Der ehemalige Swiss-Ski-Präsident hat die Stelle erst im vergangenen September angetreten. Der Schritt zurück könnte im Wahlkampf den Gegnern des FIS-Präsidenten Johan Eliasch helfen.
Der ehemalige Swiss-Ski-Präsident hat die Stelle erst im vergangenen September angetreten. Der Schritt zurück könnte im Wahlkampf den Gegnern des FIS-Präsidenten Johan Eliasch helfen.

Christian Beutler / Keystone
Am kommenden Donnerstag wird ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin des Ski-Weltverbandes FIS gewählt. Längst wirft diese Wahl ihre Schatten voraus, es ist ein erbitterter Machtkampf entbrannt. Der jetzige Präsident Johan Eliasch will mit allen Mitteln an seinem Amt festhalten, mehrere Verbände, unter anderen Swiss Ski, stellen sich gegen ihn.
NZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.
Bitte passen Sie die Einstellungen an.
Am Freitag nun der nächste Knall: Urs Lehmann, der CEO der FIS, hat am Freitag seine Kündigung eingereicht und stellt seine Position per sofort zur Verfügung. Das bestätigt sein Sprecher Lorenz Furrer. Der Hauptgrund sei, dass Lehmann im Wahlkampf zunehmend zwischen die Fronten geraten sei; er habe diesen Schritt aus Respekt vor den Wahlen unternommen. Lehmann selber wird bis nach den Wahlen keine Auskunft geben.
Lehmann hatte den Posten erst im vergangenen September angetreten, dafür hatte er Swiss Ski nach siebzehn Jahren als Präsident verlassen. Der Schritt erstaunte, hatten er und Eliasch doch über Jahre ein schwieriges Verhältnis. Beide wollten 2021 FIS-Präsident werden. Nach Eliaschs Sieg war Lehmann zuerst Mitglied im FIS-Council, was jedoch nur für Reibereien sorgte. Erst als sich Lehmann aus dem Gremium zurückzog, beruhigte sich das Verhältnis. Im Sommer 2025 bot Eliasch Lehmann dann die Stelle als CEO an, die es davor gar nicht gegeben hatte.
Thematisch lägen die beiden gar nicht so weit auseinander, betonte Lehmann immer wieder. Und nahm den Posten an. «Wenn es um die Sache geht – gerne. Ich will einfach keinen politischen Krieg», sagte er im Interview mit der NZZ im Januar 2026.
Lehmann konnte einiges bewegen – aber nicht genugIn den vergangenen Wochen und Monaten konnte man aus Gesprächen in der Skiszene aber heraushören, dass es für Lehmann nicht einfach sei. Auch er habe nicht in dem Ausmass Zugang zu Informationen innerhalb des Verbandes oder die Handlungsfreiheit, die er sich wünschen würde. Dass Eliasch vieles blockiere, nicht transparent kommuniziere, nicht greifbar sei oder leere Versprechungen mache, das sind manche der gröbsten Vorwürfe, die Eliaschs Gegner vorbringen. Urs Lehmann habe sehr wohl einige positive Dinge bewirken beziehungsweise Eliasch zu einer gewissen Transparenz bewegen können.
Für seinen Geschmack aber eben nicht genug. Der Swiss-Ski-Präsident Peter Barandun sagte am Freitag gegenüber SRF: «Ich bin nicht überrascht, es ist ein konsequenter Entscheid. Urs Lehmann ging mit vielen Ambitionen in das neue Amt, die Erwartungen waren auch international riesig. Am Ende konnte er seine Ziele unter den gegebenen Umständen nicht erfüllen. Für den Sport ist das unglaublich schade.»

Keystone
Denn der Zustand des Weltverbandes bereitet den Beteiligten Sorge. Diejenigen, die in den vergangenen Wochen Einblick in die detaillierten Zahlen der FIS bekamen, schlagen nun Alarm: Eliasch soll in den fünf Jahren als Präsident zwischen 80 und 100 Millionen Franken Reserven aufgebraucht haben – auch wenn er selbst intern immer betonte, dass alles in Ordnung und auf bestem Wege sei. «Die finanzielle Situation der FIS ist besorgniserregend», sagte der Swiss-Ski-CEO Diego Züger gegenüber der NZZ schon vor zwei Wochen.
Am Donnerstag verschickte Züger einen Brief an die Führungsetage der FIS und an die National Ski Associations (NSA), die nationalen Skiverbände – dies im Nachgang an ein Meeting im Sitz der FIS in Oberhofen, das Klarheit bezüglich der Finanzen schaffen sollte. Der Brief liegt der NZZ vor.
Im Brief listet Züger die Schlussfolgerungen des Treffens auf, unter anderem: Das Eigenkapital der FIS sei auf rund 43 Millionen Schweizerfranken gesunken. Allein das Jahr 2025 habe 25 Millionen Verlust gebracht. Bei dem derzeitigen strukturellen Defizit des Verbandes sei das Eigenkapital in zwei Jahren aufgebraucht. Doch der Präsident habe noch am Tag vor dem Meeting die NSA darüber informiert, dass der Verband «finanziell solide und für die Zukunft gut aufgestellt» sei. Züger schreibt im Brief: «Die von der FIS-Verwaltung dargestellte finanzielle Lage unterscheidet sich grundlegend von der Botschaft, die kürzlich an die nationalen Verbände übermittelt wurde. Aufgrund aller uns vorliegenden Informationen scheint die Einschätzung des Präsidenten zur finanziellen Lage des Verbandes eine Einzelmeinung zu sein, die von den Verantwortlichen für die Finanzverwaltung und -aufsicht nicht geteilt wird.»
Mehr Druck auf Eliasch – und gleichzeitig das Gesicht gewahrtDie finanzielle Lage und der Unwille, etwas dagegen zu unternehmen, schienen nun auch Lehmann den Rest gegeben zu haben. Weshalb aber geht er ausgerechnet sechs Tage vor der Wahl, wenn sich seine Situation bei einem Führungswechsel entscheidend verbessern könnte?
Einerseits dürfte der Schritt noch mehr Druck auf Eliasch erzeugen. Dass einer seiner wichtigsten Mitarbeiter hinschmeisst, einer, der im Skisport ausserdem schon viel bewegt hat, ist ein weiteres Zeichen an die wahlberechtigten nationalen Verbände, wie besorgniserregend die Situation in der FIS tatsächlich ist.
Anderseits ermöglicht der Schritt Lehmann auch, sein Gesicht zu wahren. Es ist davon auszugehen, dass Eliasch Lehmann nach seiner Wiederwahl entlassen würde. Wie wenig er seinem eigenhändig installierten Geschäftsführer traut, zeigt auch der Umstand, dass der Posten eines CEO in den Statuten noch immer nicht verankert ist – trotz dem Druck der Verbände und des Councils.
Ein wahrscheinliches Szenario ist, dass Lehmann wieder auf den CEO-Posten zurückgeholt wird, wenn jemand anderes als Eliasch die Wahl gewinnt. Im Rennen um die Präsidentschaftswahl am FIS-Kongress in Belgrad sind noch der Liechtensteiner Alexander Ospelt sowie die Britin Victoria Gosling. Wobei Barandun in seinem Interview am Freitag bestätigt hat, dass sich Swiss Ski hinter Ospelt stellen wird und demnach auch die anderen Verbände der Allianz gegen Eliasch. Dass Urs Lehmann fünf Jahre nach seinem ersten Versuch doch noch FIS-Präsident wird – das ist nicht mehr möglich. Eine Kandidatur muss spätestens 60 Tage vor der Wahl eingereicht sein.