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"Ganz dramatische Auswirkungen": Virologe Steininger warnt in der ZiB 2 vor Ebola-Krise

Дата публикации: 20-07-2026 06:54:00

WIEN. Infektiologe Christoph Steininger warnt angesichts des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo vor einer deutlich höheren Zahl an Infektionen als offiziell bekannt.

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Von nachrichten.at, 20. Juli 2026, 08:54 Uhr

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Infektiologe Christoph Steininger Virologe Christoph Steininger von der MedUni Wien zu Gast in der "ZiB 2" Bild: Screenshot ORF
WIEN. Infektiologe Christoph Steininger warnt angesichts des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo vor einer deutlich höheren Zahl an Infektionen als offiziell bekannt.

Im "ZiB 2"-Interview am Sonntagabend sprach der Experte der Medizinischen Universität Wien von einer "großen Dunkelziffer" und machte vor allem das überlastete Gesundheitssystem, mangelnde Ressourcen und fehlende Hygienemaßnahmen für die rasche Ausbreitung verantwortlich.

"Die aktuelle Lage einzuschätzen ist derzeit ganz schwer", sagte Steininger. Das Gesundheitssystem in der Region sei überbelastet und bereits vor dem Ausbruch schlecht ausgebaut gewesen. Deshalb müsse man davon ausgehen, "dass es viel, viel mehr Fälle gibt, als tatsächlich bisher bekannt sind".

Bestattungen als Infektionsherd

Warum sich Ebola derzeit so rasch ausbreitet, lasse sich laut dem Infektiologen noch nicht eindeutig erklären. "Das hat einerseits mit dem schlechten Gesundheitssystem und mangelnden Ressourcen für die Eindämmung zu tun." Gleichzeitig spiele auch das Verhalten der Bevölkerung eine Rolle. Viele Menschen würden Erkrankte nicht ins Krankenhaus bringen, weil sie befürchteten, dass diese dort sterben. "Obwohl sie dort eine bessere Chance hätten." Ein besonderes Problem seien fehlende Hygienemaßnahmen bei Bestattungen. "Bei Bestattungen ist es üblich, dass die ganze Familie die Toten säubert, wäscht und das ist eine häufige Infektionsquelle", erklärte Steininger.

  • Video: Infektiologe Christoph Steininger im Gespräch mit "ZiB 2"-Moderatorin Margit Laufer

Auch bei Medikamenten und Impfstoffen gibt es laut dem Experten Lücken. Zwar seien bereits vor zehn bis 15 Jahren wirksame Mittel gegen eine verwandte Ebola-Variante entwickelt worden. Das nun zirkulierende Virus sei jedoch "eine seltene Variante" und deshalb nicht im Mittelpunkt der Forschung gestanden. An neuen Impfstoffen und Medikamenten werde bereits gearbeitet. Wann sie verfügbar sein werden, könne aber niemand seriös vorhersagen. "Das kann sehr schnell gehen, innerhalb eines halben Jahres, das kann aber auch noch Jahre dauern."

Virologisch unterscheide sich die neue Virusvariante laut Steininger "nicht wesentlich" von anderen Ebola-Varianten. Warum der aktuelle Ausbruch dennoch derart explosiv verlaufe, werde man "wahrscheinlich erst in Monaten sehen". Positiv bewertet der Infektiologe, dass inzwischen der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen wurde. Dadurch könnten "ganz andere Ressourcen frei" gemacht werden.

Kürzungen der USA verschärfen die Lage

Besorgt zeigte sich Steininger über die Kürzung internationaler Hilfsgelder durch die USA. Das habe "ganz dramatische Auswirkungen". Die betroffene Region sei wirtschaftlich schwach, die medizinische Versorgung schlecht und die Wege zwischen den Einsatzorten lang. "Die Logistik ist schwierig", sagte der Experte. Mit mehr finanziellen Mitteln und medizinischen Produkten ließen sich viele dieser Probleme entschärfen. Fehlten internationale Geldgeber, werde der Ausbruch aus Sicht des Experten schwerer zu bekämpfen sein.

Eine Prognose über den weiteren Verlauf wollte Steininger nicht abgeben. Der große Ebola-Ausbruch in Westafrika zwischen 2013 und 2016 habe gezeigt, dass selbst mit erheblichen finanziellen und medizinischen Mitteln eine Epidemie lange andauern könne. Genauso sei es möglich, dass der aktuelle Ausbruch rasch eingedämmt wird, wenn es gelingt, die wichtigsten Schutz- und Hygienemaßnahmen konsequent umzusetzen.

Ebola-Verdacht im Mai in Oberösterreich

Wie ernst der Verdacht auf eine Ebola-Infektion genommen wird, zeigte sich Ende Mai auch in Österreich. Eine 19-jährige Oberösterreicherin aus dem Mühlviertel, die nach einem Freiwilligeneinsatz in Uganda mit Krankheitssymptomen nach Hause zurückgekehrt war, wurde unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in die Wiener Klinik Favoriten gebracht. Zwei spezialisierte Laboruntersuchungen ergaben schließlich Entwarnung: Beide Tests fielen negativ aus, eine Ebola-Infektion konnte ausgeschlossen werden.

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