Gas oder Wärmepumpe? Unsere Rechnung zeigt, wie CO₂-Preis, Netzentgelte und EU-Vorgaben Ihre Heizkosten auf bis 12.000 Euro explodieren lassen.
Neue Vorgaben im Heizungsgesetz verändern die Kostenstruktur deutlich. Wer jetzt investiert, sollte Anschaffung, CO₂-Preis, Netzentgelte und EU-Regeln genau durchrechnen, sonst drohen hohe Folgekosten.
Mit der Änderung des Heizungsgesetzes sollen Gasheizungen erlaubt bleiben: Die Bundesregierung hat die umstrittene 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien aufgehoben. Stattdessen gilt künftig eine sogenannte Bio-Quote: Ab 2029 müssen neue Gas- und Ölheizungen mindestens zehn Prozent klimafreundliche Brennstoffe nutzen. Dieser Anteil soll in den Folgejahren schrittweise steigen.
Für Eigentümer bedeutet das mehr Wahlfreiheit – aber auch neue Risiken. Statt einer Wärmepumpe oder anderen klimafreundlichen Anlagen können Sie weiter auf fossile Energie setzen.
Wenn Sie eine Gas- oder Ölheizung kaufen, muss sie später mit klimafreundlichen Brennstoffen laufen können. Dazu gehören etwa Wasserstoff, Bio-Methan oder Bio-Heizöl. Bei Gasheizungen ist hier das Label „H2 ready“ entscheidend.
Allerdings erlaubt das nur den Betrieb mit maximal 20 Prozent Wasserstoff. Gasheizungen, die auch mit mehr oder gar ausschließlich mit Wasserstoff laufen, sind bislang nicht im Markt verfügbar. Bei Ölheizungen sieht es ähnlich aus. Selbst moderne Geräte erlauben maximal eine Beimischung von 20 Prozent Bio-Heizöl.
Wer heute eine solche Heizung kauft, muss Anfang der 2030er Jahre voraussichtlich erneut umrüsten. Bis dahin soll es Umrüstkits für Gas- und Ölheizungen geben. Deren Preis wird zwischen 100 und 1000 Euro liegen. Auch eine zweite Generation von Gasheizungen, die künftig völlig mit Wasserstoff betrieben werden können, ist noch für dieses Jahr geplant.
Jede der drei Heizungsvarianten braucht ein eigenes Antriebsmittel:
Bei Gasheizungen ist es Erdgas mit einem Biogas-Anteil von mindestens zehn Prozent.
Bei Ölheizungen braucht man Bio-Heizöl.
Bei Wärmepumpen ist Strom vonnöten.
Zudem ist der Verbrauch entscheidend:
Single-Haushalte verbrauchen im Schnitt etwa 5000 Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr. Darin ist der Warmwasserverbrauch eingerechnet.
Paar-Haushalte haben in der Regel den doppelten Verbrauch, also 10.000 Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr.
Für Familien mit zwei Kindern verdoppelt sich der Bedarf erneut auf 20.000 Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr.
Entsprechend können wir jetzt also die jährlichen Kosten berechnen. Für die Kilowattstunde Erdgas zahlen Sie laut Verivox im Schnitt zehn Cent. Bio-Heizöl ist durchschnittlich zehn Prozent teurer als normales Heizöl. Damit liegt es bei etwa 1,075 Euro pro Liter. Für Wärmepumpen gibt es spezielle Stromtarife. Sie sind rund 20 Prozent günstiger als normaler Strom. Der durchschnittliche Preis liegt laut Verivox bei 25,6 Cent pro Kilowattstunde.
Bei aktuellen Durchschnittspreisen ergibt das:
Single:
Paare:
Familie:
Neben den Kosten fallen bei allen Heizungsarten noch Ausgaben für die Wartung an. Sie liegen in allen Fällen bei 100 bis 250 Euro.
Auch die durchschnittlichen Reparaturkosten liegen mit 50 bis 150 Euro pro Jahr in einem ähnlichen Bereich.
Bei Erdgas- und Ölheizungen kommen noch Kosten für den Schornsteinfeger und für Hilfsstrom hinzu. Der ist für Pumpen, die Regelung der Heizung und die Zündung nötig. Zusammen ergibt das weitere Kosten von 100 bis 250 Euro pro Jahr.
Sie entfallen bei einer Wärmepumpe komplett.
Das sind aber nur die heutigen Kosten. Die Ausgaben für Gas- und Ölheizungen werden steigen. Grund dafür ist der CO2-Preis. Er liegt aktuell bei 55 bis 65 Euro pro Tonne. Ab 2028 werden Zertifikate frei gehandelt – Experten erwarten Preise von bis zu 200 Euro.
Der ADAC schätzt, dass sich das mit 1,55 Cent pro Kilowattstunde Erdgas und 20,7 Cent pro Liter Heizöl auswirkt. Ab 2028 handeln Unternehmen die Zertifikate frei am Markt. Die EU verknappt die Zertifikate jedes Jahr. Deshalb wird der Preis steigen.
Experten rechnen mit Preisen zwischen 80 und 200 Euro. Gegenüber heute stiege damit der Preis für die Kilowattstunde Erdgas um 0,3 bis 3,2 Cent. Bei Öl sind es 4,8 bis 43 Cent pro Liter.
Das führt zu Mehrkosten:
Mittelfristig dürfte sich der CO2-Preis dabei immer mehr am oberen Ende der Spanne orientieren. Für den Biogas- oder Bio-Heizöl-Anteil soll er laut Bundesregierung zwar erlassen werden. Aber der macht ab 2029 nur zehn Prozent der Kosten aus.
Erdgas und Strom werden über Netze verteilt, für die Betreiber Entgelte verlangen. Aktuell liegen sie bei rund 2,6 Cent pro Kilowattstunde für Gas und 2,9 Cent für Strom.
Durch die Energiewende dürften die Gasnetzentgelte jedoch stark steigen, weil sich die Kosten auf immer weniger Haushalte verteilen. Das Fraunhofer-Institut rechnet bis 2030 mit rund 5 Cent pro kWh, bis 2040 sogar mit 7,5 Cent. Für Haushalte kann das Mehrkosten von 250 bis 1000 Euro pro Jahr bedeuten.
Auch Stromnetzentgelte steigen wegen des Netzausbaus. Prognosen gehen bis 2045 von einem Plus von rund 7 Cent pro kWh aus – für Wärmepumpenbesitzer wären das zusätzliche 70 bis 470 Euro jährlich.
Auch Bestandsgebäude müssen schrittweise bessere Effizienzklassen erreichen. So müssen alle Wohngebäude ab 2030 die Energieeffizienzklasse E erreichen, ab 2033 die Klasse D. Gerade bei schlecht gedämmten Gebäuden wird das mit einer fossilen Heizung nicht möglich sein.
"Planungstreue ist unseren aktuellen Politikern völlig unbekannt"
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