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Ärzte-IN in Düsseldorf: Drogenbeauftragter Streeck warnt vor Crack-Epidemie

Дата публикации: 01-07-2026 19:51:00




Beim Netzwerk-Treffen Ärzte-IN in Düsseldorf diskutierten Hendrik Streeck, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, und Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von NRW (beide CDU), über die jüngste Hitzewelle, die Lage an den Krankenhäusern und die zunehmende Gefahr durch harte Drogen.



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Ärzte-IN in Düsseldorf Drogenbeauftragter Streeck warnt vor Crack-Epidemie
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So war der erste „Ärzte IN“-Treff 2026

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Düsseldorf · Beim Netzwerk-Treffen Ärzte-IN in Düsseldorf diskutierten Hendrik Streeck, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, und Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von NRW (beide CDU), über die jüngste Hitzewelle, die Lage an den Krankenhäusern und die zunehmende Gefahr durch harte Drogen.

Die Hitzewellen setzen Rettungsdienste und Krankenhäuser unter Druck, immer mehr Menschen nehmen Drogen und das Gesundheitswesen ächzt unter der Krankenkassenreform. Am Mittwoch standen Reizthemen im Mittelpunkt des Netzwerk-Treffens Ärzte-IN, zu dem Rheinische Post und Deutsche Apotheker- und Ärzte-Bank eingeladen hatten. Als Talk-Gäste kamen zu der Ressortleiterin Wirtschaft der Rheinischen Post, Antje Höning, Hendrik Streeck, der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, und Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister von NRW (beide CDU).

Hitze

Streeck, der selbst neun Jahre in den USA gelebt hat, kritisierte den Mangel an Klimaanlagen in Deutschland. Man müsse sich darauf einstellen, dass es regelmäßiger zu solchen Situationen komme. Jeder Hitzetote müsse vermieden werden. Laumann zeigte sich zufrieden damit, wie die Einsatzkräfte die Hitzetage gemeistert hätten. „Wir hatten am Samstag und Sonntag in vielen Städten in NRW eine Situation, in der die Systeme stark herausgefordert waren.“ Die Strukturen hätten es aber an jeder Stelle hinbekommen. Laumann lobte, dass man in Deutschland in der glücklichen Lage sei, dass man die normalen Strukturen im Rettungsdienst relativ schnell aufwachsen lassen könne – etwa durch den Katastrophenschutz oder ehrenamtliche Kräfte wie das Rote Kreuz. Seit 2023 arbeite das Landeszentrum für Gesundheit an Strategien, Plänen und Lageskizzen, wie man mit extremer Hitze umgehen könne. „Unsere Strukturen sind ganz gut vorbereitet.“ Er selbst glaube, dass man in Deutschland im Privaten eine andere Einstellung zu Klimaanlagen bekommen werde. Vor zehn Jahre habe es noch geheißen, dass das Stromverschwendung sei. Angesichts des PV-Anlagenausbaus werde sich das aber ändern.

Krankenhäuser

Streeck sagte, er hoffe, dass die Gesundheitsreform in der kommenden Woche im Bundestag sein werde. „Dieses Gesetz wird nur gemacht, damit die Beiträge im nächsten Jahr nicht steigen.“ Auch sei es notwendig, um die Wirtschaft nicht total abzuwürgen. Besonders die Einsparungen bei den Kliniken sorgen derzeit aber für heftige Kritik. Die Verhandlungen mit den Krankenhäusern gestalteten sich sehr schwierig, räumte Streeck ein. Auch zwischen CDU und SPD gebe es dazu sehr unterschiedliche Meinungen: „Das wird am Ende von den Fraktionsspitzen entschieden werden müssen“, prognostizierte er.

Hier wurde Laumann besonders deutlich: „Wenn das Gesetz so verabschiedet wird, wie es im Bundestag liegt, dann werden wir in NRW bei den freigemeinnützigen Krankenhäusern große Probleme bekommen“, sagte er voraus. Denn die hätten – anders als die kommunalen Krankenhäuser oder die Universitätskliniken – niemanden, der die Belastungen auffange. „Das muss ich im Auge haben“, sagte er und forderte Anpassungen. So müssten die Krankenhäuser mehr Beinfreiheit beim Personaleinsatz bekommen.

Niedergelassener Bereich

Laumann forderte, dass auch für die niedergelassenen Ärzte schnell eine Strukturreform hermüsse – etwa in Form eines Primärärztesystems. Dass man nun zunächst die Beiträge stabilisiere und sich erst dann den Strukturen zuwende, nannte der NRW-Gesundheitsminister okay, forderte aber, dass die Reform schnell nachgeschoben werden müsse.

