Raffen sich YB und Basel auf? Steigt GC ab? Und müssen wir uns auch hier an die lästigen Trinkpausen gewöhnen? Wir klären auf.
Raffen sich YB und Basel auf? Steigt GC ab? Und müssen wir uns auch hier an die lästigen Trinkpausen gewöhnen? Wir klären auf.

Peter Schneider / Keystone
Den FC Thun hatte niemand auf der Rechnung. Das Mauerblümchen im schmucklosen Kleinstadion in der Nähe grosser Berge mit verzweigtem Einzugsgebiet und teilweise mysteriösen Geldgebern. Seit 2020 Challenge League, latente Finanzsorgen, Überlebenskünstler.
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Und dann das, schier einzigartig im europäischen Fussball: Nach dem Aufstieg 2025 folgte umgehend der Meistertitel, nicht etwa mit Dusel, sondern mit klarer Ansage. Die Thuner bleiben ihrem Weg treu, auch wenn sie jetzt auf einigen (Transfer-)Millionen sitzen. Nach dem Abgang des Meistertrainers Mauro Lustrinelli (Union Berlin) holen sie den unbekannten Gian-Luca Privitelli. Und Spieler aus Aarau und Yverdon sowie die Berner Rückkehrer Nico Maier (Österreich) und Nicolas Bürgy (Dänemark).
Ob das wieder für einen Spitzenplatz reicht? Abwarten. Die emotionale Belastungsprobe war der Abgang Leonardo Bertones (Luzern). Aber Thun hat schon viel überlebt. Wenigstens bleiben die Abwehr, das Trainerteam und die sportliche Führung stabil. Bis jetzt. (bir.)
Wie schnell erholen sich der FC Basel und YB?
Keystone
Einst standen sie für Grösse und Titelserien. Doch in der letzten Saison stürzten YB und der FC Basel regelrecht ab. Beide Klubs wechselten den Trainer. Danach wurden die Resultate nicht besser, sondern schlechter. An beiden Orten fiel man in eine Identitätskrise, litt unter Ratlosigkeit und propagierte Durchhalteparolen.
Weil nichts mehr auf die freigestellten Trainer Giorgio Contini (YB) und Ludovic Magnin (Basel) abgewälzt werden konnte, erdauerte man die verpatzte Saison und ging hinterher zu Personalwechseln über. In Bern soll der Millionentransfer (3,5 Millionen Euro) und Rückkehrer Cédric Zesiger die wankende Abwehr stabilisieren. Er kennt den Trainer Gerardo Seoane aus meisterlichen YB-Zeiten.
Auch in Basel soll eine neue Mentalität her, mit dem Goalie Jonas Omlin und dem Stürmer Zan Celar, der fernab der Schweiz nicht über die zweitobersten Spielklassen hinauskam, aber für den FC Lugano in drei Saisons 40 Tore erzielte.
Alles wird besser in Bern und Basel. Im Gleichschritt runter – und wieder rauf? Der Liga würde es guttun. (bir.)
Hat jemand den FC Vaduz vermisst?
Gian Ehrenzeller / Keystone
In der Super League kann selbst ein Aufsteiger den Coup schaffen. Ein neues Wunder à la FC Thun wird in dieser Saison aber ausbleiben. Selbst wenn der FC Vaduz zuoberst rangierte, dürfte er sich nicht Schweizer Meister nennen oder den Pokal hochstemmen – weil der Klub dem Liechtensteiner Fussballverband angehört. Der Preis für das Liga-Gastspiel ohne Titelchance? Gegen anderthalb Millionen Franken überweist der Klub an die Schweizer Liga.
Sportlich hat Vaduz die Teilnahme allemal verdient. Nach fünf Jahren in der Challenge League spielte der Klub mit 81 Punkten eine der besten Zweitliga-Saisons überhaupt. Der Trainer Marc Schneider führte die Mannschaft ab 2024 mit offensivem, mutigem Fussball vom achten Platz zum Aufstieg. Der FC Zürich, Servette und zuletzt der FC Luzern sollen ihm Avancen gemacht haben. Er blieb Vaduz treu. Kontinuität ist ein Mittel zum Erfolg – Schneider weiss das als Thuner.
Für mehr Publikum sorgt der Aufsteiger derweil nicht: Zu den (oft weit entfernten) Auswärtsspielen wird er kaum begleitet. In Super-League-Zeiten kamen jeweils um die 4000 Fans in den heimischen Rheinpark. Die Bergkulisse des Alpsteins tröstet darüber hinweg. (bns.)
Segelt GC nun als «Flaggschiff»-Klub dem Abstieg entgegen?
Walter Bieri / Keystone
Neue Besitzer, ein geschasster Sportchef – und die alten Probleme: GC steht vor der nächsten schwierigen Saison; man könnte die Prognose vor der letzten Spielzeit kopieren. Die teuren Winterzugänge Michael Frey und Sven Köhler sind bereits wieder weg. Und auch die Leistungsträger Jonathan Asp Jensen, Lovro Zvonarek und Dirk Abels zogen weiter.
Die einzige Konstante beim Rekordmeister bleibt die Inkonstanz. Und die Seemannssprache: Nach der Entlassung des selbsternannten «Leuchtturm»-Sportchefs Alain Sutter wird GC nun als «Flaggschiff» im Multiklub-Netzwerk der Bridge Football Group durch die Niederungen der Super League segeln. Was die neuen Eigentümer mit dem Klub vorhaben, bleibt unklar.
