Der Online-Modehändler Shein hat lange von Zollausnahmen profitiert. In den USA sind diese jedoch bereits gestrichen, und auch die EU verschärft die Regeln: Für das Geschäftsmodell von Shein ein Rückschlag.
Der Online-Modehändler Shein ist vor seinem geplanten Börsengang in Hongkong in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand für das erste Quartal dieses Jahres ein Verlust von 99 Millionen Dollar in der Bilanz, wie aus dem am Sonntag veröffentlichten Börsenprospekt des Konzerns hervorging. Im Vorjahreszeitraum hatte Shein noch einen Gewinn von 395 Millionen Dollar erzielt.
Den Hauptgrund sieht das Unternehmen darin, dass die USA seit Mai 2025 die Zollausnahmen für importierte Pakete mit einem Wert von unter 800 Dollar gestrichen haben. Der Wegfall dieser sogenannten „De-minimis“-Regel, von der Billig-Versandhändler wie Shein besonders profitierten, habe auch den Absatz in den USA belastet. Die Europäische Union (EU) plant ebenfalls, den zollfreien Verkauf von Warensendungen mit geringem Wert zu stoppen. Bis dahin gilt ein Mindestzoll von drei Euro je Sendung – und auch diese Maßnahme trifft das Geschäftsmodell von Shein bereits empfindlich.
Der Konzernumsatz von Shein legte im ersten Quartal um magere 1,1 Prozent auf 9,05 Milliarden Dollar zu. Die erstmals veröffentlichten Finanzdaten vermitteln Anlegern einen genaueren Einblick in den Druck, unter dem Shein bei der Suche nach neuen Finanzmitteln steht – vor dem Hintergrund steigender Kosten, eines verlangsamten Wachstums und zunehmender behördlicher Kontrollen in wichtigen Märkten.
Shein steigerte den Umsatz seit 2023 um jährlich rund 14 Prozent und erwirtschaftete 2025 41,9 Milliarden Dollar. Dabei wuchs das Unternehmen außerhalb der USA überdurchschnittlich. Europa trägt inzwischen mehr als 35 Prozent zum Konzernumsatz bei. In den USA musste Shein wegen der gestrichenen Zollausnahmen ein Minus von 14 Prozent hinnehmen. Dadurch brach der operative Gewinn um 26 Prozent auf 258 Millionen Dollar ein.
Bewertung binnen vier Jahren halbiertDas in China gegründete Unternehmen mit Sitz in Singapur hatte Anfang Juli die Genehmigung der chinesischen Börsenaufsicht für die Notierung in Hongkong erhalten. Frühere Versuche für einen Börsengang in New York und London waren gescheitert. Angaben zur Größe des Börsengangs, zur Preisspanne oder zum Zeitplan machte das Unternehmen in dem Prospekt nicht. Begleitet wird das Debüt von den Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPM.
Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2022 war Shein mit rund 98 Milliarden Dollar bewertet worden. Mit dem Abflauen des Booms im Online-Handel nach dem Ende der Coronavirus-Pandemie und der wachsenden Kritik an den Geschäftspraktiken schrumpfte die Bewertung auf 64 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Insidern zufolge peilt das Unternehmen eine Marktkapitalisierung zwischen 40 und 50 Milliarden Dollar an.
Fast Fashion made in ChinaShein produziert seine Kleidung in China und vertreibt sie außerhalb der Volksrepublik. Der Modehändler bringt täglich mehrere tausend neue Kleidungsstücke seiner zehn Marken auf den Markt, die er ausschließlich über seine eigene Webseite verkauft. Er betreibt keine eigenen Fabriken, sondern arbeitet mit tausenden hauptsächlich chinesischen Subunternehmern zusammen. Das Unternehmen hat ein System entwickelt, um die Produktion rasch an die Nachfrage anzupassen. Dadurch liegt der Anteil unverkaufter Ware nach eigenen Angaben durchgängig im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Bei Werbung setzt Shein voll auf das Internet. Die Firma hat nach eigenen Angaben mehrere hundert Millionen Follower in den Sozialen Medien. Außerdem arbeitet Shein mit zahlreichen Influencern zusammen, welche die Produkte auf Plattformen wie YouTube oder TikTok bewerben.
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