Es ist eines der größten Fundings der deutschen Start-up-Geschichte: Rund eine Milliarde Euro haben Geldgeber wie Advent, Blackstone oder Airbus bei der Drohnenfirma Quantum Systems aus München investiert. Ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Börsengang.
Das neueste Prunkstück aus dem Hause Quantum Systems ist die Drohne Pulse P19, ein auch autonom fliegendes Gerät von der Größe eines Kleinflugzeugs. Als sogenannter Schwarmjäger soll sie dank mitgeführter, kleinerer Abfangdrohnen gegen feindliche Drohnenangriffe eingesetzt werden können. Zur offiziellen Enthüllung während der Internationalen Luftfahrtausstellung auf dem Berliner Flughafen Schönefeld war sogar extra Bundeskanzler Friedrich Merz (70; CDU) gekommen. Die beiden Co-CEOs Florian Seibel (46) und Sven Kruck (43) überreichten ihm dabei stolz und öffentlichkeitswirksam eine Fliegerjacke mit Firmenlogo und dem Schriftzug „Bundeskanzler“.
Die unübersehbare Bedeutung der Firma für die deutsche Verteidigungspolitik überzeugt offenbar auch die Investoren. Im Hintergrund nämlich hat Seibel in den vergangenen Monaten an einem Funding gewerkelt. Es handelt sich dabei um eine der größten Kapitalspritzen der deutschen Start-up-Historie: 1,2 Milliarden Dollar hat Quantum Systems eingesammelt, „eine der größten Runden, die jemals geraist wurden", wie Seibel am Donnerstagmorgen erklärte. Dies zeige das deutsche Start-ups mit amerikanischen Unternehmen konkurrieren könnten. „Das gibt uns substanzielle Feuerkraft.“
Zu den Geldgebern zählen beispielsweise Fonds wie Advent oder Blackstone sowie der Flugzeugkonzern Airbus. Auch Wagniskapitalgeber wie HV Capital, Balderton und Elefant Lake Ventures haben sich beteiligt. Die Firmenbewertung von Quantum Systems soll nun bei 8 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro) liegen. Damit hat sich der Wert seit der letzten Finanzierungsrunde im vergangenen November, als Seibel und Kruck rund 180 Millionen Euro eingesammelt hatten, nochmals mehr als verdoppelt.
Durch das hohe Investoren-Interesse sei das Funding sogar größer ausgefallen als ursprünglich geplant, berichten Insider. Ein kleinerer Teil des Geldes soll dazu dienen, bestehende Investoren heraus zu kaufen. Sie wollen ihre Anteile, die zuletzt rapide an Wert gewonnen hatten, lieber zu Geld machen. Der größere Teil frischen Kapitals soll helfen, das weitere Wachstum zu beschleunigen. Schon in der Vergangenheit hatte Quantum Systems nicht nur eigene Entwicklungen vorangetrieben, sondern gezielt mehrere Defense-Firmen hinzugekauft.
Für Quantum Systems gilt das Funding als wichtiger Schritt vor einem anvisierten Börsengang, der im nächsten Jahr folgen könnte. Über den genauen Zeitplan ist allerdings noch nicht entschieden und laut Seibel ist auch eine weitere Finanzierungsrunde denkbar. Das manager magazin hatte bereits im Februar über entsprechende Überlegungen berichtet . Bei einem Börsengang halten Investoren dann eine Bewertung im zweistelligen Milliardenbereich für denkbar. Es könnte damit einer der größten Tech-Börsengänge seit Jahren werden. Die letzten großen IPOs wagniskapitalfinanzierter Firmen in Deutschland sind schon eine Weile her: Auto1 (2021), About You (2021) oder Delivery Hero (2017) etwa.
Die Geldgeber wird es freuen. Zwar zählten zu den bisherigen Investoren auch Luftfahrtriese Airbus und der Rüstungshersteller Hensoldt, vor allem aber hatten Wagniskapitalgeber wie Balderton, Project A, HV Capital und 10x Group sowie ein Vehikel des US-Investors Peter Thiel (58) das Unternehmen finanziert. Bis zur jetzigen Runde war knapp eine halbe Milliarde Euro in den Aufbau des Start-ups geflossen.