Karen Seiter ist homosexuell und arbeitet bei der Polizei in Ludwigsburg. Als Ansprechperson für gleichgeschlechtliche Lebensweisen geht es ihr vor allem um zwei Punkte.
An ihr eigenes Outing erinnert sich Karen Seiter noch gut. Sie war bei ihrer Chefin und "druckste" etwas herum. "Ich habe gesagt, ich habe eine Freundin und nicht nur eine Freundin." Es sei noch ein anderer Kollege dabeigewesen und im ersten Moment seien die Chefin und der Kollege etwas überrascht gewesen, "weil sie wussten, dass ich vorher einen Freund hatte. Aber dann war es ihnen vollkommen egal und haben mich in den Arm genommen, haben sich mit mir gefreut."
Rund 20 Jahre ist das nun her. Die damalige Chefin ist inzwischen Trauzeugin von Karen Seiter und ihrer Frau und Karen Seiter selbst ist im Polizeipräsidium Ludwigsburg Ansprechperson für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Denn - so sagt sie - es gebe immer noch Ängste unter Kolleginnen und Kollegen.
"Wenn ich in einem Umfeld bin, wo die Begrifflichkeit immer negativ behaftet ist: schwule Frisur, schwule Hose, schwule Brille - dann möchte ich wahrscheinlich in so einem Umfeld mich als schwuler Mann nicht outen." Karen Seiter berichtet von einem Kollegen, der in seinem Privatleben seine Homosexualität offen thematisiere, aber bei der Arbeit sich bis zum Schluss nicht outete.
Seit nun gut zehn Jahren ist Karen Seiter Ansprechperson für schwule, lesbische oder transsexuelle Polizistinnen und Polizisten beim Polizeipräsidium Ludwigsburg. Hat sich in dieser Zeit ihre Arbeit gewandelt? Ja, sagt die 53-Jährige. Auch früher sei es in der Großstadt kein Problem gewesen, als Polizist schwul oder als Polizistin lesbisch zu sein. Auf dem Land, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb hingegen schon. Das habe sich inzwischen relativiert, glaubt Polizistin Seiter, inzwischen hätten es auch homosexuelle Menschen auf die Reviere geschafft und zeigten, dass es nichts Besonderes sei. "Und dass wir auch nichts Besonderes sein wollen."
Vorurteile würden vor allem im direkten Kontakt abgebaut, so ihre Erfahrung: "In dem Moment, wo sie dann feststellen, hoppla, das ist eine Lesbe und mit der kann ich arbeiten, mit der kann ich was anfangen, ändert sich das ganz automatisch und das ist einfach das, wo ich denke, ja, wir sind weiter heute."
Stuttgart 25 Jahre Einsatz für gleiche Rechte Stuttgart Pride: Alle Infos rund um CSD-Demo und Hocketse "Alle Straftaten müssen angezeigt werden können"Doch Karen Seiter geht es nicht nur um die Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei. Ein anderer Bereich ihrer Arbeit sei fast noch wichtiger: dass sich alle Menschen trauen, wenn ihnen Unrecht geschieht, dieses auch anzuzeigen. Das sei nicht selbstverständlich. In der queeren Community würden die Ängste noch tief sitzen, sagt sie. Ihr Ziel ist es: "Alle Leute, egal wie unterschiedlich sie sind, egal welche sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sie haben, müssen, wenn ihnen Straftaten passieren, zur Polizei gehen und zwar ohne Angst."
Für Karen Seiter steht fest: "Die Polizei ist ein Querschnitt der Bevölkerung. Wir haben alles, was es auch außerhalb der Polizei gibt, auch schwule, lesbische oder transgeschlechtliche Menschen." Und Polizei sei natürlich für die Bürgerinnen und Bürger da. Deswegen müssten Polizistinnen und Polizisten auch wissen, wie sie mit unterschiedlichen Arten von Menschen umgehen. "Dass wir einfach menschlich mit ihnen umgehen, sie abholen, ihnen auch Mut machen, dass sie sich trauen, Anzeige zu erstatten."
Queere Ansprechpersonen in allen Polizeipräsidien in BWSo wie in Ludwigsburg gibt es seit 2016 auch in allen anderen baden-württembergischen Polizeipräsidien Ansprechpersonen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, sagt Karen Seiter. Auch seien Themen wie Homo- und Transsexualität mittlerweile Teil der Ausbildung bei der Polizei, zumindest in Form einer mehrstündigen Schulung. "Das gab es früher nicht, sprich die ganze junge Generation an Polizistinnen und Polizisten hat zumindest schon mal was davon gehört."
Was wünscht sich Karen Seiter als Ansprechperson für gleichgeschlechtliche Lebensweisen? "Ich glaube, das Schönste wäre, wenn es einfach kein Thema mehr wäre. Also, wenn einfach alle Bürgerinnen und Bürger von der Polizei so behandelt werden würden, wie sie es verdient haben. Und dass es auch sonst kein Thema mehr wäre, auch innerhalb der Polizei." Ihr Ziel, dass es irgendwann keine Ansprechpersonen wie sie mehr geben muss. Aber sie sagt selbst: "Bis dahin haben wir schon noch ein paar Schritte zu gehen."
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