Das Gesetz beruhigt die Debatte doch fossile Heizungen bergen Kostenrisiken. Steigende CO₂-Preise könnten vielen Haushalten einen Kosten-Schock bringen.
Das Gesetz beruhigt die Debatte doch fossile Heizungen bergen Kostenrisiken. Steigende CO₂-Preise könnten vielen Haushalten einen Kosten-Schock bringen.
Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz wird als Befreiung verkauft. Keine 65-Prozent-Vorgabe mehr, keine klaren Leitplanken, stattdessen Technologieoffenheit und Wahlfreiheit. Nach den politischen Turbulenzen rund um das Heizungsgesetz soll Ruhe einkehren. Doch diese Ruhe könnte teuer erkauft sein.
Der Gebäudesektor verfehlt seit Jahren seine Klimaziele. Anstatt nun die Transformation zu beschleunigen, zieht sich der Staat regulatorisch zurück und erlaubt weiterhin den Einbau fossiler Heizungen. Das ist kein technischer Detailwechsel, sondern eine strategische Entscheidung. Und sie hat Konsequenzen.
Heizungen sind Investitionen für Jahrzehnte. Wer 2026 oder 2027 noch eine Gasheizung einbaut, legt Emissionen und Kosten bis weit in die 2040er-Jahre fest. Gleichzeitig steht politisch fest: Fossile Energieträger sollen über den CO₂-Preis systematisch verteuert werden. Der CO₂-Preis ist kein Zufall, sondern ein politisch gewolltes Instrument. Wer heute neu auf Gas setzt, geht also eine Wette ein – auf dauerhaft niedrige fossile Preise. Diese Wette ist riskant.
Die sogenannte Bio-Treppe ändert daran wenig. Ab 2029 sollen fossile Heizungen zu zehn Prozent mit klimaneutralen Brennstoffen betrieben werden. Doch Biomethan oder synthetische Gase sind deutlich teurer als fossiles Erdgas. Diese Mehrkosten werden nicht verschwinden. Sie werden in den Tarifen auftauchen und damit auf der Heizkostenabrechnung der Haushalte.
Technologieoffenheit klingt verbraucherfreundlich. Tatsächlich verschiebt sie das Kostenrisiko in die Zukunft. Kurzfristig mag die Investition günstiger erscheinen. Langfristig steigen die Betriebskosten. Das trifft besonders Mieterinnen und Mieter, denn sie tragen die laufenden Energiekosten über die Nebenkostenabrechnung. Eigentümer entscheiden über die Heiztechnik, Mieter zahlen die Rechnung.
Hinzu kommt ein weiteres Risiko: das politische Nachsteuern. Das Gesetz setzt auf moderate Quoten und eine Evaluierung im Jahr 2030. Sollte sich dann zeigen, dass die Emissionen im Gebäudesektor weiter zu hoch sind – und vieles spricht dafür –, wird die Politik reagieren müssen. Höhere CO₂-Preise, strengere Vorgaben oder neue Förderprogramme wären die logische Folge. Je später korrigiert wird, desto drastischer fallen die Maßnahmen aus. Das verteuert die Transformation unnötig.
Ökonomisch ist das schwer nachvollziehbar. Präventive Klarheit ist günstiger als spätere Reparaturpolitik. Wer heute fossile Systeme weiter zulässt, produziert morgen höheren Anpassungsdruck. Die Kosten verschwinden nicht, sie werden nur verschoben.
Gleichzeitig investiert Deutschland Milliarden in erneuerbaren Strom, Netzausbau und Wärmenetze. Die strategische Richtung der Energiewende ist klar: Elektrifizierung und Effizienz. Wenn nun parallel neue fossile Heizungen eingebaut werden, entstehen widersprüchliche Signale. Märkte reagieren auf Richtung. Wenn diese Richtung unklar ist, entstehen Investitionszurückhaltung und Unsicherheit.
Das Gesetz löst kurzfristig ein politisches Problem, verschärft aber langfristig ein ökonomisches. Es beruhigt die Debatte, ohne die strukturelle Herausforderung zu lösen. Die Wärmewende braucht klare Leitplanken, verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Stattdessen wird Verantwortung stärker auf den Markt und die einzelnen Haushalte verlagert.
Am Ende bleibt eine einfache Frage: Wer trägt das Risiko, wenn die Rechnung nicht aufgeht?
Die Antwort ist ernüchternd. Es sind die Verbraucherinnen und Verbraucher. Es sind die Mieter, die steigende Nebenkosten zahlen. Es ist der Staat, der später mit teuren Programmen gegensteuern muss. Und es sind kommende Generationen, die die Klimafolgekosten tragen.
Heizungsfreiheit klingt nach Selbstbestimmung. Doch wenn sie auf steigenden CO₂-Preisen, teuren Ersatzbrennstoffen und politischem Nachsteuerungsdruck basiert, ist sie keine Entlastung. Sie ist ein Aufschub – mit Zinseszins.
Claudia Kemfert ist Professorin für Energieökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und der Leuphana-Universität in Lüneburg. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
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