Hohe Kosten, komplexe Förderregeln. Viele Eigentümer treffen gerade die falsche Entscheidung. Aber nicht in die Richtung, die man vermuten würde.
Hohe Kosten, komplexe Förderregeln. Viele Eigentümer treffen gerade die falsche Entscheidung. Aber nicht in die Richtung, die man vermuten würde.
Aus über 8000 begleiteten Bauprojekten weiß ich: Der teuerste Fehler ist nicht, ob man saniert oder nicht. Der teuerste Fehler ist, gar keinen Plan zu haben.
Die Sanierungsquote im deutschen Wohngebäudebestand ist 2025 auf 0,67 Prozent gefallen. Eigentümer machen die Schotten dicht. Verständlich, wenn Modellrechnungen für Komplettsanierungen bei 250.000 Euro landen. Trotzdem ist die Vollbremsung in den meisten Fällen die schlechteste Reaktion. Sie spart kurzfristig und kostet langfristig oft mehr. Genauso gut könnte man sich die Zahnreinigung beim Zahnarzt sparen. Auch das reißt tiefe Löcher, nicht nur ins Budget. Und außerdem: Teurer als 250.000 Euro wird es eigentlich nur in München, Berlin und Hamburg. In allen anderen Regionen klappt eine Komplettsanierung oft für die Hälfte.
Eigentümer stellen außerdem die falsche Frage. "Sanieren oder lassen?" ist zu eng gedacht. Die richtige Frage lautet: Was muss zuerst, was darf warten, was wird durch Warten teurer? Wer das nicht selbst priorisieren kann, sollte sich professionelle Hilfe holen.
Tobias Beuler ist Bausachverständiger, mehrfacher Spiegel-Bestseller-Autor („Bau keinen Scheiß“) und YouTube-Host. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Der häufigste Fehler auf meinen Hausbegehungen: Eigentümer sehen die Zahl für die Komplettsanierung, sehen, dass das nicht in ihre Finanzierung passt, und machen lieber gar nichts. Das ist die teuerste Logik überhaupt.
Komplettsanierung ist ein Projekt, Sanierungsstrategie ein Plan. Wer das große Projekt nicht stemmen kann, braucht gerade deshalb die kleine Reihenfolge: Dämmung der obersten Geschossdecke für rund 5000 Euro, Kellerdeckendämmung für etwa 7000 Euro, hydraulischer Abgleich, Tausch alter Heizungspumpen. Maßnahmen, die wenig kosten, wenig Risiko haben und schnell wirken.
Der Baupreisindex für Wohngebäude ist seit 2020 um knapp 49 Prozent gestiegen, allein im letzten Jahr legte die Instandhaltung um weitere 4,1 Prozent zu. Ein Bauteil, das heute alt ist, wird in fünf Jahren nicht günstiger. Die einzige Form von Warten, die wirklich spart, ist das geplante Warten. Wer weiß, dass das Dach in zwei Jahren ohnehin neu gemacht werden muss, kann genau dann auch die Aufsparrendämmung mitdenken: ein Gerüst, eine Beauftragung, eine Baustelle.
In fast jeder Privatkalkulation fehlt ein Wort: Sowiesokosten. Das sind die Kosten, die ohnehin anfallen, weil ein Bauteil am Ende seiner Lebensdauer ist. Die Verbraucherzentrale rechnet das am Beispiel Fassadendämmung vor: Ein Wärmedämmverbundsystem kostet normalerweise 160 bis 190 Euro pro Quadratmeter. Wenn die Fassade ohnehin saniert werden muss, weil der Putz alt und rissig ist, liegen die echten Zusatzkosten nur noch bei 90 bis 100 Euro. Halbe Rechnung.
Das erklärt, warum dieselbe Maßnahme im einen Haus nach 14 Jahren amortisiert ist und im anderen erst nach 70. Es liegt am Zeitpunkt, nicht an der Maßnahme. Die wichtigste Sanierungsfrage lautet deshalb oft nicht "Was kostet die Dämmung?", sondern "Was kostet die Fassade ohnehin?"
Bauteil für Bauteil zu sanieren, ohne den Gesamtblick, kann neue Probleme schaffen. Wer eine Wärmepumpe in ein ungedämmtes Haus setzt, kauft eine Anlage für den schlechten Ist-Zustand. Wird das Haus später gedämmt, ist die Heizung überdimensioniert, taktet ineffizient und lebt kürzer. Erst die Hülle, dann den Wärmebedarf neu rechnen, dann die passende Heizung wählen. So wird die Anlage kleiner, günstiger und langlebiger. Sanierung ist keine Einkaufsliste.
Wer ein Ein- oder Zweifamilienhaus kauft oder erbt, hat nach dem Gebäudeenergiegesetz innerhalb von zwei Jahren bestimmte Nachrüstpflichten zu erfüllen: alte Heizkessel, ungedämmte Heizungsrohre in unbeheizten Räumen, oberste Geschossdecke. Wer das nicht weiß, kauft eine Rechnung mit, die er nicht eingeplant hat.
Spartipp für Käufer: Bevor Sie kaufen, lassen Sie die Immobilie von einem Gutachter prüfen. Ein Profi erkennt Mängel und schätzt Sanierungskosten ab. Die Zahlen können Sie in die Kaufpreisverhandlung mitnehmen. Ein dokumentierter Sanierungsaufwand von beispielsweise 50.000 Euro kann den Kaufpreis um genau diese Summe drücken. So verhandelt man wie ein Profi.
Einer der teuersten Reihenfolgenfehler: zuerst den Handwerker beauftragen, dann nach Förderung schauen. Förderung gibt es nicht rückwirkend. Wer zu früh unterschreibt, verliert sie.
Mit einem individuellen Sanierungsfahrplan eines Energieeffizienz-Experten verdoppelt sich die Obergrenze der förderfähigen BAFA-Kosten von 30.000 auf 60.000 Euro pro Wohneinheit, bei der KfW-Heizungsförderung sind bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich. Der individuelle Sanierungsfahrplan, kurz iSFP, ist genau das Werkzeug, das viele Eigentümer suchen, ohne es zu kennen. In meiner Beratungspraxis ist es eines der wirksamsten überhaupt.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | DIY am Haus: Was Sie selbst machen können und was nicht | 0 | 8.16 | 01-05-2026 |
| 2 | Altbau gekauft? Diese Fehler können richtig teuer werden | 0 | 8.71 | 16-07-2026 |
| 3 | Darauf sollten Sie beim Einzug achten – sonst wird es teuer | 0 | 8.16 | 29-04-2026 |
| 4 | Wer ohne Plan seine Immobilie verkauft, verliert Geld | 0 | 8.71 | 15-04-2026 |
| 5 | Ab 75 Prozent der Neubaukosten spricht vieles für Abriss | 0 | 13.33 | 14-07-2026 |
| 6 | Wer Immobilienpreise zu hoch ansetzt verliert am Ende Geld | 0 | 7.51 | 24-04-2026 |
| 7 | Unter 20 werde ich beim Immobilienkauf misstrauisch | 0 | 12.07 | 29-06-2026 |
| 8 | Neue EU-Regeln ab Mai: Wer zahlt die Haussanierung? | 0 | 14.49 | 06-05-2026 |
| 9 | Ошибки в сведениях о площади жилья приводят к переплате за коммунальные услуги | -1 | 8.76 | 22-07-2026 |
| 10 | Bauen in Deutschland: „Wir bauen Wohnungen wie Bentleys – gebraucht werden Dacias“ | 0 | 8.48 | 21-06-2026 |