Immerhin durfte Peter Zeidler bleiben. Die Mission des GC-Trainers ist die gleiche wie in den letzten Jahren: Er soll den Klub mit einigen Talenten, wenig Erfahrenen und dem ewigen Captain Amir Abrashi in der Liga halten. Zuletzt entging GC dem Abstieg drei Mal in der Barrage. Schwer vorstellbar, dass der Ligaerhalt abermals gelingt. Aber es gibt ja noch den FC Vaduz. (bko.)
Was ist vom FCZ unter Marcel Koller zu erwarten?
Claudio Thoma / Keystone
In einem ist sich der FCZ-Präsident Ancillo Canepa treu geblieben: Er hat den verabschiedeten Trainer durch sein Gegenteil ersetzt. Auf den unerfahrenen Dennis Hediger, für den im April interimsmässig Carlos Bernegger übernahm, folgt der 65-jährige Marcel Koller. Sonst ist vieles anders im Klub.
Auffällig ist die Ruhe. Weder wurden ehrgeizige Saisonziele ausgerufen, wie es reflexartig in der Vergangenheit geschah, noch wurde auf dem Transfermarkt gewirbelt. Die grösste Zäsur im Kader ist der Abgang von Cheveyo Tsawa nach Brügge, der den Zürchern schätzungsweise 8,5 Millionen Franken einbringt. Bei den Verpflichtungen herrscht auffallende Zurückhaltung. Neben dem routinierten Goalie Heinz Lindner kommt von Luzern der Offensivspieler Kevin Spadanuda.
Das Hauptaugenmerk liegt offensichtlich auf Stabilisierung nach der turbulenten Ära des Sportchefs Milos Malenovic – und darauf, die Zukunft des Klubs nach der langen Präsidentschaft der Canepas zu regeln. (cen.)
Gibt es die lästigen Trinkpausen nun auch in der Super League?
Ennio Leanza / Keystone
Die Super League übernimmt die auf die WM hin eingeführten Regeländerungen teilweise. Die in Nordamerika angewandten Zeitlimits gelten nun auch hier: Bei Einwürfen und Abstössen startet der Referee einen Countdown. Nach 5 Sekunden erhält der Gegner den Einwurf, beim Abstoss einen Eckball. Auswechslungen müssen innert 10 Sekunden erfolgen, andernfalls darf der Ersatzspieler erst nach einer Minute auf den Platz. Auf dem Rasen behandelte Spieler müssen danach ebenfalls 60 Sekunden draussen warten.
Der Video Assistant Referee (VAR) erhält mehr Kompetenzen. Neu darf er bei klar falschen roten und gelb-roten Karten, bei Verwechslungen des bestraften Spielers sowie bei fälschlicherweise gegebenen Eckbällen eingreifen. Anders als an der WM erklärt der Schiedsrichter die vom VAR überprüften Situationen allerdings nicht via Stadionlautsprecher. Doch auf den Bildschirmen wird eingeblendet, welche Szene der VAR gecheckt hat, sowie der Entscheid schriftlich mitgeteilt. Trinkpausen gibt es weiterhin nur bei extrem hohen Temperaturen. (bko.)
Ist der FC St. Gallen reif für den Meistertitel?
Valentin Domgjoni / Imago
In St. Gallen predigen die Verantwortlichen stets Kontinuität. Doch turbulenter hätte die letzte Saison kaum enden können. Erst der Freudentaumel: Vize-Meister, Cup-Sieg. Dann sprach der Präsident Matthias Hüppi von den «verschiedenen Kräften», die im Verein wirkten. Ein Machtkampf waberte. Am Ende siegte Hüppi: Alles blieb, wie es war.
Die «grün-weisse Bewegung» marschiert unentwegt weiter. Knapp 13 000 Fans kauften Saisonkarten. Die Equipe blieb bisher zusammen. Der Verlust von Alessandro Vogt wurde mit Andrin Hunziker kompensiert. Letzte Saison erzielte er elf Ligatore, nur vier weniger als Vogt – und das beim Absteiger Winterthur. Gelingt der Einzug in die Ligaphase der Europa- oder Conference-League, droht zwar eine Dreifachbelastung – dafür winken 3 bis 4 Millionen Franken. Nach dem 2:1-Hinspielsieg gegen Benfica Lissabon stehen die Chancen gar nicht so schlecht.
Wird in St. Gallen der Meistertitel anvisiert? «Darüber haben wir noch keine Sekunde gesprochen», beteuert Hüppi. «Kein Thema.» Schwer zu glauben – Ostschweizer Demut hin oder her. (bns.)
Warum ist das Nationalteam so gut und die Super League so schlecht?
Andrea Branca / Imago
Man wird noch in vielen Jahren darüber sinnieren, wie nahe die Schweizer Fussballer 2026 in den USA dem WM-Halbfinal gekommen sind. Es reichte knapp nicht. Aber immerhin: Das Nationalteam stiess unter die letzten acht vor. Das ist beachtlich.
Der Uefa-Koeffizient liefert den Kontrast dazu, der darüber befindet, welche europäische Liga wie Zugang zum Europacup erhält. In dieser Tabelle ist die Schweizer Super League aus den ersten 15 Rängen gerutscht. Das heisst: Vier Schweizer Vereine müssen zuerst diverse Qualifikationsrunden überstehen, ehe sie irgendwo Land sehen.
Das Nationalteam hat mit der Super League im Gegensatz zu früher nichts mehr zu tun. Alle wesentlichen Nationalspieler sind im Ausland. Gleichzeitig bluten die Schweizer Klubs aus. Doch jetzt gibt der Europacup-Auftakt ein wenig Hoffnung, auch ohne Basel und YB: Der FC Thun hielt sich gegen Dinamo Zagreb (1:1) wacker, der FC St. Gallen besiegte sogar Benfica Lissabon 2:1. Auch der FC Lugano gewann. Erste (Hinspiel-)Versprechen, immerhin. (bir.)
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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