Laumann sprach sich zwar noch für Änderungen am Beitragsstabilisierungsgesetz aus. Wenn es unverändert komme, wisse er nicht, ob er in seinem Kabinett für Zustimmung werben solle. Er baute aber auf ein Treffen von acht Landesgesundheitsministern mit den Fraktionen. „Hoffen wir mal, dass wir es da irgendwie hinkriegen, den Knoten durchzuschlagen.“ Laumann warnte auch davor, dass man sich versündige, wenn man eine solche Reform kaputtmache.

Cannabislegalisierung

Minister Laumann hielt sich nicht zurück mit seiner Kritik an der Teillegalisierung von Cannabis. „Das Gesetz ist so irre, dass es kein Mensch kontrollieren kann.“ Dass man zudem eine Droge legalisiere, die man in den entsprechenden Mengen gar nicht kaufen könne, kritisierte er ebenfalls. „Da musst Du schon Professor sein“, sagte er mit Blick auf den früheren Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der die Cannabislegalisierung zu verantworten hatte – nahm zugleich aber Professor Streeck davon aus und ergänzte: „Wenn man das als Handwerk bezeichnet, wäre das die Beleidigung eines jeden ehrlichen Schlossers.“ Streeck zeigte sich selbst ebenfalls nicht als Anhänger der Legalisierung, wies allerdings zugleich auf die Zwänge der Koalition hin. Er regte an, das System des medizinischen Cannabis zu überarbeiten. 2023 habe man dafür noch acht Tonnen importiert, im vergangenen Jahr seien es bereits 200 Tonnen gewesen. Er skizzierte, dass einige Ärzte alle zwei Minuten ein Rezept für Cannabis ausstellten. Da müsse man genauer hinschauen. „Ich finde, das ganze Gesetz muss angepackt werden.“ Zugleich sagte er, man habe eine Realität, dass fünf Millionen Leute in Deutschland kifften. Streeck zeigte sich offen dafür, Konsumcannabis in der Apotheke zu verkaufen. „Das wäre eine Möglichkeit im Rahmen von Pilotprojekten“, sagte er. Dies sei seine persönliche Meinung. Mit einem Augenzwinkern sagte er zu Laumann: „Die Steuern könnten dann auch nach NRW gehen.“

Vape-Verbot

Der Sucht- und Drogenbeauftragte forderte ein Verbot von süßen Aromen für Vapes. „Wenn es nach mir ginge, würde ich das sofort verbieten“, sagte Streeck. Ihm gehe es besonders um die Geschmacksrichtungen, die darauf abzielten, junge Leute in eine Nikotinabhängigkeit zu bringen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte über solche Vape-Aromen: „Das richtet Riesenschäden an, und es ist ein Verbrechen an jungen Leuten, sie an diese Geschichte schon fast spielerisch heranzuführen.“

Harte Drogen

Streeck zeigte sich besorgt über die Ausbreitung harter Drogen und die Rekordzahlen von Toten in den Jahren 2023 und 2024. Synthetische Opioide würden immer mehr in Deutschland ankommen. Diese seien 500-mal so potent wie normales Heroin. Eine Dosis in Bleistiftspitzengröße könne tödlich sein. Der Drogenbeauftragte schilderte zudem die Crack-Epidemie in vielen Kommunen. „Crack war noch nie so rein, noch nie so potent, noch nie so leicht verfügbar.“ Es sei ein Kampf gegen Windmühlen. Zumal es keine medizinische Antwort auf Crackabhängigkeit gebe. Laumann äußerte sich zu den Überlegungen der Oberbürgermeister von Düsseldorf und Köln, Kleinsthandel harter Drogen nicht mehr zu verfolgen. „Das ist schon eine sehr viel schwierigere Frage.“ Er verstehe, dass man damit die Stadtbilddebatte beherrschen wolle. Es sei aber schwierig, einem Polizisten zu sagen, dass er weggucken solle, wenn gedealt werde. „Aber ich glaube, dass man solche Debatten führen muss.“ Er werde das in der kommenden Woche mit NRW-Innenminister Herbert Reul und Justizminister Benjamin Limbach tun. „Die Bevölkerung empfindet es als Staatsversagen, dass wir solche Bilder an bestimmten Stellen unserer Städte haben und keiner etwas dagegen tut.“

Streeck warnte, es allein beim Mikrohandel zu belassen, sei die falsche Richtung. Auch die Drogenintervention und die Suchtmedizin müssten massiv gestärkt werden. „Und in all diesen Bereichen fahren wir gerade massiv zurück.“

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