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Landung von Viking 1: Der erste Wikinger auf dem Mars

Дата публикации: 20-07-2026 09:36:00




Die US-Sonde „Viking 1“ erreichte am 20. Juli 1976 die Oberfläche des Mars. Sie war der erste Besucher von der Erde, der erfolgreich auf einen anderen Planeten landete und über Jahre Daten sammelte. Die Frage nach Leben auf dem Mars konnte sie aber nicht beantworten.



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Landung von Viking 1 Der erste Wikinger auf dem Mars

Eine künstlerische Interpretation der Sonde „Viking 1“ auf dem Mars.

Eine künstlerische Interpretation der Sonde „Viking 1“ auf dem Mars.

Foto: JPL Spacecraft Vikings Explore Planet Mars

Die US-Sonde „Viking 1“ erreichte am 20. Juli 1976 die Oberfläche des Mars. Sie war der erste Besucher von der Erde, der erfolgreich auf einen anderen Planeten landete und über Jahre Daten sammelte. Die Frage nach Leben auf dem Mars konnte sie aber nicht beantworten.

Es waren die 1970er und die großen Träume zerplatzten. Am 20. Juli 1969 waren mit Neil Armstrong und Edwin Aldrin die Kostenpflichtiger Inhalt ersten Menschen auf dem Mond gelandet. Zwar hatte man den Systemrivalen, die kommunistische Sowjetunion, geschlagen. Doch was einer der größten Triumphe der Menschheit im All hätte sein können, wurde von der Realität auf Erden eingeholt. Der Vietnam-Krieg desillusionierte viele Amerikaner. Der Watergate-Skandal um US-Präsident Richard Nixon, die Ölpreiskrise von 1973 und die auch deswegen einsetzende Wirtschaftskrise erschütterten nicht nur das Land. Die ganze Welt schien den Optimismus zu verlieren. Und den Glauben an Fortschritt oder eine verheißungsvolle Zukunft. Das Mondprogramm der USA wurde Ende 1972 eingestellt. Im Kino zeigte das „New Hollywood“ melancholische Filme ohne Happy End, die Träume der 1960er dekonstruierten. Viele Versprechen der Vergangenheit schienen auf einmal leer.

Mitten in dieser Zeit suchte die US-Weltraumbehörde nach neuen Ufern, zu denen man aufbrechen konnte. Und so wie ihre Kolleginnen und Kollegen in der verfeindeten Sowjetunion fanden sie ein passendes Ziel: den Mars. Und das US-Weltraumprojekt trug einen verheißungsvollen Namen, der nach Aufbruch und Durchsetzungskraft klang: Viking oder Wikinger. Schließlich hatte der Mars als unser Nachbar im Sonnensystem seit dem 19. Jahrhundert die Fantasie beflügelt, als der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli bei Beobachtungen viele Furchen auf dem Mars entdeckte – die er „Canali“ nannte. Das aber wurde falsch ins Englische übersetzt. Mit „Kanal“. Und schnell kam das Bild von „Marsmenschen“ auf, von einer Zivilisation auf einem fernen Planeten.

Daran glaubte in den 1970ern niemand mehr, aber der Gedanke war da: Gab es Leben auf dem Mars? Und auf einmal war er wieder da, der Wettstreit der Blöcke. Die USA und die Sowjetunion wollten die ersten sein, die dort landeten und eine Antwort fanden. Das Thema war so präsent, dass David Bowie 1971 eines seiner besten Werke „Life on Mars?“ betitelte.

Doch es war nicht leicht, einen Planeten zu erreichen, der zwischen 55 und 400 Millionen Kilometer entfernt ist. Und bei dem es zwischen drei und 22 Minuten dauert, bis die Sonde ein Signal von der Erde empfängt – die darum auf sich allein gestellt ist. Tatsächlich hatte die Sowjetunion seit 1960 eine Reihe von Missionen zum Mars gestartet. Keine war erfolgreich gewesen. Viele scheiterten bereits im Erdorbit oder schon vorher. Auch die USA mussten Misserfolge hinnehmen, zumindest aber gelangten Vorbeiflüge. Mit „Mariner 9“ konnte die Nasa am 14. November 1971 dann erfolgreich eine Sonde in einen Mars-Orbit bringen. Fast drei Wochen später schien es aber, als ob die Sowjetunion die USA schlagen würde. Nach vielen Fehlversuchen erreichte „Mars 3“ am 2. Dezember unseren Nachbarplaneten und konnte trotz Problemen landen. Aber nach nur 20 Sekunden verstummten die Signale. Es war ein Fehlschlag.

