Die Ukraine hat in den vergangenen Tagen immer wieder Lager von Wildberries angegriffen, Russlands größtem Onlinehändler. Die würden auch fürs Militär genutzt.
Die Ukraine hat in den vergangenen Tagen mehrere Logistikzentren des größten russischen Onlinehändlers Wildberries angegriffen und damit eine neue Phase im Verteidigungskrieg gegen Russland eingeläutet. Seit dem Wochenende wurden mehrere Standorte von „Russlands Amazon“ von Drohnen getroffen, berichtet die ukrainische Zeitung Kyiv Independent, darunter auch in der Metropole St. Petersburg. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Angriffe damit begründet, dass der Onlinehändler daran beteiligt sei, Russlands Streitkräfte mit Drohnenkomponenten, Navigationstechnik und anderer Technik zu versorgen. Die Schäden dürften sich den Berichten zufolge bereits auf mehr als eine Milliarde US-Dollar belaufen.
Verschiedene Standorte in Russland getroffenGetroffen wurden seit dem Wochenende Logistikzentren von Wildberries in Krasnodar und Newinnomyssk im Süden Russlands, davor waren andere in der Region Moskau und Tambow in Brand gesetzt worden. Zuletzt wurde neben dem Lager in St. Petersburg auch eins in Twer getroffen. Laut russischen Angaben wurden dabei mehrere Menschen getötet. Die Angriffe unterstreichen jetzt, wie weit hinein nach Russland die Ukraine längst angreifen kann. Während das Land die Attacken mit der Bedeutung von Wildberries auch für das russische Militär begründet, spekulieren Kommentatoren in Russland, dass damit der Widerstand gegen Putins Krieg geschürt werden soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
Die Wildberries-Gründerin Tatjana Kim hat die Angriffe auf ihrem Telegram-Kanal beklagt, berichtet CNBC. Es gebe keine Worte, um all die Gefühle und Emotionen zu beschreiben, zitiert die Nachrichtenseite: „Doch diese Situationen zeigen vor allem eines: Wir müssen weiterhin das tun, was wir tun, zum Wohle der Menschen.“ Die Unternehmerin gilt als reichste Frau Russlands und als erste Selfmade-Milliardärin des Landes. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich Anfang der Woche gelassen, als er auf die Angriffe angesprochen wurde und bezeichnete die wirtschaftliche Lage im Land als stabil, schreibt die dpa noch. Auch Russland habe in der Vergangenheit Logistikzentren in der Ukraine angegriffen.
Wie die Nachrichtenagentur weiter ausführt, hat Kremlsprecher Dmitri Peskow bereits am Dienstag eingestanden, dass die Lage nicht einfach sei für den Versandhändler und dessen Kundschaft. Viele kleine und mittelständische Betriebe nutzen die Logistikzentren als Depots für ihre Waren und zahlen dafür Miete an Wildberries, etliche von ihnen sehen nun ihre Existenz bedroht. Der Kyiv Independent zitiert eine Analyse, laut der sich die Kosten für die Schäden bereits auf umgerechnet rund 1,2 Milliarden US-Dollar belaufen, CNBC verweist sogar auf eine Analyse, die auf 2,3 Milliarden US-Dollar kommt. Demnach steht Wildberries allein für etwa 3 Prozent von Russlands Bruttoinlandsprodukt.
(mho)
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