Berichten zufolge wurde die Haftanstalt "Rodeo I" schwer beschädigt. Zudem gibt es Hinweise auf massive Gewalt gegen Gefangene.
Am Nachmittag des 24. Juni 2026 erschütterten zwei Erdbeben den Norden Venezuelas mit einer Stärke von jeweils 7,2 und 7,5 auf der Richterskala. Von den Erdbeben waren vor allem dicht besiedelte Bundesstaaten betroffen, darunter La Guaira, Caracas, Carabobo, Falcón, Aragua, Miranda und Yaracuy. Nach offiziellen Angaben vom 12. Juli waren mindestens 4.561 Menschen ums Leben gekommen, 16.740 wurden verletzt und 17.907 hatten ihr Zuhause verloren. Hunderte Wohnblocks und andere Gebäude sind eingestürzt oder haben strukturelle Schäden davongetragen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Zahlen nicht das gesamte Ausmaß der durch die Erdbeben verursachten menschlichen und materiellen Schäden widerspiegeln. Berichten zufolge werden noch immer Tausende vermisst. Der Zugang zu Informationen ist nach Jahren staatlich geförderter Zensur und einer Politik der Unterdrückung nach wie vor eingeschränkt.
Am 25. Juni veröffentlichte Amnesty International eine Pressemitteilung, in der die Organisation vor den verheerenden Auswirkungen warnte, die diese Erdbeben auf die Menschen in Venezuela haben dürften – vor dem Hintergrund einer seit einem Jahrzehnt andauernden komplexen humanitären Notlage, einer systematischen Politik der Unterdrückung und, was besonders schwerwiegend ist, eines zusammengebrochenen Gesundheitssystems. Am 30. Juni veröffentlichte Amnesty International eine Urgent Action, in der eine menschenrechtskonforme und diskriminierungsfreie Katastrophenhilfe gefordert wird.
Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 haben die venezolanischen Behörden langsam und sporadisch einige willkürlich Inhaftierte freigelassen, die meisten mit Auflagen und unter Aufrechterhaltung der strafrechtlichen Ermittlungen oder Anklagen gegen sie. So auch die beiden gewaltlosen politischen Gefangenen und Menschenrechtsverteidiger Javier Tarazona und Carlos Julio Rojas. Am 6. Juli waren nach Angaben der venezolanischen NGO Foro Penal noch immer mindestens 372 Menschen aus politischen Gründen willkürlich inhaftiert, wobei andere lokale NGOs wie Justicia, Encuentro y Perdón zum 13. Juli eine Zahl von 518 angeben.
Seit 2020 haben Berichte der unabhängigen internationalen Untersuchungsmission der UN für die Bolivarische Republik Venezuela (FFM) Hunderte Fälle von außergerichtlichen Hinrichtungen, Verschwindenlassen, willkürlichen Inhaftierungen, Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung, die seit 2014 im Land begangen wurden, dokumentiert. Ebenfalls belegen die Berichte die Art und Weise, in der das Justizsystem als Instrument für die Unterdrückungspolitik der Regierung dient, und kommen zu dem Schluss, dass einige dieser internationalen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Die Regierung fährt damit seit Langem eine repressive und auf Schikane, Strafverfolgung und Zensur beruhende Linie gegen Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für den Schutz der Rechte der Venezolaner*innen einsetzen. In Venezuela herrscht derweil eine komplexe humanitäre und menschenrechtliche Krise, die dazu geführt hat, dass so viele Menschen wie nie zuvor das Land verlassen haben, um im Ausland Schutz zu suchen. Bis Mai 2025 waren 7,9 Millionen Menschen aus Venezuela geflohen.
Seit November 2021 führt die Anklagebehörde des Internationalen Strafgerichtshofs ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren zu der Lage in Venezuela durch und konzentriert sich dabei insbesondere auf von den Sicherheitskräften, zivilen Behörden und regierungstreuen Gruppen (Colectivos) mindestens seit April 2017 begangene Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie "Inhaftierung und andere schwere Formen des Entzugs der körperlichen Freiheit; Folter; Vergewaltigung und andere Formen der sexualisierten Gewalt [sowie] Verfolgung aus politischen Gründen".
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