Die Viking-Landesonde als Modell.

Die Viking-Landesonde als Modell.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Der Mars entpuppte sich als eine weit größere Herausforderung als der Mond. Auch für die jeweils etwa 3,5 Tonnen schweren Viking-Sonden, die beide 1975 starten sollten. Die waren auf Basis der Mariner-Missionen entwickelt worden. Die Landeeinheit basierte auf den Surveyor-Systemen, die in den 1960ern auf dem Mond gelandet waren.

Probleme vor dem Start

Doch noch vor dem Start am 20. August 1975 gab es das erste Problem. Die Batterien der ursprünglichen Viking-1-Sonde hatten sich entladen. Kurzfristig entschied die Nasa, die „Viking 2“ zur Nummer eins zu machen – und auf die Reise zu schicken. Die US-Weltraumbehörde stand unter Druck. Das Ziel war, am 4. Juli 1976 - 200 Jahre nach der Gründung der Vereinigten Staaten - auf dem Mars zu landen. Es gab keinen zeitlichen Spielraum. Und tatsächlich erreichte die „neue“ Viking-1 dann am 19. Juni 1976 den Mars und flog in eine Umlaufbahn ein, die sie zunächst 1500 Kilometer nah und 50.300 Kilometer weit weg führte.

Allerdings folgte die nächste Ernüchterung. Für die Landung war ein Gebiet in der Chryse-Tiefebene vorgesehen worden. Doch erste Bilder zeigten, dass es dort zu uneben war. Die Nasa musste umplanen und verpasste den 4. Juli 1976. Dafür kam nun eine andere Stelle, etwa 900 Kilometer nordwestlich, in Betracht. Doch dafür musste der Orbit angepasst werden. Erst am 20. Juli 1976 würde Viking landen können. Auf der „Goldenen Ebene“ Chryse Planitia auf der Nordhalbkugel.

Erfolgreiche Landung

Um 9.32 Uhr am 20. Juli 1976 wurde die Sonde vom Orbiter entkoppelt. Einige Stunden später begann dann mit fast 16.000 Kilometern pro Stunde in 300 Kilometer Höhe der Landeanflug. Viking drang in die dünne Mars-Atmosphäre ein. Die ist etwa so dicht wie auf der Erde in mehr als 30 Kilometern Höhe. Und dennoch musste der 3,5 Meter durchmessende Aluminium-Hitzeschild Temperaturen von 1500 Grad Celsius überstehen. Bei immer noch 900 km/h und sechs Kilometer von der Oberfläche entfernt öffneten sich dann der 16 Meter durchmessende Fallschirm. Schließlich zündeten die Bremsraketen. Die waren so konstruiert worden, dass die Marsoberfläche durch die Abgase um maximal ein Grad erwärmt und höchstens ein Millimeter abgetragen wird. Nichts sollte die Hauptmission gefährden – die Suche nach Leben auf dem Mars.

Um 12.53 Uhr unserer Zeit am 20. Juli 1976 landete „Viking 1“ mit 9 km/h auf dem Mars. Nur 28 Kilometer von der geplanten Stelle entfernt. 25 Sekunden später sendete die Sonde erste Bilder. Die Menschheit hatte es geschafft: Zum ersten Mal war ein Besucher von der Erde, ein Wikinger, auf einem anderen Planeten erfolgreich gelandet. Und die Sonde hatte es überlebt.

Das erste Farbfoto von der Oberfläche des Mars. Veröffentlicht am 21. Juli 1976.

Das erste Farbfoto von der Oberfläche des Mars. Veröffentlicht am 21. Juli 1976.

