Eines der Erfolgsgeheimnisse Mallorcas ist bekanntlich die gute Erreichbarkeit. In den Flieger steigen, und nach gerade mal knapp zweieinhalb Stunden in der Luft hat man sich von Mitteleuropa aus in die mediterrane Welt verabschiedet. Die Reiseart der Wahl für jährlich Millionen Besucher, aber zu wenig herausfordernd für jemanden wie Thomas Ernst. Der Schweizer verzichtete auf die bequeme Variante und stieg aufs Rad. Kein gewöhnlicher Drahtesel, sondern ein Lastenrad – mit Elektromotor versteht sich.
Eines der Erfolgsgeheimnisse Mallorcas ist bekanntlich die gute Erreichbarkeit. In den Flieger steigen, und nach gerade mal knapp zweieinhalb Stunden in der Luft hat man sich von Mitteleuropa aus in die mediterrane Welt verabschiedet. Die Reiseart der Wahl für jährlich Millionen Besucher, aber zu wenig herausfordernd für jemanden wie Thomas Ernst. Der Schweizer verzichtete auf die bequeme Variante und stieg aufs Rad. Kein gewöhnlicher Drahtesel, sondern ein Lastenrad – mit Elektromotor versteht sich.
Mit dem fast 2,50 Meter langen Transportfahrzeug des deutschen Herstellers Riese & Müller machte sich der 46-Jährige vor einigen Wochen von seiner Heimatstadt Zürich auf den Weg gen Süden. An Bord rund 60 Kilo Gepäck, darunter ein Großbildschirm mit Ständer, Laptop, Klamotten, Schuhe, Verpflegung, Zelt und insgesamt zehn Akkus, davon zwei jeweils im Gebrauch. „Ich hatte das komplette Büro dabei“, sagt Ernst. Mit gutem Grund, denn der Schweizer nahm sich nicht einfach eine Auszeit für seine ungewöhnliche Tour, sondern steuerte von unterwegs sein Geschäft in Zürich. Eine Art temporärer radelnder Digitalnomade.
Temporärer radelnder DigitalnomadeAn dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Ernst quasi Kettenöl im Blut, sprich bereits seit früher Jugend mit Fahrrädern zu tun hat, später seine Leidenschaft zum Beruf machte und Inhaber eines Fahrradladens mit zwei Filialen wurde. Zurück zur Mallorca-Reise: Diese führte via Genf, Valence, Montpellier und Girona nach Barcelona. Keine touristische Tour auf Nebenstrecken durch idyllische Landschaften nebst Sightseeing. Ernst wollte vorankommen, suchte sich, wie er berichtet, den kürzesten Weg heraus, „öfters auf Hauptstraßen“. Immer geleitet von seinem Navi.
Lediglich zum Übernachten habe er abgelegene ländliche Plätzchen aufgesucht, wenn er sich nicht zwischendurch ein Hotelzimmer nahm. Das aber auch nur, um die Akkus aufzuladen. Insgesamt hätten seine zehn aufladbaren Batterien eine Reichweite von rund 450 km gehabt. In der Praxis brachte er es auf rund 150 Kilometer täglich – bezogen auf die Fahrt-strecke von 1.200 Kilometern bis in die katalanische Metropole. Die erreichte er in acht Tagen ohne Pannen, ohne Unfall. Lediglich das Navi hatte ihn unterwegs gelegentlich auf unpassierbare Teilstrecken gelotst.
Als unerwartete Hürde entpuppte sich die Fähre. Ernst hatte vorher versucht, einen Platz zu buchen, musste aber feststellen, dass man bei der Fährgesellschaft nicht auf Radfahrer eingestellt war. Nur Motorräder hatte man dort als Zweiräder auf dem Schirm. Am Ende habe er dann einfach eine Person gebucht – ohne Zusatzkosten für sein Gefährt.
Mit dem Militärvelo von Göteborg nach ZürichAuf Mallorca selbst stand dann der Sport im Fokus. Genauer gesagt verbrachte Ernst vier Wochen in einem Sportcamp in Palmanova und eine Woche in einem Triathloncamp bei Capdepera. „Ich bin polisportiv“, charakterisiert er sich selbst, „aber nicht verbissen und nicht wettkampfmäßig.“ Was ihm allerdings Spaß macht, ist, seine Grenzen auszuloten. Das unterstreicht ein Blick auf seine Vergangenheit.
Im Jahr 2001 etwa fuhr Ernst mit einem Schweizer Militärvelo in 15 Tagen vom schwedischen Göteborg nach Zürich. 2009 radelte er von Zürich nach Rotterdam – mit einem 80 Jahre alten Eingang-Militärrad. Letzteres kommt nicht von ungefähr: Ernst absolvierte Anfang der 2000er seinen Militärdienst bei der Radfahrtruppe der Schweizer Armee, die es mittlerweile nicht mehr gibt. Für ihn eines der Schlüsselerlebnisse seiner Leidenschaft für das Fortbewegungsmittel Rad im Allgemeinen und Spezialräder im Besonderen. Erwähnt sei auch der Fünf-Tages-Trip 2014 mit dem E-Cargo-Bike nach London, wo er anschließend an der Faltrad-Weltmeisterschaft teilnahm. Und vor vier Jahren fuhr er mit einem Gravelbike nach Sizilien – ohne Motor.
„Ich halte Fahrräder für das effizienteste Verkehrsmittel überhaupt“, sagt Ernst, der seinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten möchte. Ihm sei wichtig zu zeigen, wie weit man mit wenigen Ressourcen komme. Er notiere sich daher auf seinen Touren immer die Menge Strom, die er benötigt hat und welcher Menge Benzin das entspricht. Seine Bilanz: „Das ist extrem, wie wenig man verbraucht.“
Auf Mallorca mehr Sportgerät als FortbewegungsmittelUnd wie hat er Mallorca aus der Fahrradfahrer-Perspektive wahrgenommen? Auf der Insel war Ernst immer wieder mit dem Lastenrad unterwegs, zumal er es in fünf der insgesamt zehn Wochen auf der Insel etwas ruhiger anging und in verschiedenen Fincas respektive einem Ferienhaus logierte. Das Rad werde hier weniger als Fortbewegungsmittel denn als Sportgerät benutzt, war eine Beobachtung. Und das Lastenrad sei noch etwas Exotisches. Ansonsten habe er unterwegs gute Erfahrungen gemacht. Keine gefährliche Situationen, „die Autofahrer sind daran gewöhnt, dass Radfahrer unterwegs sind“.
Gut möglich, dass Ernst seine Erfahrungen im nächsten Jahr vertieft. Er könne sich vorstellen, die Tour noch einmal zu machen, sagt er, um Ende April am Radrennen „Mallorca 312“ teilzunehmen. Für die Reise selbst will er dann allerdings ein schnelleres Lastenrad mit bis zu 45 km/h Unterstützung nehmen und die Strecke in fünf Tagen bewältigen. Das wären zwei Tage weniger, als er für seine Rückreise in diesem Jahr von Mallorca nach Zürich benötigt hat.
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