnzimmer hinein, sodass Angreifer im Zweifel tiefe Einblicke in sehr private und intime Lebensbereiche gewinnen.
Hinzu kommt, dass eine gehackte Kamera oft nur der erste Schritt ist, denn von dort lässt sich häufig das gesamte Heimnetzwerk samt Router und weiteren smarten Geräten erreichen. Besonders leicht machen es viele Nutzer den Angreifern dabei selbst, weil sie werkseitig voreingestellte Passwörter nie ändern und Firmware-Updates ignorieren, wodurch sich Kameras oft binnen Sekunden im Internet aufspüren und kapern lassen.
Neben Geheimdiensten haben längst auch gewöhnliche Kriminelle das Smart Home als Ziel entdeckt. So fand ein Sicherheitsforscher gravierende Schwachstellen in weit verbreiteten smarten Garagentoröffnern, durch die sich fremde Garagen weltweit per Fernzugriff öffnen ließen, ohne dass die Besitzer etwas davon bemerkten.
Solche Lücken erlauben es Einbrechern, Zugänge auszuspähen und im passenden Moment unbemerkt ins Haus zu gelangen. Auch smarte Schlösser, Lichtsteuerungen und Heizungssysteme sind immer wieder betroffen, sodass ein harmlos wirkendes Gadget im schlimmsten Fall zur offenen Hintertür für das ganze Zuhause wird.
Der wichtigste Schritt ist denkbar einfach.
Wer diese wenigen Regeln beherzigt, macht es staatlichen wie privaten Angreifern erheblich schwerer und schützt damit die eigene Privatsphäre.
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