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Ab 75 Prozent der Neubaukosten spricht vieles für Abriss

Дата публикации: 14-07-2026 09:43:00

Sanieren ist nicht immer die günstigere Lösung. Welche Kosten Sie vergleichen sollten und in welchen Fällen ein Neubau wirtschaftlicher sein kann.

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Sanieren ist nicht immer die günstigere Lösung. Welche Kosten Sie vergleichen sollten und in welchen Fällen ein Neubau wirtschaftlicher sein kann.

Als Bausachverständiger werde ich oft gerufen, wenn die Entscheidung längst gefallen ist. Die Familie hat das Haus der Großeltern geerbt, will es behutsam herrichten und hängt emotional daran.

Niemand möchte hören, dass Abriss und Neubau am Ende günstiger, energetisch besser und steuerlich vorteilhafter sein können. Trotzdem ist es manchmal genau so, und es gibt eine Faustzahl, an der man es festmachen kann.

Tobias Beuler ist Bausachverständiger, mehrfacher Spiegel-Bestseller-Autor („Bau keinen Scheiß“) und YouTube-Host. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Die 75-Prozent-Schwelle

Meine Regel ist einfach: Wenn die ehrlich kalkulierte Vollsanierung mehr als 75 Prozent dessen kostet, was ein vergleichbarer Neubau auf demselben Grundstück kosten würde, gehört der Abriss ernsthaft auf den Tisch.

Der Grund ist nicht nur der Preis. Für die letzten 25 Prozent Ersparnis kaufen Sie sich beim Sanieren ein altes Haus mit allen Kompromissen: den alten Grundriss, die alte Raumhöhe, die alte Statik, oft schlechtere Dämmwerte und ein Risiko, das niemand seriös beziffern kann.

Ein Neubau im Effizienzhaus-Standard kostet je nach Region und Ausstattung grob 3000 bis 4000 Euro pro Quadratmeter, das Grundstück nicht eingerechnet. Eine echte Kernsanierung eines Altbaus liegt schnell bei 1800 bis 3000 Euro pro Quadratmeter, und das sind die Zahlen vor den Überraschungen. Sie sehen: Der Abstand ist kleiner, als die meisten glauben.

Viele Eigentümer unterschätzen die tatsächlichen Sanierungskosten

Die Argumente für die Sanierung sind ja nicht falsch. Im Bestand steckt graue Energie, also die CO2-Last, die bei Herstellung und Einbau der vorhandenen Baustoffe schon angefallen ist. Sie sparen Bauschutt, Sie sparen Zeit im Genehmigungsverfahren, und ein gewachsenes Haus hat einen Charme, den ein Neubau erst in Jahrzehnten bekommt. Hinzu kommt die verbreitete Annahme, sanieren sei grundsätzlich billiger. Bei einem soliden Haus mit gutem Tragwerk stimmt das oft auch.

Das Problem ist, dass diese Vorteile pauschal angenommen und nie gegengerechnet werden. Genau diese Lücke kostet am Ende Geld.

Versteckte Mängel treiben die Sanierung oft massiv in die Höhe

Der entscheidende Unterschied zwischen Sanierung und Neubau ist das Risiko. Beim Neubau ist die Kalkulation weitgehend bekannt. Bei der Sanierung kalkulieren Sie gegen das Unbekannte hinter der Wand. Ich öffne eine Decke und finde morsche Balken, ich messe und finde Asbest in der Dachpappe oder im Fliesenkleber, ich prüfe die Gründung und stelle fest, dass das Fundament für die neuen Lasten nicht ausreicht. Jeder dieser Funde ist ein Nachschlag, der im ursprünglichen Angebot nicht stand.

Dazu kommt: Ein altes Gebäude erreicht selbst nach teurer Sanierung selten die Werte eines Neubaus. Sie investieren viel und bekommen am Ende einen guten Altbau, keinen Neubau. Ab der 75-Prozent-Marke ist dieses Verhältnis aus Aufwand und Ergebnis meist nicht mehr zu rechtfertigen.

Neubauten können steuerlich deutliche Vorteile bieten

Hier wird es für Eigentümer und Kapitalanleger richtig interessant, und hier hört meine Zuständigkeit als Bausachverständiger streng genommen auf. Bitte besprechen Sie die Details mit Ihrem Steuerberater. Was ich aus der Praxis beisteuern kann, sind die Hebel, die man kennen sollte.

Beim Neubau einer vermieteten Wohnimmobilie gibt es seit dem Wachstumschancengesetz wieder eine degressive Abschreibung von fünf Prozent jährlich für Gebäude, mit deren Bau in einem festgelegten Zeitfenster begonnen wird. Das beschleunigt die steuerliche Geltendmachung erheblich, gerade in den ersten Jahren, und zwar auf einer höheren Bemessungsgrundlage als beim Altbau. Für klimafreundliche Neubauten gibt es zudem zinsverbilligte KfW-Kredite.

Steuerfallen machen Sanierungen zusätzlich unattraktiv

Auf der Sanierungsseite lauert dagegen eine Falle, die viele Käufer übersehen: die Grenze für anschaffungsnahe Herstellungskosten. Wer innerhalb von drei Jahren nach dem Kauf mehr als 15 Prozent der Gebäude-Anschaffungskosten in Instandsetzung steckt, darf diese Kosten nicht sofort als Werbungskosten abziehen, sondern muss sie über die Nutzungsdauer abschreiben. Aus einem geplanten Sofortabzug wird dann eine Abschreibung über Jahrzehnte. Wer das nicht einplant, verschätzt sich bei der Liquidität deutlich.

Förderrechtlich gilt: Die energetische Sanierung wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude bezuschusst, und für Einzelmaßnahmen gibt es attraktive Zuschüsse. Doch je tiefer der Eingriff, desto näher liegen die Sanierungskosten am Neubau, ohne dessen Vorteile zu erreichen. Diese Rechnung muss man Maßnahme für Maßnahme aufmachen, nicht pauschal.

Auch über 75 Prozent kann Sanieren sinnvoll sein

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Unter der 75-Prozent-Schwelle ist Sanieren in den meisten Fällen die richtige Wahl. Und es gibt Konstellationen, in denen sich Sanieren auch darüber hinaus lohnt. Bei einem denkmalgeschützten Gebäude greifen erhöhte Abschreibungssätze, die den Neubau steuerlich schlägt.

In einem Milieuschutzgebiet oder bei bestehender Erhaltungssatzung bekommen Sie ohnehin keine Abrissgenehmigung. Und wenn die Bausubstanz im Kern gesund ist, also Tragwerk, Fundament und Dachstuhl in Ordnung sind, dann ist der Bestand klar im Vorteil, auch ökologisch.

Zwei Kalkulationen verhindern teure Fehlentscheidungen

Mein Rat ist immer derselbe: Lassen Sie vor der Grundsatzentscheidung zwei vollständige Kalkulationen aufstellen, eine für die Sanierung mit realistischem Risikoaufschlag und eine für Abriss und Neubau.

Setzen Sie die Sanierungssumme ins Verhältnis zum Neubaupreis. Liegen Sie darunter und ist die Substanz tragfähig, sanieren Sie. Kratzen Sie an den 75 Prozent oder darüber, dann ist der Abriss keine Niederlage, sondern oft die wirtschaftlich und energetisch klügere Entscheidung.

Die teuerste Variante ist fast immer die, bei der man mitten in der Sanierung merkt, dass man besser abgerissen hätte.

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Классификация: Недвижимость. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 13.33. Источник: rss.focus.de.