Foto: Nasa

Aber leider brachte uns das der Antwort auf die Frage nach Leben kaum näher. „Viking 1“ nahm mehrere Bodenproben und untersuchte sie, „Viking 2“ tat das Gleiche. Die Ergebnisse waren verwirrend. Es konnten keine organischen Verbindungen nachgewiesen werden. Stoffwechsel-Experimente lieferten dagegen Hinweise auf Leben. Allerdings waren die Ergebnisse nicht sonderlich ausgeprägt oder nicht eindeutig genug. Bis heute werden die Daten diskutiert. Waren die Experimente falsch gewählt worden? Irdische Proben beispielsweise aus der Atacama-Wüste in Chile haben bei Vergleichstests ähnlich uneindeutige Hinweise geliefert. Wir wissen aber, dass dort Leben existiert. Kritik gibt es mittlerweile auch am Aufbau sowie der Durchführung der Experimente. Und erst 2025 wurde eine neue Arbeit veröffentlicht. Darin kommen die Nasa-Wissenschaftler Christopher McKay, Richard Quinn und Carol Stoker zum Schluss, dass auch die scheinbar positiven Viking-Ergebnisse nichts mit Leben zu tun haben müssen. Die US-Sonde Phoenix hatte 2008 Perchlorat im Marsboden entdeckt. Und dieses Salz der Perchlorsäure sei in der Lage, alle Ergebnisse der Viking-Sonde zu erklären. Das schließe Leben nicht aus, wie die Autoren schreiben. Es setzt aber die Hürden für einen Nachweis noch höher.

Die Frage nach dem Leben

Gibt oder gab es also Leben auf dem Mars? Bislang hat darauf niemand eine Antwort. Wir wissen nur, dass der Planet vor 3,5 bis vier Milliarden Jahren eine dichtere Atmosphäre hatte. Und dass damals das Wasser Flüsse, Seen und Ozeane erlaubte, deren Spuren wir bis heute sehen. Dann brach das Magnetfeld des Mars zusammen. Vermutlich kühlte sich der heiße Kern des Planeten schneller ab als auf der Erde. Ungeschützt konnte der Sonnenwind mit seinen elektrisch geladenen Teilchen einen Großteil der Atmosphäre quasi ins All drücken. Der Planet wurde zu der Wüstenwelt, wie wir sie heute kennen. Hat die Zeit gereicht, um Leben zu entwickeln? Wir wissen es nicht.

Karte der Mars-Landungen (Stand 2020). Perseverance steht noch als "Mars 2020" auf der Karte. Der chinesiche Rover ist mangels Daten mit Unsicherheit vermerkt.

Karte der Mars-Landungen (Stand 2020). Perseverance steht noch als "Mars 2020" auf der Karte. Der chinesiche Rover ist mangels Daten mit Unsicherheit vermerkt.

Foto: NASA/JPL/USGS-MOLA;DLR

„Viking 1“ aber hat noch einige Jahre auf dem Mars „gelebt“. Bis zum 13. November 1982, obwohl die Mission ursprünglich nur für 90 Tage ausgelegt war. Die Nasa hatte einen neuen Code geschrieben, weil die Batterien nachließen. Damit wollte man das Energie-Management optimieren. Allerdings wurde ein Fehler eingebaut und die Einstellungen der Antenne überschrieben. Der Kontakt brach ab und konnte nie mehr wiederhergestellt werden.

Und obwohl „Viking 1“ keine abschließende Antwort auf die Frage nach Leben geben konnte, war die Sonde ein herausragender Erfolg der Menschheit. Nicht nur, weil sie eine Reihe weiterer Daten und Aufnahmen geliefert hat. Zum ersten Mal sind wir erfolgreich auf einem anderen Planeten gelandet. Etwas, das den USA danach noch mehrmals und auch mit einer Reihe von Rovern gelang. Die Sowjetunion und später Russland haben das nie geschafft. Auch die Europäer scheiterten zweimal mit Landesonden: „Beagle 2“ (2003) und „Schiaparelli“ (2016). Frühestens 2028 wird die Europäische Raumfahrtorganisation Esa mit dem Rosalind-Franklin-Rover den nächsten Versuch wagen. Allerdings sind nach „Viking 1“ auch eine Reihe von US-Missionen gescheitert. Der Mars scheint etwas widerspenstig zu sein. Manche Raumfahrtexperten sprechen mit schwarzem Humor auch von einem Fluch. Nur China hat es bislang geschafft, erfolgreich auf unseren Nachbarplaneten zu landen. Mit der Tianwen-1-Mission und dem Zhurong-Rover. Am 15. Mai 2021. Fast 45 Jahre nach „Viking 1“. Die Menschheit bricht langsam den Fluch.

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