Startups mit Einhorn-Status haben mit sinkenden Bewertungen zu kämpfen und gelten als „gefallene Einhörner“. Woran das liegt und wohin das Geld der Investoren stattdessen fließt.
Der einstige Startup-Boom ist vorüber und zurück bleiben einstige Einhörner, die ihre Spitzenbewertung schon lange nicht mehr erreichen können. Im Silicon Valley ist die Rede von „gefallenen Einhörnern“ oder gar „Zombie-Einhörner“: Es gibt sie noch, doch so richtig gut geht es ihnen nicht. The Economist nennt sie deshalb „untot“.
Wie kann es sein, dass so viele ehemalige Milliarden-Startups nur noch ein Schatten ihrer selbst sind?
Die Zeiten ändern sich – auch für Startups
Noch vor wenigen Jahren gab es einen regelrechten Hype um Startups. Allein 2022 flossen laut The Economist 223 Milliarden US-Dollar in Venture-Capital-Fonds (VCs), die wichtigsten Geldgeber aufstrebender Tech-Unternehmen.
Die Folge: Neben „Unicorns“, also Startups mit einer Bewertung von einer Milliarde Dollar oder mehr, erreichten einige Unternehmen auch den Status als „Dekacorn“ (Bewertung über zehn Milliarden Dollar) oder gar „Hectocorn“ (Bewertung über 100 Milliarden Dollar).
Jetzt sind die glorreichen Zeiten vorbei. 2025 sammelten VCs nur noch 66 Milliarden Dollar ein und viele Einhörner erreichen längst nicht mehr ihren Höchstwert. Doch woran liegt das?
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Mehr tot als lebendig: Das sind die Gründe
Zum einen wäre da wohl die Tatsache, dass viele Startups von Anfang an überbewertet und mit überzogenen Bewertungen versehen wurden. „Niedrige Zinsen animierten Investor:innen auf der Suche nach höheren Renditen dazu, Risikokapitalfonds großzügig zu unterstützen“, erklärt The Economist. Dadurch seien auch Startups mit geringen Umsätzen oder fragwürdigen Geschäftsplänen mit hohen Bewertungen versehen worden.
Mittlerweile sind die Zinsen gestiegen und das Geld sitzt bei vielen Investor:innen nicht mehr so locker – oder sie investieren es einfach an anderer Stelle.
Ein weiterer Grund für die schwächelnden Einhörner findet sich nämlich im KI-Boom. „Diese Entwicklung ließ Hunderte von Startups aus der Zeit vor der KI-Technologie zurück, von denen viele mit überhöhten Bewertungen und veralteter Technologie zu kämpfen haben. Gleichzeitig sind sie für den öffentlichen Markt noch zu unprofitabel“, erklärt Inc.com.
Anders ausgedrückt: Gegen die angesagten KI-Firmen kommen die Startups nicht mehr an. Beispielsweise OpenAI und Anthropic haben sie längst abgehängt.
Die Folge: Bewertungsverluste in Billionenhöhe möglich
Daten von Pitchbook, auf die sich sowohl The Economist als auch Inc.com beziehen, machen deutlich, dass die Hälfte der US-Einhörner seit drei oder mehr Jahren keine neue Finanzierung erhalten haben. „Startups, die zuletzt 2021 Kapital aufgenommen haben, sind im Durchschnitt 68 Prozent weniger wert. Bei denjenigen, die zuletzt 2022 Kapital aufgenommen haben, ist der Wert um 52 Prozent gesunken“, beziffert Inc.com.
Laut The Economist rechnet Pitchbook mit „Netto-Bewertungsverlusten zwischen 500 Milliarden und 1 Billion US-Dollar, da ältere Startups ihre Preise anpassen, verzweifelt nach Käufern suchen oder insolvent gehen.“
Diejenigen Einhörner, die noch nicht untergangen sind, aber ihre Hochzeiten hinter sich haben, wandeln derzeit also wirklich zwischen Leben und Tod. Die nächsten Jahre werden zeigen, welche von ihnen sich wiederbeleben lassen und welche endgültig von der Bildfläche verschwinden werden.
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