Segelflug-Veteran Alfred Rainer gibt Einblicke in 74 Jahre Fliegerei. Wie ihn die Leidenschaft packte, was ihn am Segelfliegen fasziniert.
Stand: 28.07.2026, 17:30 Uhr
Von: Dagmar Oltersdorf

Segelflug-Veteran Alfred Rainer gibt Einblicke in 74 Jahre Fliegerei. Wie ihn die Leidenschaft packte, was ihn am Segelfliegen fasziniert.
Aalen. Sein Gesundheitszustand: top. Das hat ihm sein Hausarzt erst Anfang dieses Jahres bescheinigt. "Der war absolut begeistert", sagt der 87-Jährige. Das lässt die Vermutung zu, dass Fliegen jung hält. Denn 74 Jahre lang hat der Aalener seiner größten Leidenschaft am Boden oder in luftiger Höhe gefrönt: dem Segelfliegen. Gesundheit hin oder her: Rainer sich nun von seinem Hobby aus eigenen Stücken verabschiedet. Nach mehr als 8000 Starts. Na ja – fast.

Erst 14 Jahre alt ist Alfred Rainer 1952, als ihn das Flugfieber packt. Die Familie wohnt damals in der Alten Heidenheimer Straße und Rainer geht an einem Tag mit seinem Vater im Westerfeld spazieren. Entlang der Wiese, die es zu dieser Zeit zwischen der Papierfabrik Palm und der Erlau gibt. "Und da waren Menschen, die haben dort irgendein Flugzeug bewegt", erinnert sich Rainer. "Da sind wir hin und haben zugeschaut. Dann habe ich gesagt: Das möchte ich auch machen." Sein Vater hat nichts dagegen: "Dann probier's", sagt er.
Erste Flugstunden am BodenRainer tritt 1953 der Fliegergruppe Aalen-Unterkochen, die dann zum Luftsportring wird. Vor der Kür kommt die Pflicht, das lernt der junge Alfred Rainer bald. 300 Arbeitsstunden muss er absolvieren, bevor er überhaupt das Fliegen lernen kann. Irgendwann hat er es geschafft und der Flugschüler darf in den Schulgleiter SG 38 steigen. "Man saß auf einem Holzstuhl, den Knüppel in der Hand, die Füße im Pedal." Gab es Wind, durften die Flugschüler sich dort anschnallen. "Der Fluglehrer stand mit einer Hand am Flügel außen. Dann konnte man pendeln, damit man mit dem Knüppel ein Gefühl bekommt, was das Flugzeug macht", erinnert sich Rainer. Mit Wind, am Boden, das sind seine ersten Berührungen mit der Fliegerei. Dann geht es endlich in die Luft. Rainer ist "freudig aufgeregt", Angst hat er nicht. "Ich hatte oft zugeschaut, was die anderen machen", erklärt er. Anfang Oktober 1953 beginnt Rainers offizielle Ausbildung, damals im Doppelsitzer mit Heiner Hirzel.
Mehr als 20 Jahre im EhrenamtAls im März 1954 der Elchinger Flugplatz eröffnet wird, ist Rainer als Mann der ersten Stunde dabei. Dann aber folgt der Wehrdienst. Rainer verpflichtet sich für drei Jahre und geht zu den Marinefliegern. Allerdings zum Bodenpersonal. "Fürs Fliegen brauchte man Abitur und das hatte ich nicht", erklärt er. Danach gründet er eine Familie und beginnt wieder mit dem Segelfliegen.

Rainer absolviert seine sportlichen Prüfungen und ist wie alle damals "scharf darauf", das Abzeichen Gold C mit drei Diamanten zu ergattern. "Einer der Diamanten war ein Flug mit 500 Kilometer Dreieck", erklärt er. Zudem übernimmt der gelernte Mechaniker und spätere ITler bei Zeiss die Leitung der Werkstatt in Unterkochen. Ein Ehrenamt, das er 20 Jahre lang innehat. Danach wird er Segelflugreferent. Er organisiert Wettbewerbe mit und ist auch heute noch aktiv im Macherteam dabei, wenn die Segelflugweltmeisterschaft am 2. August in Elchingen beginnt und der Luftsportring Aalen sein 75-jähriges Bestehen feiert.
Die Faszination des FliegensDass es beim Fliegen auch mal haarig werden kann, verschweigt Rainer nicht. "Wenn man im Gebirge fliegt, dann gib es schon mal Dinge, wo es einem warm wird, wenn beispielsweise die Thermik nachlässt und es dort keine Landemöglichkeit gibt", sagt er. Manchmal müsste man lange kreisen, gerate weit nach unten, bis es dann doch wieder bis nach oben gehe. Nicht immer klappte es. "Meiner Frau zum Beispiel, der war es mal gegönnt, dass sie mich bei Mühlacker auf dem Acker geholt hat", erinnert sich der passionierte Flieger und lädt zum Mitfliegen ein: "Da passiert nichts, das ist sagenhaft. Das ist ungefährlicher, als mit dem Auto zum Flugplatz zu fahren", versucht er, Zweiflern die Angst zu nehmen. Und Begeisterung zu schüren: "Sind sie sind da oben alleine in der Natur. Das ist wie ein Rausch. Sie haben dort traumhafte Erlebnisse", erklärt er seine Liebe zur Segelfliegerei. Mal habe er mit zwei Störchen über dem Neresheimer Kloster seine Kreise gedreht. Weit oben könne man beispielsweise den Menschen, die am Großglockner am Gipfelkreuz stehen, zuwinken.
Zweite Liebe: das ReisenAb 4000 Metern Höhe ist Sauerstoff Pflicht. Schwindelfreiheit allerdings nicht, sagt Rainer, der beim Serpentinenfahren schon mal andere hinters Steuer lässt. "Ich bin selbst nicht schwindelfrei. Aber wenn sie nicht auf dem Boden sind, dann gibt es keinen Schwindel", erklärt er, warum das kein Problem ist.

Widmet Rainer seine Zeit nicht seiner Segelflugleidenschaft, dann seiner zweiten Liebe: dem Reisen: Dreimal war er unter anderem mit dem Wohnwagen in Griechenland, einmal auf den Lofoten. Seit dreißig Jahren fährt er auch immer wieder in die Provence. Früher mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau, heute allein. Nach den Weltmeisterschaften zieht er wieder los. Auch im Flieger, wenn auch nicht als leitender Pilot. Aber doch immer mal wieder im Cockpit eines Doppelsitzers. "Das ist die Fliegerei. Die lässt einen nicht los, wenn man mal Höhenluft geschnuppert hat", sagt er.
Segelflug-WM und 75 Jahre Luftsportring : Zuschauer sind willkommenWettbewerbsflüge sind vom 3. bis 14. August. Briefings der Teilnehmer und anschließende Starts gibt es täglich um 10 Uhr auf dem Flugplatz Neresheim-Elchingen, sofern das Wetter mitspielt.
Am Samstag, 8. August, lädt der Luftsportring ab 11 Uhr zum „Tag des Luftsports“ auf den Flugplatz Neresheim-Elchingen ein. Das Motto: „Faszination Segelflug hautnah erleben“ – Eintritt frei. Sofern das Wetter mitspielt, starten binnen kurzer Zeit 80 Flugzeuge und kehren nach mehreren Stunden Luftrennen nach Neresheim-Elchingen zurück.
Siegerehrung ist am Samstag, 15. August, 10 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos: www.lsr-aalen.de
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